in konkret Juni 1992

Von Konkret
 
an konkret
 
Kein Konzept statt Guerilla von Hermann L. Gremliza
 
Mit den Gefangenen aus der RAF Karl-Heinz Dellwo, Knut Folkerts und Lutz Taufer in der Justizvollzugsanstalt Celle über die jüngste Erklärung der RAF. Dellwo und Taufer sind seit April 1975 in Haft, verurteilt zu jeweils zwei Mal lebenslänglich wegen Mord und Geiselnahme (Angriff auf die BRD-Botschaft in Stockholm), Folkerts ist seit September 1977 in Haft, verurteilt zu lebenslänglich (Anschlag auf Generalbundesanwalt Buback). An diesem ersten Gespräch mit Journalisten, das die Gefangenen führen konnten, nahmen teil: Thomas Ebermann, Rosita Timm, Hermann L. Gremliza und die Fotografin Marily Stroux
 
KONKRET dokumentiert die Erklärung der RAF vom 10. April 1992, in der sie ankündigt, »Angriffe auf führende Repräsentanten aus Wirtschaft und Staat« einzustellen. Zu einem Satz der Erklärung erhielten wir eine Änderung gegenüber der bislang veröffentlichten Version
 
Die Gefangenen aus der RAF wollen raus. Mit der Hoffnung auf ein Einlenken des Staates allein ist das nicht zu bewerkstelligen. Denn die »Kinkel-Initiative« zielt nicht auf Freiheit, sie ist die Fortsetzung der harten Linie in zeitgemäßerem Outfit
 
Willi Stoph, der letzte Vorsitzende des DDR-Ministerrats vor der Wende, sitzt seit Mai 1991 schwerkrank in Untersuchungshaft. Das Verbrechen, dessen er angeklagt ist, die Sicherung der Grenzen der DDR, heißt in der Sprache der Siegerjustiz »Anstiftung zum Totschlag« oder »Tötung durch Unterlassen«. Der »Schießbefehl«, der das belegen und an dem er mitgewirkt haben soll, unterscheidet sich nicht von dem Schießbefehl für Polizisten und Grenzbeamte der BRD - bis auf die Unterschrift Richard von Weizsäckers, die letzterer trägt. Willi Stoph hat zu seinem Verfahren eine Erklärung abgegeben, die sich von den Einlassungen seiner Genossen Mittag, Schabowski und Krenz angenehm abhebt. Er entschuldigt sich nicht für die Existenz der DDR und seine Arbeit für sie: »Verantwortlich fühle ich mich gegenüber der internationalen Arbeiterbewegung, aber nicht gegenüber der Justiz der BRD.« KONKRET dokumentiert seine Erklärung. Die Stoph-Verteidigerin und der kürzlich verstorbene Verfassungsrechtler Martin Hirsch kommentieren den Stand des Verfahrens
 
Die Bemühungen von Politikern, Publizisten und Historikern, im Gerede über die Geschichte der DDR den Nationalsozialismus zum Verschwinden zu bringen, sind in eine neue Phase getreten - in die seiner Rehabilitierung. Ein Zwischenbericht
 
Der Wahn, der die deutsche Presse während des ÖTV-Streiks das Chaos in Deutschland herbeiphantasieren ließ, ist die Idee einer »Notgemeinschaft Deutschland«. Den Gewerkschaften ist die undankbare Aufgabe zugefallen, ihren Mitgliedern die »Gier nach dem Geld« (»Spiegel«) auszutreiben
 
Der Öko-Vordenker Herbert Gruhl, der pünktlich zum Öko-Gipfel in Rio die Ausrottung der ‘überflüssigen’ Menschen herbeisehnt, gilt hierzulande nicht etwa als Faschist, sondern als »Mahner zur Umkehr«
 
Der Aufstand im Ghetto von Los Angeles hat eine »Notgemeinschaft der Marginalisierten« sichtbar gemacht, die sich quer zu ethnischen Trennungslinien zusammenfand. Selbst als industrielle Reservearmee nicht mehr gefragt, bleibt ihnen einzig die Rebellion, um auf ihre hoffnungslose Lage aufmerksam zu machen
 
Gegen Libyen verhält sich die Uno wie eine Kolonialbehörde
 
Was ist Haukaropora gegen Winnetou? Karl May hat mit seiner Schilderung der Indianer Lateinamerikas unsere Vorstellung von der »Dritten Welt« nachhaltig geprägt
 
Der österreichische Schriftsteller Michael Scharang hat einen Roman »über die Bodenlosigkeit unseres friedlichen alpinen Seins« geschrieben: »Auf nach Amerika«
 
Ich habe gelesen von Christel Dormagen
 
»Mittelweg 36« ist der Titel einer Zeitschrift, die das Hamburger Institut für Sozialforschung jetzt gestartet hat - »eine Frucht der Ernüchterung«
 
Die Förderung elektronischer Kunstwerke mit Geldern imagepflegender Großkonzerne, mehr aber noch die funktionalen und ästhetischen Parallelen zwischen seinen militärisch-industriellen und künstlerischen Anwendungen machen den Computer als Werkzeug und Medium der Kunst problematisch. Dennoch ermöglichen seine digitalen Datenströme elektronischen Kunstwerken, tiefer als andere Künste in heteronome gesellschaftliche Bereiche einzudringen, und das ganz unmetaphorisch als Transfer, als Kopie, als Virus oder als Dialog im Netzwerk. Erster Teil eines Beitrags über »Datenkünste«
 
Tomayers ehrliches Tagebuch von Horst Tomayer
 
Die RAF ist in der deutschen Pop-Kultur fast nicht vorgekommen. Nur der englischen Pop-Musik verdanken wir die Erkenntnis, daß es bei der RAF vor allem darum gegangen ist, etwas besseres finden zu können, als für die Grünen im Parlament zu sitzen