in konkret Juli 1990

von konkret
 
an konkret
 
Vorwärts und vergessen von Hermann L. Gremliza
 
Was eigentlich ist dieser Staatsvertrag, und was geschieht, wenn er jetzt in Kraft tritt?
 
Was ist und wie wird man eine »Unternehmerpersönlichkeit«? Erscheinung und Vorgang sind in diesen Wochen östlich der Elbe in ihren noch rohen, fast unschuldigen und von PR-Agenturen ungeschönten Formen zu besichtigen. Da lacht das Herz der freien Welt
 
Die Zeit ist vorbei, in der Helmut Kohl die Schaffung eines neuen großen Deutschland als seine Privatangelegenheit betrachten durfte Denn der deutschen Sozialdemokratie ist es in letzter Minute gelungen, den Staatsvertrag akzeptabel zu machen, indem sie eine Forderung durchsetzte, die die Situation in ganz Deutschland revolutionär verändern wird
 
Überarbeitete Fassung eines Vortrags, gehalten beim Kongreß der Radikalen Linken (an Pfingsten in der Uni Köln), zugleich ein Vorschlag, wie man der Heldenstadt Leipzig und ihrem Volk die Jahresfeier verderben könnte
 
»Zwischeneuropa« und das »Baltikum« seien auf dem Weg zurück zur Freiheit, heißt es. Wie frei sie waren und wozu, bevor Stalin sie ihrer Freiheit beraubte, wird mit Fleiß verschwiegen
 
Die Einheizer der Nation haben Stress: Die Deutschen (West) sorgen sich mehr um ihre Prämiensparzinsen als um die baldige Vereinigung mit ihren Brüdern und Schwestern Leider ist auch das hin Grund zur Schadenfreude
 
Nach den Verhaftungen in der DDR hat Groß-Deutschland einen gemeinsamen Volksfeind: Stasi-RAF. Die bundesdeutschen Krisenstäbler wollen sich für den Deutschen Herbst 1977 rächen, die Linksliberalen sehen das »RAF-Problem« gelöst. Von der Lösung der Imperialismus-Frage redet keiner (mehr)
 
Die Weltbevölkerungs-Planer zeichnen ein düsteres Szenorio, bundesdeutsche Medien machen Lösungsvorschläge: Soja-Schnitzel für uns, Zwangssterilisation für die Afrikanerinnen
 
In Anlehnung an die Arbeit »The Authoritarian Personality«, in der Theodor W. Adorno und andere die Zusammenhänge zwischen Charakterstrukturen und der Empfänglichkeit für faschistische untersucht hatten, erstellt Wolfgang Pohrt für die »Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur« eine Studie über den »autoritätsgebundenen Charakter BRD 1990«, die KONKRET als work in progress dokumentiert. Nach dem einleitenden Essay (KONKRET5/90), Bemerkungen zur empirischen Methode und einer Version des Fragebogens (KONKRET 6/90) präsentiert Pohrt nun Ergebnisse eines ersten Fragebogendurchlaufs und unternimmt den Versuch, auf der Grundlage damit gewonnener Informationen die Konturen eines deutschen Nationalcharakters zu zeichnen – »und zwar als Worst-Case-Hypothese«
 
Daß die Einführung des genetischen »Fingerabdrucks« in das Strafverfahren vor allem den Frauen nütze, weil mit seiner Hilfe Vaterschaften bestimmt und Vergewaltiger überführt werden könnten, ist eine leicht zu widerlegende Behauptung. Mit ihr wird in Wahrheit die These einer genetischen Bedingtheit von Kriminalität und abweichendem Verhalten plausibilisiert. Schon diskutieren Wissenschaftler die Einrichtung von Erbgutkarteien, in denen die genetischen Daten aller Neugeborenen gespeichert werden sollen. Damit könnten, so die Begründung, schließlich alle zukünftigen Täterinnen und Täter präventiv erfaßt werden
 
Um die 'Liberalität' ihrer Thesen zu unterstreichen, bemühen sich »Euthanasie«-Befürworter darum, die Behinderten in die Tötungsdebatte einzubeziehen
 
Demütiger Antifaschismus von Oliver Tolmein
 
Unter der Parole »Freiheit für Forschung und Lehre« rollt die bundesdeutsche Dampfwalze längst auch den Wissenschaftsbetrieb der DDR platt. Dort versuchen ganze Fakultäten, Sektionen und Institute das verräterische Etikett »marxistisch« in ihrem Namen loszuwerden, um unter der neuen Staatsmacht wenigstens als Planstelle zu überleben. Gibt es unter solchen Bedingungen noch eine Chance für die Weiterführung der historisch-kritischen Gesamtausgabe der Werte von Marx und Engels?
 
Über Nutzen und Nachteil der Finanzierung des ehemaligen Pahl-Rugenstein Verlags durch die DDR
 
Offener Brief an den amerikanischen Schriftsteller Tom Wolfe, den Umgang mit Bestien betreffend.
 
Literatur und Umständlichkeit von Brigitte Kronauer
 
Otto W Johnston Der deutsche Nationalmythos Ursprung eines politischen Programms, J B Metzlerische Verlagsbuchhandlung Stuttgart 1990, 296 Seiten, 33 Mark
 
Sinn ohn´ Form - Radikale Antifa
 
In Südafrika werden die Verhandlungen zwischen dem ANC und der Regierung, die »talks about talks«, sehr viel kritischer bewertet als im westlichen Ausland. Der Dichter und Musiker Mzwakhe Mbuli hält gerade jetzt »entschlossene Aktionen gegen jede Form von Rassendiskriminierung« für äußerst wichtig
 
Inspiral Carpets: Life; Mute/lntercord
 
1965 gedreht diskutiert, abgesetzt, 1990, als alles vorbei ist, gezeigt: Frank Beyers DEFA-Film »Spur der Steine«