in konkret Juli 1992

Von Konkret
 
an konkret
 
Deutscher Anstand von Hermann L. Gremliza
 
Der UN-Beschluß vom 30. Mai dieses Jahres, durch den das verbliebene Rest-Jugoslawien zum für die Gewalt in Bosnien-Herzegowina allein verantwortlichen Aggressor erklärt und mit harten Sanktionen belegt wurde, ist nicht nur ein groteskes Fehlurteil, sondern gleichzeitig Ausdruck einer allgemeinen Willkür, die sich um Rechtsgründe und moralische Legitimationen nun länger nicht mehr schert. In ihr wird sichtbar, »was die freie Konkurrenz in einem Kapitalismus sein würde, der selber keine Konkurrenz mehr kennt: die Hölle«
 
Markieren die Maastrichter Beschlüsse vom Dezember letzten Jahres den Anfang vom Ende des europäischen Einigungsprozesses? Das »Nej« der Dänen und die begeisterten Reaktionen der EG-Gegner in anderen Mitgliedsstaaten darauf, lassen das möglich erscheinen. Bernhelm Booß-Bavnbek untersucht mit Jürgen Habermas’ Hilfe die Gründe für das Ergebnis des dänischen Referendums. Eckhard Voss beschreibt seine Wirkung in Großbritannien
 
Habermas in Dänemark
 
Korruption, Mißwirtschaft, Mafia und »politische Klasse« bilden in Italien eine Systemeinheit. Die von den Medien als »Superkrise« titulierten Ereignisse dieses Frühjahrs haben dies deutlicher gemacht als je zuvor. Während der senil-reaktionäre Alt-Katholik und neue Staatspräsident Oscar Luigi Scalfaro bereits als Erlöser aus dem allgemeinen Desaster gefeiert wird, bereitet sich die herrschende Klasse auf die Transformation Italiens in eine autoritäre Präsidialrepublik vor. Effektiver Widerstand dagegen ist derzeit nicht in Sicht
 
Nachdem der Gegner im Osten kapituliert hat, marschieren die publizistischen Kampfverbände an die Westfront ab. Intellektuelle Tiefflieger, unterstützt von revisionistischen Nebelwerfern, attackieren einen der wichtigsten Kommandeure der Anti-Hitler-Koalition: Der britische Luftwaffengeneral Sir Arthur Harris habe den »ersten vornuklearen Massenmord aus der Luft« organisiert (»Spiegel«) und sei ein »Architekt der Vernichtung« (»Welt«) und »tatsächlich ein Schlächter« (»Frankfurter Rundschau«) gewesen. In der Stadt Pforzheim, die die Nazi-Propaganda von den unschuldigen deutschen Harris-Opfern am längsten und gründlichsten wiedergekäut hat, lassen sich die Folgen dieser Historikeroffensive besonders gut studieren
 
Am 18. Mai 1992 wurde in Hamburg ein Urteil gesprochen, das in mehrfacher Hinsicht Geschichte machen wird. Zwei Antifaschisten der ehemaligen DDR, 73 und 69 Jahre alt, standen vor Gericht, weil in einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager im Jahre 1947 ein NS-Oberstabsrichter erschlagen worden war
 
Siebter Teil einer unvollständigen Chronik der Gewalttaten gegen Ausländer im wiedervereinigten Deutschland
 
Jeder Protest gegen Ausländerverfolgung ist richtig, weshalb auch niemand seine Motive rechtfertigen muß. Wenn jemand das Auftreten und die Gewalttaten der Rechtsextremisten in irgendeiner Weise stört, verurteilt, öffentlich macht, dann spielen die Gründe, warum er das tut, keine Rolle. Ganz gleich also, ob er Schriftsteller, Arbeitgeberpräsident oder Chefredakteur ist, seine Hintergedanken müssen weder ehrenwert noch lauter sein. Etwas anderes ist es, wenn der Protest zur Suche nach den eigenen Motiven wird und Schriftsteller, Arbeitgeberpräsident und Chefredakteur sich gegenseitig mitteilen, warum sie gegen Ausländerverfolgung sind
 
Zwölf Jahre lang haben republikanische Präsidenten den starken (weißen) Mann gespielt und versprochen, Staatsverschuldung, Drogenhandel und Straßenkriminalität den Garaus zu machen. Das Ergebnis: Die USA stecken tiefer in der Krise als je zuvor. Jetzt kündigt ein neuer Kandidat an, die Versprechungen in die Tat umzusetzen - koste es, was es wolle
 
Die von Gorbatschow konzipierte »Rückführung der Frauen zu ihrer wahren Bestimmung« - Kinder, Küche, Kirche - wird in Rußland überplanmäßig erfüllt
 
Warum eine Beschäftigung mit Henry Morgenthau mehr als nur von historischem Interesse ist. Acht Thesen
 
Im Zuge eines joint ventures von Landesregierung und einer Investorengruppe soll in Hamburg ein von den Nationalsozialisten weitgehend zerstörter jüdischer Friedhof vollends ausgelöscht erden
 
Fritz Fischer: Hitler war kein Betriebsunfall, München 1992, Beck’sche Reihe Nr. 459, 272 S., 19.80 Mark
 
ich habe gelesen von Bernd Rauschenbach
 
In Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrags hat das ZDF den Film »Bronsteins Kinder«, ein tragisches Bewältigungstheater, für einen zweifellos nächtlichen Einsatz erworben. Langes Zuwarten wird dieser melodramatischen Politfabel jedoch nicht guttun
 
Rezension
 
Rezension
 
Rezension
 
Rezension
 
Rezension
 
Rezension
 
Rezension
 
Rezension
 
Rezension
 
Rezension
 
Rezension