Konkret 03/98, S. 4
 
von Konkret
 
Die Nazi-Zeitung »Junge Freiheit« beschwert sich, daß die »Gesinnungswächter« von KONKRET den KPÖ-Vorsitzenden Walter Baier »ins Inquisitionsverhör genommen« und gefragt hätten, warum er dem österreichischen »JF«-Pendant »Zur Zeit« ein Interview gegeben habe (KONKRET 1/98). Baier sei »scharf gefragt« worden und habe »pflichtschuldigst« geantwortet. »Die extreme Linke (sei) nicht gewillt hinzunehmen, daß ein wertkonservatives und freisinniges Wochenblatt daran geht, offene Debatten zu führen«, und jeder, der »sich von linker Seite an diesen Debatten beteiligt, wie KP-Chef Walter Baier, (werde) gemaßregelt«, klagt das Blatt. So hart kann das Leben sein für kleine Nazis.
 
Eine Propagandabroschüre der Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU) unter dem Titel Linksextremismus - eine vernachlässigte Gefahr kommt den Hitlerjungs zu Hilfe:  
Primitive »Ziellisten« wie die Neonazi-Broschüre »Der Einblick« haben meines Wissens nach nicht zu Belästigungen von Linken geführt, die über ekelhafte Telefonanrufe hinausgegangen wären. Wer aber in KONKRET oder »Junge Welt« als Nazi definiert, in »Interim«, »Radikal« oder auch im »Rechten Rand« mit Wohnortangabe, Funktion und Photo als Ziel aufbereitet wurde, sollte nicht überrascht sein, wenn solcher »antifaschistischen Aufklärung« die revolutionäre Praxis folgt.  
Von den weltweit bekannten Folgen dieser Praxis handelt die Titelgeschichte der vorliegenden KONKRET-Ausgabe.  
Dabei ist ein Teil dieser Blätter keineswegs nur den Autonomen zuzurechnen. Anders als »Rechts« ist keines von ihnen verboten - außer »Radikal«, das aber leicht erhältlich ist.  
Obwohl doch in Bonn Konrad Adenauers Enkel eigenhändig regiert!
 
Korrekturen I: In seiner Kolumne (2/98) hatte Hermann L. Gremliza aus dem Buch Goldhagen und die deutsche Linke zitiert, für den Maidanek-Prozeß habe sich »die deutsche Öffentlichkeit .... nicht aber die deutsche Linke« interessiert. Richtig hätte es heißen müssen: »die internationale Öffentlichkeit«. Der Fehler ist um so ärgerlicher, als er den Eindruck erwecken könnte, er habe einem Argument gedient, zu dem er in Wahrheit nichts beizutragen hätte.
 
Korrekturen II: Die Hindenburgkaserne, auf Seite 16 des letzten Heftes abgebildet, befindet sich nicht in Hamburg-Harburg, sondern in Neumünster. Die »Himmelrodter Denkschrift«, von der im Beitrag »Nazis in Uniform« von Michael Schilling die Rede war, muß richtig heißen: »Himmeroder Denkschrift«, wie auch das Eiffelkloster sich in Himmerod befindet und nicht in Himmelrodt. Die Redaktion bedauert die Irrtümer.
 
Korrekturen III: Divid-Enten sind mitnichten batteriebetriebene Wasservögel, wie manche Leser vielleicht vermuteten, sondern allein ein von der Hybrid-Korrektur des letzten Heftes übersehener Druckfehler in dem Gedicht »Schneezeit« von Peter Hacks, das hier noch einmal vollständig und in seiner ganzen ökonomischen Stimmigkeit abgedruckt sei:
 
SCHNEEZEIT  
Was soll Materie, wo Menschen hausen?  
Das Wasser fror zu Schmutz. Der Winter war,  
Schon als ich jung war, mir ein rechtes Grausen.  
Die Hochbahn klappert laut und sonderbar.
 
Die Fußabtreter mieten auf den Treppen.  
Unten ums Eck weiß ich ein Biercafé.  
Ein Kind läßt sich auf einem Schlitten schleppen.  
Ein Moppel riecht erfreut am feuchten Schnee.
 
Ein Wirt hat mir ein kaltes Bier gezapft.  
Vor einem Himmel, hell mit Rauch verhangen,  
Stehn wie aus schwarzem Glas, weiß überfangen,  
Die kahlen Bäume. Trotzig blickend stapft  
Der Proletarier mit vergrabnen Händen.  
Die Gas-AG schreibt fette Dividenden.
 
Mit dem 1. KONKRET-Kaderfrühstück beginnt KONKRET eine Veranstaltungsreihe, die künftig einmal im Monat Leserinnen und Leser mit Autorinnen und Autoren dieser Zeitschrift zusammenführen soll. Der Titel des ersten gemeinsam mit der Hamburger Werkstatt 3 veranstalteten Kaderfrühstücks mit Sylke Kirschnick (Zentrum für demokratische Kultur) und KONKRET-Autor Jürgen Elsässer lautet: »Im Reich der Glatzen. Über die ersten ausländerfreien Gebiete in Deutschland und die Sympathie von Linken mit rechten Tätern«. Tag und Beginn: Donnerstag, 5. März, 19.30 Uhr. Ort: Werkstatt 3 (Hamburg-Altona, Nernstweg 32).
 
»Deutsche Zustände. Politische Alternativen im Wahljahr 1998«: Das 2. KONKRET-Kaderfrühstück gibt es auf der Leipziger Buchmesse. Auf dem Podium sitzen und debattieren werden der Schriftsteller Hermann Kant, der Publizist und KONKRET-Autor Dr. Mathias Wedel und Hermann L. Gremliza. Tag und Beginn: Samstag, 28. März, 19.30 Uhr. Ort: Museum für Bildende Künste, Grimmaische Str. 1-7, 04109 Leipzig. KONKRET und der Konkret Literatur Verlag haben auf der Messe (26:29.3.) einen gemeinsamen Stand: Halle 3 G 206a.
 
Ebenfalls während der Leipziger Buchmesse liest und diskutiert auf einer Veranstaltung des Konkret Literatur Verlags Jutta Ditfurth über den Zusammenhang von Esoterik, Ökofaschismus und Biozentrismus: am 28. März um 17 Uhr in der Stadtbibliothek Leipzig, Wilhelm Leuschner Platz 10/ 11.
 
Pünktlich zur Leipziger Buchmesse Ende März erscheint als 15. Band der konkret-texte-Reihe ein Buch des Marburger Professors für Politikwissenschaft und KONKRET-Autors Georg Fülberth: Das Ende als Chance? Überlegungen zum tendenziellen Fall der sozialistischen Bewegung 1988-1998, Band 1. Bestellung siehe Seite 42.
 
Getrennt dichten, vereint vortragen. Ab Mai 98 steht das sehr gemischte Doppel Hermann L. Gremliza und Horst Tomayer wieder zu Lesungen bereit. Interessenten wenden sich bitte an den Verlag.