in konkret Dezember 1991

von konkret
 
an konkret
 
Stasidiotie von Hermann L. Gremliza
 
Der Skandal um die paar Kampffahrzeuge, die der BND an den israelischen Geheimdienst liefern wollte, war eine willkommene, wenn nicht sogar inszenierte Ablenkung: Im wochenlangen Getöse um die alten Waffen aus den DDR-Beständen sollte untergehn, daß eine UN-Kommission die Deutschen überführt hat, den Irak systematisch nuklear und chemisch aufgerüstet zu haben, und daß die deutschen Waffenexporteure ungestraft davonkommen
 
»Demokratisierungshilfe« und »Ausstattungshilfe« - so menschenfreundlich heißen die Programme, mit denen die Bundesregierung den armen Ländern des Südens hilft. Aber anstatt sich als Wohltäter öffentlich feiern zu lassen, drücken die Bonner auf jeden Zettel, der von ihren guten Taten zeugt, den Geheimhaltungsstempel »VS - Nur für den Dienstgebrauch«
 
Die Madrider Nahost-Konferenz hat Ergebnisse gebracht, die ohne weiteres nicht mehr zu revidieren sind
 
Als zwischen Hoyerswerda und Saarlouis Ausländerheime brannten und zehntausende Flüchtlinge um Leib und Leben zitterten, schickte der »Spiegel« seine mutigste Redakteurin an die Front: Zum Titelthema »Skinheads, Straßenräuber, Einbrecher - kapituliert die Polizei?« durfte Ariane Barth in einem endlosen Riemen den Terror beschreiben, den Banden von asozialen Roma-Kindern über einen Hamburger Stadtteil verbreiten
 
Warum die DKP - doch, doch, gibt’s noch - glaubt, die deutsche Arbeiterklasse vor der »Einwanderungswelle« in Schutz nehmen zu müssen. Ein Nachtrag zu »Zum Städele hinaus ...« in KONKRET 11/91
 
Aus den Schlagzeilen sind sie längst verschwunden, aber die Angriffe auf Ausländer und ihre Unterkünfte sind auch in den letzten vier Wochen weitergegangen. Fortsetzung einer unvollständigen Chronik
 
Nicht die Angriffe rechtsradikaler Schläger auf Ausländer, sondern die Versuche linker Gruppen, sie davor zu schützen, stellen nach Meinung deutscher Politiker und Medien eine »besonders gefährliche Form von Gewalt im Ausländerbereich« dar
 
Die Wiedervereinigung habe dem deutschen Kapital »einen unverschämten Boom beschert« meinte Rainer Trampert in KONKRET 10/91 (»Förderung bei Wolgograd«) und warf dem Krisentheoretiker Robert Kurz Zweckpessimismus zugunsten der imperialen Bestrebungen des wiedervereinigten Deutschland vor. Kurz antwortet ihm: »Wenn es heute einen Weltmeister im Glauben an den ‘Sieg’ des Kapitalismus gibt, dann sind es die Veteranen linker Radikalität«
 
Robert Kurz’ Versuch, Kapitalismus und Realen Sozialismus gemeinsam auf den Begriff »Moderne« zu bringen und nach dem Scheitern des einen das des anderen vorauszusagen, erklärt nicht viel. Allenfalls jagt er den Metropolen-Intellektuellen einen wohligen Schauer über den Rücken
 
Der Ökofaschist Herbert Gruhl hat endlich das Bundesverdienstkreuz bekommen - von der niedersächsischen Umweltministerin Monika Griefahn
 
Seit mit dem Scheitern des Putsches in der Sowjetunion die Niederlage des Sozialismus gleichsam geschichtsoffiziell geworden ist, widmet sich die westliche Welt mit Inbrunst und Häme den noch verbliebenen »letzten Bastionen des Kommunismus«. Ihre besondere Aufmerksamkeit hat sie dabei auf das mit zunehmenden wirtschaftlichen Problemen kämpfende Kuba gerichtet, von dessen sozialen und politischen Errungenschaften die ausgeplünderten Massen der Dritten Welt nur träumen können Zwei Beiträge über ein Land, dessen Bevölkerung und politische Führung Slums, Analphabetismus und Todesschwadrone nicht für erstrebenswert halten
 
Seit mit dem Scheitern des Putsches in der Sowjetunion die Niederlage des Sozialismus gleichsam geschichtsoffiziell geworden ist, widmet sich die westliche Welt mit Inbrunst und Häme den noch verbliebenen »letzten Bastionen des Kommunismus«. Ihre besondere Aufmerksamkeit hat sie dabei auf das mit zunehmenden wirtschaftlichen Problemen kämpfende Kuba gerichtet, von dessen sozialen und politischen Errungenschaften die ausgeplünderten Massen der Dritten Welt nur träumen können Zwei Beiträge über ein Land, dessen Bevölkerung und politische Führung Slums, Analphabetismus und Todesschwadrone nicht für erstrebenswert halten
 
Den folgenden Text - eine scharfe Kritik der Lateinamerika-Politik der Vereinigten Staaten - hat der englische Dramatiker Harold Pinter am 31. Mai 1990 in der TV-Sendung »Opinion« im Channel 4 der BBC verlesen. Er wird hier erstmals in deutscher Übersetzung veröffentlicht
 
Tulio Halperín Donghi: Geschichte Lateinamerikas von der Unabhängigkeit bis zur Gegenwart. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1991, 840 Seiten, 98 Mark
 
Die neue Weltordnung von Harold Pinter
 
Honorige deutsche Politiker und ihre Professoren sind dagegen, daß man die von Nazis verschleppten Zwangsarbeiter finanziell entschädigt und ein Zentrum zur Dokumentation des Holocaust einrichtet. Das könne nichts wieder gut machen. (Außerdem würde es allein die Volkswagen AG ein paar Millionen Mark kosten und die Geburtstagsfeiern für Auschwitz-Aufsichtsräte wie den Hermann Josef Abs empfindlich stören)
 
Eins von drei Themen der Sendung »Report« (Südwestfunk Baden-Baden, Moderation: Franz Alt) war am 12. November »die neue Wiedergutmachungsforderung Israels an die Bundesregierung«. Der im Folgenden dokumentierte (und in kursiver Schrift kommentierte) Text der Sendung zeigt, daß schon ein Jahr nach der Wiedergeburt des Reichs der Deutschen das antisemitische Ressentiment vom Staatsfernsehen gefördert wird. Nicht so überraschend, daß dies auch unter Leitung eines Mannes geschieht, der auf der größten Kundgebung der deutschen Friedensbewegung gegen die USA und ihre im Golfkrieg Verbündeten der Hauptredner gewesen ist. Die Ausschrift des redaktionellen Textes führt viele Gesten und Stereotype des deutschen Antisemitismus vor - und nebenbei die erbärmliche Qualität der an diesen öffentlich-rechtlichen Orten gesprochenen Worte
 
Zum Tode des Schriftstellers Ronald M. Schernikau, der Ende Oktober, 31jährig, in Berlin starb
 
Tomayers ehrliches Tagebuch von Horst Tomayer
 
»God has just recosered his sanity.« So endet Jim Thompsons letzter Roman »Child Of Rage«. Nicht zufällig ist dieser versöhnliche letzte Satz eines zornigen Außenseiters einem Schwarzen vorbehalten. Für das weiße Amerika gibt es in Thompsons Welt keine Rettung mehr. Zweiter Teil einer dreiteiligen Serie über 'schwarze' Kriminalromane
 
Der schwarze Regisseur Spike Lee hat einen Film über die Herrschaft des Rassismus in den USA gedreht: »Jungle Fever«
 
Der ehemalige APO-Führer und heutige Multikulturdezernent der Stadt Frankfurt hat einen Spielfilm gedreht: »C’est la vie«. Ein gedankenarmer Versuch, die 68er Bewegung zu vermarkten