in konkret Januar 1992

von konkret
 
an konkret
 
One Way Ticket von Hermann L. Gremliza
 
In Deutschland ist es zwar am schlimmsten, aber die anderen europäischen Nationen ziehen kräftig mit: Von Sevilla bis Oslo und von Plymouth bis Rostock gehören rassistische Parolen bereits zur alltäglichen Normalität, häufen sich Gewalttaten gegen Flüchtlinge, erzielen rassistische Parteien zweistellige Wahlergebnisse, werden Ausländer entrechtet, Asylsuchende abgewiesen. Das »europäische Haus«, vom deutschen Blockwart verwaltet, wird zum Alptraum für den Rest der Welt
 
»Reicher Jude« und »Wirtschaftsflüchtling« - was ist den scheinbar so gegensätzlichen Feindbildern gemein? Daß sie ressentimentgeladene Ersatzvorstellungen für »Kapitalismus« sind
 
Fortsetzung einer unvollständigen Chronik der Gewalttaten gegen Ausländer im wiedervereinigten Deutschland
 
Nördlich von Hamburg, in Norderstedt, haben 63 Flüchtlinge, die vor deutschen Faschisten aus Greifswald noch einmal hatten fliehen müssen, in einer evangelischen Kirche Schutz gefunden. Weil aber die deutschen Christen dort das Fest der Liebe feiern wollen, hat der fortschrittliche Pastor den Flüchtlingen gekündigt
 
»Welche Vermögenswerte haben wir denn noch in Polen?« - Auf der Hauptversammlung der IG Farben in Abwicklung, die Ende November in Frankfurt/M. stattfand, bekräftigten die Aktionäre ihren Willen, mit den Überresten des NS-Konzerns auch weiterhin gute Geschäfte zu machen
 
Die Bemühungen von Treuhandanstalt und »unabhängiger« Parteikommission, die PDS auf administrativem Weg zu liquidieren, haben eine neue Qualität gewonnen
 
Der Golfkrieg hat den Deutschen wieder einmal ihre geliebte »Judenfrage« gestellt. Zu den vielen Versuchen, sie ihnen mit pädagogischem Eros zu beantworten, sind in diesen Wochen zwei hinzugekommen: Ralph Giordanos Buch »Israel um Himmels Willen Israel« und »Israel und die Welt nach dem Krieg«, die Übersetzung eines in Tel Aviv erschienenen Bändchens mit sechzehn Diskussionsbeiträgen israelischer Autoren und Autorinnen
 
Der Golfkrieg hat den Deutschen wieder einmal ihre geliebte »Judenfrage« gestellt. Zu den vielen Versuchen, sie ihnen mit pädagogischem Eros zu beantworten, sind in diesen Wochen zwei hinzugekommen: Ralph Giordanos Buch »Israel um Himmels Willen Israel« und »Israel und die Welt nach dem Krieg«, die Übersetzung eines in Tel Aviv erschienenen Bändchens mit sechzehn Diskussionsbeiträgen israelischer Autoren und Autorinnen
 
Auf dem Golfkriegs-Tribunal, das Ende November in Stuttgart stattfand, entpuppte sich ein deutscher Friedensheld als postmoderne Mischung aus Goebbels und Ghadafi
 
»Im Osten bekommen die Massen des Westens vorgeführt, was ihnen selber blüht. Die Möglichkeit besteht, daß sie dies im richtigen Augenblick noch erkennen. Tatsache ist, daß die Klassenherrschaft noch nie so schwach war, wie im Augenblick ihres jüngsten Triumphes«
 
Johann Georg Reißmüllers unglückliche Liebe zu den Serben. Ein Nachtrag zu »Entscheidung in Jugoslawien« (KONKRET 9/91)
 
Karl Rössel: Wind, Sand und (Merce-des-)Sterne. Westsahara: Der vergessene Kampf um die Freiheit, Horlemann-Verlag, Bad Honnef 1991, 416 Seiten, 29,80 Mark
 
»Ihre Frage, ob die DDR zum Vaterland zu wählen, ist bis zu einem gewissen Grad beantwortbar. Falls Sie vorhaben, ein großer Dichter zu werden, müssen Sie in die DDR; sie allein stellt Ihnen - auf ihre entsetzliche Weise - die Fragen des Jahrhunderts.« (Peter Hacks an Ronald M. Schernikau)
 
Die Annahme, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR würden lediglich antifaschistische Gedenkstätten geschlossen und die Denkmäler stalinistischer Größen demontiert, also nur Abrißarbeit geleistet, gehört in den Bereich linksliberaler Wunschvorstellungen. Denn längst sind neue Einrichtungen entstanden, die an besonders glorreiche Momente der jüngeren deutschen Geschichte erinnern sollen
 
Ostdeutsche Neonazis mußten lange auf Veranstaltungen faschistischer Historiker wie David Irving oder Fred Leuchter verzichten. Seit dem Fall der Mauer aber touren diese nun umso erfolgreicher durch die ostdeutschen Gaue. Aufgefallen ist das bisher nur dem Londoner »Guardian«
 
In Ausstellungen und Buchveröffentlichungen zur Geschichte der »Landes-Heil- und Pflegeanstalt« Hadamar zeichnet der Landeswohlfahrtsverband Hessen ein Bild der NS-»Euthanasie«, das nationalsozialistische Normalitätsvorstellungen transportiert
 
Piwitt’s Siebensachen von Hermann Peter Piwitt
 
Das Scheitern privater wie kollektiver Revolten in den schwarzen Ghettos der nordamerikanischen Großstädte bildet den Rohstoff eines Großteils der schwarzen Kriminalliteratur. Dritter und letzter Teil der KONKRET-Serie über schwarze Kriminalromane
 
Die forensische, gerichtliche Begutachtung von Beschuldigten beziehungsweise Angeklagten ist für den Psychiater ein Kreuzweg; ein Kreuzweg, auf dem er sich jedesmal von neuem entscheiden muß, wenn er mit einem Gutachten beauftragt wird.
 
Tomayers ehrliches Tagebuch von Horst Tomayer
 
»Ein heute lebender schwarzer amerikanischer Mann hat eine Chance von 1:20, ermordet zu werden. In den meisten Fällen wird die Kugel von einem ‘Brother’ abgefeuert.« Mit diesen Sätzen beginnt - weiß auf schwarz - John Singletons Film »Boyz’n The Hood«, der der Frage nachgeht, ob nur Gewalt hilft, wo Gewalt herrscht
 
Gute Laune ist Trumpf in der Komödie »Riff-Raff« des britischen Trotzkisten Ken Loach