in konkret Mai 1991

von konkret
 
an konkret
 
Schwarzer Montag von Hermann L. Gremliza
 
Zum Streitgespräch in der KONKRET-Redaktion kamen zusammen: Eva Groepler, Übersetzerin (zuletzt Sartres »Schmutzige Hände«) und ehemaliges Mitglied des KB, vor Jahren ausgetreten wegen Phänomenen von Antisemitismus; Thomas Ebermann, ehem. grüner Abgeordneter des Bundestags, zuletzt Mitverfasser der »Flugschrift Radikale Linke«; Jan Philipp Reemtsma, Philologe und Mitarbeiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung und Hermann L. Gremliza. Die Gesprächsleitung besorgte Oliver Tolmein
 
Die Linke und der Mord an den Kurden: Bei unklaren Freund-Feind-Verhältnissen ist die Friedensbewegung lieber müde
 
»Als die Überlebenden der Konzentrationslager ‘Nie wieder Krieg` deklamierten, lag es wohl kaum in ihrer Absicht, die alliierten Soldaten, die sie soeben befreit hatten, als potentielle Mörder zu bezeichnen und über die Ungerechtigkeit des Krieges an sich aufzuklären« - Anmerkungen zu Habermas und dem Stoiker Chrysipp
 
Wie der Philosoph Ernst Tugendhat für Frieden und für»Euthanasie« eintritt und damit auf begeisterte Zustimmung in der linken und alternativen Szene stößt
 
Kurzer Nachruf auf die Machbarkeit des Kapitals
 
Auch unter Linken hat sich die Vorstellung eingebürgert, innerhalb der Sowjetunion habe sich ein System kolonialer Ausbeutung der Peripherie durch die Zentrale etabliert, gegen das die Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Republiken sich richteten. In Wahrheit aber steht deren Wunsch nach Autonomie bloß für die Weigerung, die Elendsregionen der Union durch Umverteilung von Gütern und Devisen noch länger zu alimentieren
 
Die SA-Praktiken in der Zone müssen aufhören
 
Man hat »Dämme« errichtet gegen »Asylantenfluten«, man hat Flüchtlinge so mies und abstoßend behandelt, wie nur möglich - aber die Abschreckung hat die deutschen Gemüter nicht befriedigt, vielmehr wächst nun die kollektive Panik wegen einiger Millionen, die angeblich im Osten auf gepackten Koffern sitzen und die »Völkerwanderung« planen. Dagegen will man mit einer »neuen Flüchtlingspolitik« gerüstet sein, und am besten probiert man erst mal am kleinen Modell, ob’s klappt. Zu Versuchsobjekten wurden Roma-Familien aus Nordrhein-Westfalen
 
In Berlin hoffen 269 aus der Sowjetunion geflüchtete Juden, daß die Deutschen sich geändert haben und sie hier in Ruhe leben können. Der Senat möchte sie aber lieber nach Israel abschieben
 
Wie Asylbewerber das Asylrecht gefährden, wenn sie sich weigern, in Sachsen Freiwild zu spielen
 
Zu Recht nennt die Phrase das antike Griechenland die Wiege der abendländischen Kultur: Marmorn liegt darin der prototypische Kopf, als tiefsinnig gerühmt, dessen Tiefsinn jedoch nicht hinabreichte unter die Wiege, wo die Sklaven vegetierten, die jenem Kopf als Nutztiere galten, nicht einmal Menschen hießen und deren Leben nichts bedeutete.
 
»Die Zivilgesellschaft erweist sich als das gemeinsame Boot von Liberalen, Libertären und durchgeweichten Marxisten. Kaum jemand von ihnen fragt, ob es am Ende nur im Swimming-Pool eines Flugzeugträgers kreuzt« - Anmerkungen zur Karriere eines undeutlichen Begriffs
 
Das Zeichen der Deutschen Bank war immer schon das Hakenkreuz. - Wer das nicht sehen konnte, der wollte nicht. Die Addition, die notwendig war, dies zu zeigen, war mathematisch zu einfach, als daß sich jetzt jemand herausreden könnte. Die Verantwortung für die künstlerische Aufführung ihres Kreuzes trägt die Bank selbst.
 
Piwitt’s Siebensachen von Hermann Peter Piwitt
 
Im Osten haben sie jetzt nicht nur Westmark, sondern auch Rassismus. Der sei dort schlimmer als sonst irgendwo in der BRD. Das ist Augenwischerei. Hier, in der westlichen Abteilung, nimmt man nur schon lange nicht mehr wahr, wie er das alltägliche Leben bestimmt
 
Uwe Backes/Eckhard Jesse/Rainer Zitelmann (Hg.): (Die Schatten der Vergangenheit. Impulse zur Historisierung des Nationalsozialismus(, Propyläen-Verlag, Berlin 1991, 656 S., 48 Mark
 
Zum 50. Geburtstag von Bob Dylan (am 24. Mai)
 
Daß Andrzej Wajda ein christlich-sentimentaler Filmemacher und »Korczak«, sein neuester Film, ein antisemitisches Machwerk sei, haben in KONKRET 4/91 Karl Anton & Vororth und der Regisseur Claude Lanzmann behauptet. Friedrich Leidinger widerspricht und attestiert Wajdas Kritikern antipolnische Ressentiments und einen »ahistorischen Antifaschismus«
 
Nach einem Drehbuch der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek hat Werner Schroeter den Roman»Malina« von Ingeborg Bachmann verfilmt. Herausgekommen ist dabei ein Produkt, das eher die Obsessionen der an seiner Herstellung Beteiligten reflektiert als Bachmanns Werk