in konkret März 1991

von konkret
 
an konkret
 
Richtig falsch von Hermann L. Gremliza
 
Bomben auf Bagdad - Panik in Stuttgart. In den Protesten der Friedensbewegung gegen den Krieg am Golf artikuliert sich die feste Überzeugung, der Angriff der verbündeten Streitkräfte auf den Irak gelte in Wahrheit den Deutschen und in ihm wiederhole sich die nationale Schmach der Niederlage von 1945
 
Die Neuauflage der Friedensbewegung angesichts des Golfkrieges bedeutet, »daß die hiesige Linke im weitesten und im engen Sinne wirklich für alle Zeiten moralisch erledigt ist«
 
Acht Thesen zum Golfkrieg
 
Die Bedrohung Israels kommt in Deutschland fast allen gelegen: Die deutsche Industrie hat sie gezielt herbeigeführt, der Regierung erleichtert sie die innenpolitische Legitimierung des deutschen Kriegsbeitrags, den Essayisten und Unterschriftstellern dient sie dazu, mit Deutschland ins Reine zu kommen. Nur linke und friedensbewegte Gruppen sind verärgert, weil ihnen die Israel-Solidarität das Geschäft erschwert
 
Die »Nationalzeitung« liest sich wie ein antiimperialistisches Flugblatt, die REPs engagieren sich gegen den Golfkrieg, in der rechtsextremen Zeitschrift »Europa vorn« werden deutsche Soldaten zur Desertion ermutigt. Die außerparlamentarische Große Koalition zwischen Neuen Rechten, Alternativen und Antiimperialisten aus der Zeit der ersten Friedensbewegung steht wieder
 
Erst haben sie sich vor dem Zivildienst gedrückt, jetzt laufen sie weinend heim zu Mutti. So darf das nicht weitergehen
 
In der Frauen-Opposition gegen den Golfkrieg dominieren gewollte Naivität und biologistischer Mütterpazifismus
 
Der Golfkrieg heizt den Rassismus in den europäischen Ländern an. Die staatliche Repression gegen Araber nimmt zu, der Eurozentrismus der Intellektuellen wird aggressiver
 
Auch weite Teile der US-Opposition gegen den Golfkrieg zeigen sich heimatverbunden
 
In Anlehnung an die Arbeit »The Authoritarian Personality« (AP), in der Theodor W. Adorno und andere die Zusammenhänge zwischen Charakterstrukturen und der Empfänglichkeit für faschistische Propaganda untersucht hatten, erstellt Wolfgang Pohrt für die »Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur« eine Studie über den »autoritätsgebundenen Charakter BRD 1990«, die KONKRET als work in progress dokumentiert. Nach dem Einleitungsessay, Überlegungen zur empirischen Methode, den Ergebnissen eines ersten Fragebogendurchlaufs (s. KONKRET 5-7/90), drei Interviews mit rechtsradikalen Aktivisten, durch die ermittelt werden sollte, »wohin das gängige Alltagsbewußtsein kraft eigener Immanenz fortschreiten kann« (s. KONKRET 8-9+11/90), und dem Abdruck einiger empirischer Daten der Pohrtschen Erhebung (s. KONKRET 1/91) setzen wir die Interpretation ihrer Ergebnisse (s. KONKRET 2/91) fort
 
Wenn die tatsächlichen Motive für das militärische Eingreifen der USA am Golf auch noch immer nicht klar sind, so spielen dabei ökonomische Interessen doch eine gewichtige Rolle
 
Aus gegebenem Anlaß an dieser Stelle ausnahmsweise keine Besprechung eines einzelnen Buches, sondern eine kommentierte Auswahl von Büchern und Aufsätzen, die sich mit der Vorgeschichte des Golfkrieges und den Interessen der an ihm Beteiligten beschäftigen
 
Zwar beteuern die kapitalistischen Länder unentwegt ihre Hilfsbereitschaft, tatsächlich aber halten sie sich bei der Unterstützung der ehemals sozialistischen Staaten sehr zurück. Das hat gute Gründe: Sie wollen ein Chaos in Osteuropa verhindern, ohne jedoch den Druck der Krise abzuschwächen
 
Hussein ist Hitler. Hitler ist Hussein. Und Hans Magnus Enzensberger ist wieder mit dabei. Versuch einer Entwirrung
 
Sie sind ganz Körper, die schwarzen Fußballer auf deutschen Fußballfeldern. Wenn sie auflaufen, ist auf den Rängen der Affe los. Die Fans scheuen sich nicht, die für Deutsche so wertvolle Banane den dunkelhäutigen Spielern nachzuwerfen. Mancher Trainer hält das für leistungsfördernd. Ein Beitrag zum Rückrundenstart in den Rassismus der Profiligen
 
Ich habe gelesen von Matthias Altenburg
 
Literatur und sentimentale Hautflechte von Brigitte Kronauer
 
Die wissenschaftliche Elite der Verhütungsmittel-Forscher will die »menschliche Reproduktionsrate« halbieren, um den Herausforderungen der Umwelt gerecht zu werden: »Die Menschheit ist der schlimmste Feind der Umwelt.« Zu diesem Zweck wollen die Wissenschaftler die Fruchtbarkeit der Frau unter Kontrolle bringen. Ingrid Schneider hat auf dem »Dritten Internationalen Kontrazeptionssymposium«, das letzten Juni in Heidelberg stattfand, beobachtet, wie die Ideologie des Patriarchats auf seine Praxis wirkt
 
Tomayers ehrliches Tagebuch von Horst Tomayer
 
Bevor die »Operation Wüstensturm« Wirklichkeit wurde, hat es die Bilder, denen sie nacheifert, längst gegeben: im Kino