in konkret Januar 1991

von konkret
 
an konkret
 
... and the good? von Hermann L. Gremliza
 
In Europa vollzieht sich derzeit der Wandel von einem lange Zeit verdeckten, »marktwirtschaftlich« vermittelten zu einem offensiv und imperialistisch auftretenden Rassismus. Dabei geht es nicht nur um ein ideologisches Konstrukt, sondern in erster Linie um ökonomische Ausbeutung. Ein Überblick über die Flüchtlingspolitik der EG-Staaten
 
Die »Eiserne Lady« ist gestürzt. Von ihrer eigenen Partei? Ja und nein
 
In den achtziger Jahren mehrte sich die Zahl der Deutschen, die zum Judentum übertraten und damit zum Ausdruck brachten, »daß zum antisemitischen Syndrom Vernichtungswunsch und Bewunderung gleichermaßen gehören«. Ein Rückblick auf eine zehnjährige deutsch-jüdische Verwechslungskomödie
 
Es hat mitunter den Anschein, als würde die Formierung einer One World die losgelassenen Völker in einen Wahnsinn treiben, der sich zuallererst in einem neu entfachten Haß auf die Juden äußert. Aber nicht nur in den Staaten des ehemaligen Ostblocks, sondern auch im wiedervereinigten Deutschland verstärken sich antisemitische Tendenzen. Drei Neuerscheinungen versuchen die Frage zu beantworten, wie sich der Antisemitismus nach 1945 entwickelt hat. Sie werden in diesem und den beiden folgenden Heften vorgestellt
 
Die Schändung jüdischer Friedhöfe hat in Deutschland nicht einmal mehr die verlogenen Betroffenheitsrituale zur Folge. Der Antisemitismus ist nach der Wiedervereinigung kein Tabu mehr
 
Wassilij Grossman, Leben und Schicksal, 924 Seiten, 19,80 Mark, Ullstein Verlag
 
Zeitzeichen von Jan Philipp Reemtsma
 
In Anlehnung an die Arbeit »The Authoritarian Personality« (AP), in der Theodor W. Adorno und andere die Zusammenhänge zwischen Charakterstudien und der Empfänglichkeit für faschistische Propaganda untersucht hatten, erstellt Wolfgang Pohrt für die »Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur« eine Studie über den »autoritätsgebundenen Charakter BRD 1990«, die KONKRET als work in progress dokumentiert. Nach dem Einleitungsessay, Überlegungen zur empirischen Methode und den Ergebnissen eines ersten Fragebogendurchlaufs (s. KONKRET 5-7/90) sowie drei Interviews mit rechtsradikalen Aktivisten, durch die ermittelt werden sollte, »wohin das gängige Alltagsbewußtsein kraft eigener Immanenz fortschreiten kann« (s. KONKRET 8-9+11/90), folgt nun der Abdruck des veränderten Fragebogens und eine Auswahl jener empirischen Daten, die Pohrt mit ihm erhoben hat
 
Ihre Fixierung auf nationale Interessen und die Sache des Volkes hinderte die organisierte deutsche Arbeiterbewegung vor 1933 nicht nur daran, die Konsequenzen antisemitischer Aktivitäten zu begreifen - sie versuchte auch ihrerseits, antijüdische Ressentiments für die eigenen politischen Ziele zu nutzen
 
33 33 33Kontonummer der Aktion »Helft Rußland« des ZDF, der Illustrierten »Stern« und von Care Deutschland41 41 41Kontonummer der »Solidaritätshilfe Osteuropa« des Deutschen Roten Kreuzes
 
DokumentationBrigitte Mohnhaupt, Gefangene aus der RAF, hat sich in einem Brief mit der Vorgeschichte der Verhaftungen von Ex-RAF-Leuten in der DDR befaßt und beschreibt, wie der Verfassungsschutz versucht, die im Nahen Osten lebende Friederike Krabbe als Kronzeugin in die BRD zu locken
 
KONKRET-Interview»Arthur hält’s Maul!« hieß die Kampagne, mit der autonome Gruppen dazu aufgerufen hatten, im Prozeß um die Ermordung zweier Polizisten an der Startbahn West im November 1987 keine Aussagen zu machen. Am 4. Dezember 1990 haben zwei Zeugen ihr Schweigen gebrochen: Einer lieferte dem Angeklagten Frank Hoffmann ein Alibi, einer belastete den Angeklagten Andreas Eichler. Oliver Tolmein fragte Mitglieder der autonomen L.U.P.U.S.-Gruppe und der autonomen Prozeßbeobachter-Gruppe, warum sie in diesen Fällen dafür sind, daß »Arthur« das Maul nicht mehr hält
 
Der Kommunistische Bund, KB genannt, war die - relativ - erfolgreichste kommunistischeOrganisation der BRD, seine Zeitung, der »Arbeiterkampf«, später nur noch »AK«, eine der informativsten Publikationen. Warum »war«?
 
Literatur und »schöns Blümelein«? von Brigitte Kronauer
 
»Die Frage ist nicht: Was macht die Kunst in lausigen Zeiten? Alle Kunst ist in lausigen Zeiten. Die Frage ist: Was macht die Kunst in Zeiten der Verzweiflung? Die Frage ist: Was geht, wenn nichts geht?«
 
Literarisches Duett von Karl-Heinz Hansen
 
Die Auseinandersetzung um die »Euthanasie«-Thesen des australischen Philosophen Peter Singer droht die Tatsache zu verdecken, daß längst eine internationale »bioethische« Großoffensive in Gang gekommen ist, die von Singer lediglich mitbetrieben wird. An ihr beteiligen sich neben zahlreichen angelsächsischen vor allem auch deutsche Wissenschaftler, die den »dringenden Nachholbedarf« der Deutschen in Sachen »Euthanasie, Abtreibung, dem moralischen Status von Tieren, Selbstmord oder Eigentumsrechte bezüglich des eigenen Körpers« befriedigen wollen. Ein Zwischenbericht über den Stand ihrer Arbeiten und die institutionellen wie personellen Verflechtungen, über die sich die »Euthanasie«-Befürworter im Wissenschaftsbetrieb etabliert haben