konkret 06/90, S. 35  
Wolfgang Pohrt  
Der Weg zur inneren Einheit II  
Wie ticken die Deutschen? Im letzten Heft hat KONKRET mit dem Abdruck einer sozialwissenschaftlichen Studie begonnen, die Wolfgang Pohrt unter dem Arbeits-Titel »Autoritätsgebundener Charakter BRD 1990« für die »Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur« erstellt. Sein methodisches Vorbild ist die Studie »The Authoritarian Personality«, in der Theodor W. Adorno und andere die Zusammenhänge zwischen Charakterstrukturen und der Empfänglichkeit für faschistische Propaganda untersucht hatten. In diesem Heft dokumentiert KONKRET Pohrts Bemerkungen zur empirischen Methode, eine Version des Fragebogens und Überlegungen zu seiner Modifikation
 
Das methodische Vorbild  
Nicht in der BRD, aber in den USA sind Untersuchungen über die Empfänglichkeit der Leute für faschistische Propaganda sozialwissenschaftlicher Alltag. 50 bis 60 neue Publikationen verzeichnet der soziologische Sachkatalog im Durchschnitt pro Jahr, und sämtliche Arbeiten beziehen sich auf ein Buch, welches 1950 unter dem Titel The Authoritarian Personality erschien.  
Zur Begründerin eines ganzen Forschungszweigs wurde die berühmte Studie, weil sie dem Gegenstand mit sozialwissenschaftlichen Methoden zu Leibe rückte und gleichwohl dessen Banalisierung vermied. Schon der erste Satz der Einleitung, der oft als Offenbarung einer neuen Erkenntnis zitiert und mißverstanden wird, drückt eher den Vorsatz aus, sich beim Forschen nicht dümmer zu stellen, als man es im Leben ist. Der Satz lautet: »Die Untersuchungen, über die hier berichtet wird, waren an der Hypothese orientiert, daß die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Überzeugungen eines Individuums häufig ein kohärentes, gleichsam durch eine 'Mentalität' oder einen 'Geist' zusammengehaltenes Denkmuster bilden, und daß dieses Denkmuster Ausdruck tieferliegender Züge der individuellen Charakterstruktur ist.«1  
Was jeder intuitiv weiß und Dramatiker oder Romanciers hundertfach beschrieben haben – daß höchst fragmentarische Eindrücke oft ein zutreffendes Bild von der ganzen Person vermitteln – wird weder als unwissenschaftlich verworfen noch blind übernommen, sondern als sachdienlicher Hinweis für weitere Ermittlungen aufgegriffen. Denn wenn die Einheit der Person eine Tatsache ist, ist die Person auch berechenbar, und wenn die Person berechenbar ist, sind Rückschlüsse legitim.  
Im Hinblick auf das Untersuchungsziel folgt daraus, daß der potentielle Faschist sich im Gespräch als solcher auch dann zu erkennen geben wird, wenn man nicht ausgerechnet über seine parteipolitischen Ansichten und Überzeugungen mit ihm redet. Es dürfte ihm, wenn er kein begnadeter Schauspieler mit der Fähigkeit ist, sich komplett in eine andere Rolle hineinzuleben, dann ausgesprochen schwer fallen, seine wahre Überzeugung vorsätzlich zu verleugnen, und, wichtiger noch: er wird identifizierbar sogar, wenn er auf die direkte Frage beim besten Willen keine zutreffende Antwort wüßte, weil er sich irrtümlicherweise für einen überzeugten Demokraten hält.  
Es galt daher, die vielen 'wenn' auszuräumen, und dies geschah, indem Versuchspersonen um die Beurteilung einer Liste von Behauptungen gebeten wurden, wie man sie am Stammtisch hören oder auch selber erfinden kann. Zustimmung zu jeder Behauptung oder ihre Ablehnung drückten die Personen in Zahlenwerten von -3 bis + 3 aus, und wenn ein Formular es erlaubt, dem Befragten schließlich einen (Durchschnitts-)Zahlenwert zuzuordnen, spricht man von einer Skala. Verschiedene Skalen wurden entwickelt – eine, die Antisemitismus maß (A-S-Skala); eine andere, die allgemein Aversionen gegen ethnische Fremdgruppen ermittelte (E-Skala); eine dritte schließlich, die auf reaktionäre wirtschaftspolitische Ansichten zielte (PEC-Skala) – , und was erwartet worden war, konnte bewiesen werden: Antisemitismus ist, anders als beispielsweise die Vorliebe für Pflaumenkuchen oder Pfefferminzdrops, eng mit einer ganzen Reihe von spezifischen Überzeugungen verknüpft; wer Juden nicht mag, mag in der Regel deshalb Puertoricaner nicht umso lieber, sondern er mag grundsätzlich keine Menschen, die er, mit Grund oder ohne, für andersfarbig oder überhaupt andersartig hält.  
Wenn der Antisemitismus kein zufälliges Geschmacksurteil, sondern eng mit thematisch verwandten Überzeugungen verflochten ist, dann war nun die Frage zu prüfen, ob dies Geflecht thematisch verwandter Überzeugungen seinerseits dergestalt mit bestimmten anderen Ansichten der Person harmoniert, mit bestimmten Ansichten über Liebe, Krieg, Familie, Moral, Erziehung etc., daß die vielen Ansichten-Partikel sich zum unverwechselbaren, wiedererkennbaren Bild formen – zu einem Bild, wie es der Zufall nicht zustande brächte, und welchem daher ein mit Willen begabter und planvoll handelnder Urheber unterstellt werden darf, nämlich ein Charakter. Ausführliche freie Interviews mit Personen, die auf den bereits vorhandenen Skalen hohe Werte erreichten, hatten inzwischen in Erfahrung gebracht, was und wie der Antisemit, wenn er nicht gerade mit den Juden hadert, sonst noch empfindet oder denkt. Es wiederholten sich dabei nicht nur bestimmte Ansichten-Partikel, sondern es tauchte regelmäßig ein ganzes Schema oder Muster auf, worin sich weitere Elemente unterscheiden ließen. Diese Elemente sollten später die Variablen der neuen Skala bilden, wobei man sich unter Variablen hier gleichsam Kapitelüberschriften vorzustellen hat, welche die Skala gliedern  
und Teilmengen der Sätze jeweils thematisch zusammenfassen. Zunächst aber hatte man eine Art Check-Liste, und sie sah folgendermaßen aus: 2  
Konventionalismus. Starre Bindung an die konventionellen Werte des Mittelstandes.  
Autoritäre Unterwürfigkeit. Unkritische Unterwerfung unter idealisierte Autoritäten der Eigengruppe.  
Autoritäre Aggression. Tendenz, nach Menschen Ausschau zu halten, die konventionelle Werte mißachten, um sie verurteilen, ablehnen und bestrafen zu können.  
Anti-Intrazeption. Abwehr des Subjektiven, des Phantasievollen, Sensiblen.  
Aberglaube und Stereotypie. Glaube an die mystische Bestimmung des eigenen Schicksals; die Disposition, in rigiden Kategorien zu denken.  
Machtdenken und 'Kraftmeierei'. Denken in Dimensionen wie Herrschaft – Unterwerfung, stark – schwach, Führer – Gefolgschaft; Identifizierung mit Machtgestalten; Überbetonung der konventionalisierten Attribute des Ich; übertriebene Zurschaustellung von Stärke und Robustheit.  
Destruktivität und Zynismus. Allgemeine Feindseligkeit, Diffamierung des Menschlichen.  
Projektivität. Disposition, an wüste und gefährliche Vorgänge in der Welt zu glauben; die Projektion unbewußter Triebimpulse auf die Außenwelt.  
Sexualität . Übertriebene Beschäftigung mit sexuellen 'Vorgängen'.  
Die Variablen oder Gliederungspunkte standen also fest, es mußten nun dazu passende Sätze formuliert oder im Interview-Material gefunden werden, und das Resultat war die berühmte F(aschismus)-Skala, von der bewiesen werden konnte (durch Vergleich der Werte, die eine Person auf dieser und auf den anderen Skalen erhielt), daß sie mit hoher Exaktheit Antisemitismus und Ethnozentrismus maß, obgleich darin weder Juden noch sogenannte Fremdgruppen namentlich erwähnt wurden. Bewiesen war damit zugleich zweierlei: daß antisemitische Ressentiments das Produkt eines bestimmten Charakters, einer bestimmten Triebstruktur sein müssen, und daß jene Annahmen über den Wirkungszusammenhang und über den Bedürfnishaushalt dieser bestimmten Triebstruktur im wesentlichen zutrafen, auf welchen die Entwicklung der F-Skala beruht hatte, die Idee überhaupt, die Auswahl und die Formulierung der Sätze. 3  
Bewiesen war damit ferner, was später gern wieder vergessen wurde, daß nämlich durch empirische Sozialforschung nur schlauer wird, wer schon ziemlich schlau ist. Obgleich nämlich das Untersuchungskonzept der AP hinsichtlich simpler Logik und Plausibilität seinesgleichen sucht, läßt es sich nicht einfach anwenden, sondern es setzt die früheren Arbeiten von Horkheimer, Adorno, Benjamin, Marcuse und anderen voraus. So blieb es Adorno vorbehalten, den Ertrag der zwar überaus spannenden, für sich allein genommen aber doch unbefriedigenden Ermittlungsarbeit zu ernten. Die Präzision der Skalen, die Möglichkeit, durch Korrelationsrechnungen Bezüge zu finden, und schließlich das umfangreiche Interview-Material ließen sich, im Kapitel »Typen und Syndrome«, dergestalt interpretieren, daß es neben dem klassischen Autoritären, dem Anal-Sadisten, welchen Fromm beschrieben hatte, auch noch den Konventionellen und den Manipulativen gab – zwei modernere, stromlinienförmigere Varianten, die eine große Zukunft haben konnten, auch in den schwierigen Zeiten, wie sie für Faschisten gerade angebrochen waren.
 
Andere Umstände  
Zurückliegende Arbeiten, die immer noch faszinieren, zeichnen sich durch die Fähigkeit aus, ihre Distanz zur Gegenwart vergessen zu lassen. Beim Versuch, das Verstandene auch nachzumachen, stellt sich dann freilich die Erfahrung ein, daß die Unmittelbarkeit der Wirkung eine Sinnestäuschung war. Das Geheimnis der Zeitlosigkeit ist der bestimmte Augenblick, der Augenblick beispielsweise, als die Neurose noch frisch und mächtig war und die Neurosenlehre eine Überraschung. Spannend ist daher die Psychoanalyse bei Freud, im Leben und bei seinen Nachfolgern bleibt davon ein matter Abklatsch.  
Nicht besser sehen neben der AP die meisten der späteren Versuche aus, die Wissenschaft vom autoritätsgebundenen Charakter auf den neuesten Stand zu bringen, und wenn die vorliegende Untersuchung eine mildere Beurteilung verdienen sollte, so deshalb allein, weil es zwingende Gründe gab, entscheidend vom Original abzuweichen – allerdings um den Preis des Verzichts auf ein geschlossenes Untersuchungskonzept. Die veränderte Methodik, genauer: der Mangel an Methodik rührt daher, daß die politischen Voraussetzungen heute andere sind als damals.  
Die erste Version der F-Skala nämlich wurde im Januar 1945 an der University of California getestet, Amerika lag seit vier Jahren mit Deutschland in einem schweren Krieg, die militärische Niederlage des Nationalsozialismus war eine Frage von Monaten geworden. Und als fünf Jahre später die fertige Studie erschien, hatte der Nürnberger Prozeß stattgefunden, hatten Berichte über Auschwitz und Dokumentaraufnahmen aus Bergen-Belsen weltweit das Publikum schockiert. Faschismus war nicht mehr opportun, und gründliches Umdenken führte in Deutschland dazu, daß man sich an die Ermordung da Juden nicht, umso besser dafür an die eigene Abneigung gegen die Nazis erinnern konnte.  
So war der damals untersuchte Autoritäre einer, der gerade in sich ging. Pech für die Wissenschaft, wie man denken könnte, den Nazi empirisch untersuchen zu wollen ausgerechnet in dem Moment, wo er der Empirie Adieu sagen mußte – und in Wahrheit für die Wissenschaft ein Vorteil: Was nicht erscheinen kann, wird (vorübergehend) wesentlicher, Potentiale wachsen, wenn ein Isolator Spannungsabflüsse blockiert. Dem Nazi ums Jahr 1945 war der Mund verschlossen und waren die Hände gebunden, so daß er in sich reinfressen mußte, was herauszubrüllen ihm sonst ein Akt der Triebabfuhr gewesen war, und vom Reinfressen wurde seine Seele voll. Thema der AP ist also der Nazi als tatgehemmte Seele im Zustand ihres Geladenseins – der Nazi unter Sublimierungsdruck.  
Die vorliegende Untersuchung verfolgt zwar das gleiche Ziel, und ohne jede Einschränkung kann daher der erste Satz aus der Einleitung zur AP übernommen werden. »Im Mittelpunkt des Interesses stand das potentiell faschistische Individuum, ein Individuum, dessen Struktur es besonders empfänglich für faschistische Propaganda macht. Wir sagen 'potentiell', denn wir haben uns nicht mit Personen befaßt, die erklärtermaßen Faschisten waren oder bekannten faschistischen Organisationen angehören.« (Studien, S.l)  
Die Gleichartigkeit des Interesses aber ist 40 Jahre danach eine Ursache wesentlicher Differenzen. Insofern damals vorüber war, was heute nur als bevorstehend vorausgesetzt werden kann, muß das Übergangsstadium oder das Durchgangslager 'volle Seele' seine Funktion dergestalt verändert haben, daß an die Stelle eines Rückzugsgebiets ein Aufmarschgebiet trat, und es ist anzunehmen, daß der introvertierte Nazi, der Nazi in der Defensive, sich unterscheiden wird von seinem extrovertierten, offensiv gestimmten Gegenstück, vom Nazi, der bald eine Vorstellung geben möchte. Zumindest nicht ausgeschlossen werden kann, daß das autoritäre Syndrom heute wieder Komponenten enthält, die 1945 keine Rolle spielten, oder daß die Variablen von damals ihre Qualität und ihre Intensität verändert haben. Die Projektivität beispielsweise, die beim Autoritären in der Defensive zur breitgestreuten Symptomfülle führt – er fühlt sich verfolgt von Gott und der Welt und von allem und jedem ein bißchen – , muß in der Aufbruchsphase gezielt und gebündelt agieren, d.h. die eine große Vision vom drohenden Untergang und der Rettung vor ihm produzieren können.  
Zwingt schon die vermutete qualitative Differenz zwischen dem damaligen und dem heutigen faschistischen Potential dazu, auf die ungeprüfte Übernahme der F-Skala und deren Interpretation zu verzichten, so wiegt noch schwerer, daß der Faschismus damals eine bekannte Größe war und heute eine unbekannte ist. Wenn der Begriff 'potentieller Faschist' einen Sinn haben soll, wird der Faschismus als jüngst vergangen oder nahe bevorstehend vorausgesetzt: Zum Wesen wie zum Potential gehört die zeitliche Nahe zur Erscheinung oder Aktualisierung, wenn das Wesen nicht Gegenstand unverbindlicher Spekulation und das Potential so beliebig und allgemein, so leer und abstrakt gefaßt werden soll, daß es beinahe als anthropologische Konstante, als allgemein menschliche Möglichkeit erscheint, tendenziell als »das Böse in uns allen, das Böse im Menschen überhaupt« . Der Nazi, der weder ein richtiger Nazi war noch einer werden kann, ist logisch auch kein potentieller.  
Weil der deutsche Faschismus im Jahr 1945 ein abgeschlossenes und bekanntes Kapitel war, kann in der AP auf seine ausdrückliche Erwähnung oder gar explizite Erörterung verzichtet werden. Als Schnittpunkt aller Theorien und Hypothesen ist er in der Studie, obgleich er namentlich kaum genannt wird und amerikanische Studenten befragt wurden, dennoch omnipräsent, er bestimmt Schlußfolgerungen wie Prämissen. Den Zusammenhang zwischen Faschismus und Antisemitismus nicht noch einmal umständlich zu entwickeln, war sogar ein Gebot der Höflichkeit gegenüber dem Leser, der nicht wie ein begriffsstutziger Ignorant behandelt werden muß.  
Weil umgekehrt in der vorliegenden Untersuchung jedoch der deutsche Faschismus zwar logisch als Faktum vorausgesetzt wird, er tatsächlich aber nur eine Möglichkeit darstellt, wird von ihm beständig die Rede sein müssen. Der Versuch, Klarheit über den potentiellen Faschisten zu gewinnen, läßt sich dann, wenn der Faschismus selber noch keine Tatsache ist, nicht trennen von der politischen Spekulation über die Gestalt, die ein künftiger Faschismus besitzen könnte. Vermutungen aber, Akte subjektiver Willkür gleichsam, dürfen nicht als allgemein bekannt vorausgesetzt, sondern müssen mitgeteilt, erläutert und begründet werden.  
Aus der Notwendigkeit, eine Unbekannte – die unvorhersehbare Gestalt eines künftigen Faschismus – wie eine feste Größe behandeln zu müssen, entsteht g eine Situation, in welcher sich normalerweise Politiker | oder Börsenspekulanten befinden, denen die Wissenschaft allein wenig hilft, wenn sie nicht obendrein das richtige Gespür besitzen, welches so furchtbar täuschen kann. Die ganze Untersuchung wird daher über weite Strecken strengen wissenschaftlichen Ansprüchen nicht gerecht, sie wird essayistische Betrachtungen mit statistischen Auswertungen mischen; sich meist auf unbewiesene Annahmen stützen; im Umgang mit Begriffen eher großzügig sein und etwa 'Massenbewußtsein' ohne exakte Definition verwenden; die jüngste Entwicklung und die Tagespolitik auf eine Art interpretieren, die nicht jedem einleuchten muß.  
Wenn eine Disposition für den Faschismus als Gemütsbewegung in der BRD existiert, dann – so die erste These – muß diese Disposition in der jüngsten Vergangenheit entstanden sein. Die jüngste Vergangenheit wird also unter dem Gesichtspunkt betrachtet, was ein künftiger Faschismus ihr zu verdanken haben könnte.  
An die Eröffnungsbilanz schließt sich eine kleine Chronik der laufenden Geschäfte an: Was kam hinzu durch die Herbstoffensive und den 9. November, was wurde bei dieser Gelegenheit offenbar? Und wo stößt die Entwicklung derzeit noch an ihre Grenzen? Sicher ist beispielsweise, daß ein neuer deutscher Faschismus Ersatz für den Antisemitismus suchen muß; völlig unklar ist, wer der Feind sein wird. (Siehe dazu »Auf dem Weg zur inneren Einheit«, KONKRET 5/90)  
Klar wiederum ist, daß ein eindeutiges Kriterium für faschistisches Potential nicht verfügbar sein wird, denn gerade in Deutschland sagt das jeweils gerade bestimmbare Maß an Antisemitismus oder Fremdenfeindlichkeit allein wenig aus über die künftige Entwicklung. Wer beispielsweise 1980 auch nur mit der vagen Möglichkeit hätte rechnen wollen, daß ein Jahr später der Anti-KKW-Protest in eine Massenfurcht vor Atomwaffen umschlagen würde, hätte sich nicht nach dem Interesse für Kernwaffen erkundigen dürfen, sondern versuchen müssen, das Maß an frei flottierender Projektivität zu erkunden oder die Bereitschaft dazu, sich in ein Gefühl tödlicher Bedrohung zu versetzen.  
Analog dazu deutete vor 1933 nichts darauf hin, daß ausgerechnet in Deutschland der hier vergleichsweise moderate Antisemitismus sich zur Massenvernichtung steigern würde, wie überhaupt der sichtbare, unmittelbar meßbare Teil des Aufstiegs der NSDAP zur Macht kein gradueller, sondern ein sehr plötzlicher war und trotzdem absehbar für Gesellschaftswissenschaftler, die nicht einfach nur die Sonntagsfrage stellten.  
Für die Entwicklung einer F-Skala heute heißt dies, daß sie sich nicht gleichsam eichen läßt, wie dies freilich auch in der AP nur unter Einschränkungen möglich war: Die Korrelation zwischen den Skalen A-S und F war hoch, aber nicht absolut, und in die Konstruktion der F-Skala flossen auch damals Überlegungen ein, die am Material nicht empirisch überprüft werden konnten.
 
Die Skala  
Im Forschungsbericht stellt sich rückblickend schon der Verlauf einer Untersuchung meist so folgerichtig dar, als wäre der Erkenntnisprozeß selber von der gleichen Logik beherrscht, die seine Resultate auszeichnen sollte. Schrittchenweise wurde der Legende zufolge aus der Theorie die Empirie entwickelt, die Konstruktion der Skala war ein mehrstufiger, deduktiver, logischer Prozeß. Man kannte das faschistoide Syndrom (kurz: F-Syndrom) als Ganzes, man kannte ferner die Variablen, die es gliedern. So war die Formulierung oder die Auswahl der Skalensätze nur ein letzter, untergeordneter Akt, nämlich die Anwendung der Theorie oder die Umsetzung ihrer Erkenntnisse in die Praxis.  
Bei der Arbeit selber jedoch klafft zunächst zwischen Theorie und Empirie eine gewaltige Lücke, die nur mühsam und sukzessive verkleinert werden kann. So wenig, wie das Studium einer Theorie des Romans schon zum Schreiben eines Romans befähigt, weil zwischen der Theorie und dem Roman selber ein wesentlicher Unterschied besteht, so wenig verwandeln sich Erkenntnisse über das F-Syndrom automatisch und nach Art einer kontinuierlichen Metamorphose in die Skalensätze, die es messen sollen – logischerweise, weil zur Produktion solcher Sätze gerade gehört, ihren verborgenen Sinn nicht zu kennen.  
Wer eine Skala entwickelt, muß deshalb, wenn er hauptberuflich Sozialwissenschaftler ist, temporär in eine andere Rolle schlüpfen und den theoretischen Reflex unterdrücken. Einfühlungsvermögen ist vielmehr erforderlich, eine Art sechster Sinn, wie er sich durch lange und nicht ganz bewußtlose Erfahrung bildet, durch eine keineswegs nur theoretische, sondern höchst praktische Vertrautheit mit dem F-Syndrom, und fraglos auch durch eine gewisse – zumindest mimetische – Nähe zu ihm. Insofern die Skala also formal eher einem Kunstwerk als einer theoretischen Abhandlung ähnelt, wären im Idealfall Experten hinzuzuziehen, Dialogschreiber beispielsweise, Drehbuchautoren oder Werbetexter, weil Wissenschaftler meist von der Aufgabe überfordert sind, Texte von jener hohen literarischen Qualität zu liefern, wie eine gute Wahlkampfparole oder eine gelungene Bild-Balkenschlagzeile sie besitzen. An den eigenen Fachjargon mit seinem beschränkten Wortschatz gewöhnt und daher zur Umständlichkeit und zur Weitschweifigkeit neigend, beherrschen Sozialwissenschaftler vor allem den bildhaften Ausdruck und die sprachliche Verdichtung nicht. Die Skalensätze werden deshalb zu lang, zu schwerfällig, und sie bleiben trotzdem mißverständlich.  
Wenn der Laie sich autodidaktisch mit einer ihm fremden Kunst befaßt, wird er sich zunächst in der Kunst des Plagiierens üben, und so geschah es auch diesmal. Mehr mit der Nase im Wind als mit Methode und nach System wurden hier zwecks Entwicklung einer ersten Test-Skala schon vorhandene Skalen geplündert. Das Grundmuster bildet die F-Skala aus der AP (Form 45), die einzelnen Sätze wurden teils wörtlich übernommen, teils modifiziert, teils ersetzt, wobei wiederum teilweise auf die Items der SINUS-Studie 4 zurückgegriffen wurde. Das Resultat war eine 58 Items umfassende Skala, die noch keinen Anspruch darauf erhebt, ein zweckdienliches Mittel im Sinne der vorangegangenen Erörterungen zu sein und gezielt Projektivität und Strafbedürfnis zu ermitteln. Sie wurde den Test-Personen in dieser Form präsentiert:
 
Meinungsumfrage  
Themen, über die immer wieder gesprochen wird – Gedanken, die sich jeder macht: Welchen Standpunkt vertreten Sie? »Richtige« oder »falsche« Antworten gibt es nicht: Die beste Antwort ist immer Ihre ganz persönliche Meinung.  
Ihre Zustimmung oder Ablehnung drücken Sie einfach aus, indem Sie jedem Satz eine Note geben, von – 3 (vollkommen falsch) bis + 3 (sehr richtig). Und bedenken Sie bitte: Der Fragebogen ist für uns nur brauchbar, wenn Sie jeden Satz bewertet haben.  
+ 1: geringe Zustimmung -1: geringe Ablehnung  
+ 2: mittlere Zustimmung -2: mittlere Ablehnung  
+ 3: große Zustimmung -3: starke Ablehnung  
1. Echte Freiheit verlangt, daß man sich in die Gemeinschaft einfügt.  
2. Wenn ein Volk den Willen hat, kann es fast alles erreichen.  
3. Im Wohlstand verkümmern die inneren Werte der Menschen, weil jeder nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist.  
4. Gerade die bedeutsamen Dinge muß man ahnen und spüren, weil man sie mit dem Verstand oder der Vernunft nicht erfassen kann.  
5. Die Prunksucht arabischer Ölscheichs zeigt, daß plötzlicher Reichtum kulturlose Völker überfordert.  
6. Solange es Menschen gibt, wird es auch Kriege geben.  
7. Die Arbeitslosigkeit ist ein Problem. Ein Problem sind aber auch die Drückeberger, die auf unser aller Kosten leben.  
8. Jeder Mensch braucht im Leben einen Halt, einen festen Glauben, an dem er niemals zweifelt.  
9. Wichtiger als äußere Schönheit ist, daß ein Mensch echte Persönlichkeit besitzt.  
10. Auch für die Ausländer hier ist es besser, wenn sie unter sich bleiben, statt sich den Einheimischen aufzudrängen.  
11. Das natürliche und gesunde Leben früherer Zeiten sollte uns auch heute wieder ein Vorbild sein.  
12. Wer aus der Reihe tanzt, will sich meistens nur wichtig machen.  
13. Die Drogenwelle beweist es wieder, daß ungezügelte Freiheit oft ins Elend führt.  
14. Die Deutschen sind steifer als die Italiener und die Franzosen, aber dafür sind sie auch nicht so oberflächlich.  
15. Wer ein Europa ohne Grenzen will, muß damit rechnen,  
daß dann auch das organisierte Verbrechen seinen Weg nach Deutschland findet.  
16. Manche Menschen haben einen angeborenen Hang, sich in die Tiefe zu stürzen.  
17. Gerade im Interesse der wirklich Bedürftigen sollte man die Erschleichung von Unterstützungsgeldern wie Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe konsequenter verfolgen und strenger bestrafen.  
18. Heute, wo so viele Menschen ständig unterwegs sind und jeder mit jedem zusammenkommt, muß man sich besonders sorgfältig gegen Infektionen und Krankheiten schützen.  
19. Schwerer als materieller Schaden wiegt oft der Verlust der Ehre.  
20. Ausländer als Vorarbeiter oder Vorgesetzte ihrer deutschen Kollegen einzustellen heißt, daß man den Betriebsfrieden gefährdet.  
21. Junge Menschen haben manchmal Flausen im Kopf, aber später lernen sie, daß man im Leben auf dem Boden der Tatsachen stehen muß.  
22. Heute ändert sich alles so schnell, daß man oft nicht mehr weiß, woran man sich halten soll.  
23. Was dieses Land dringend braucht, ist eine selbstlose, unbestechliche und starke Persönlichkeit an der Spitze.  
24. Die Ausländer hier machen sich manchmal unbeliebt, weil sie sich gegen die Deutschen abkapseln und nur mit ihren eigenen Landsleuten verkehren.  
25. Sittlichkeitsverbrecher verdienen härtere Strafen als nur ein paar Jahre Gefängnis.  
26. Die Menschen kann man in zwei Klassen einteilen: die Schwachen und die Starken.  
27. Es gibt kaum etwas Gemeineres als einen Menschen, der nicht Liebe, Dankbarkeit und Achtung für seine Eltern empfindet.  
28. Wenn Gastarbeiter in deutsche Familien einheiraten, bringt das nur Probleme für beiden Seiten.  
29. Eines Tages wird es sich wahrscheinlich zeigen, daß die Astrologie doch vieles erklären kann, woran die Wissenschaft scheitert.  
30. In ihrer ganzen Tragweite noch gar nicht erkannt ist die Gefahr, die unseren Erbanlagen durch die moderne Technik droht.  
31. Viele soziale Probleme wären gelöst, wenn unsere Volkswirtschaft zu kleinen und überschaubaren Familienbetrieben zurückkehren würde.  
32. Den farbigen Völkern ginge es besser, wenn sie den Fleiß und die Tüchtigkeit der Europäer besäßen.  
33. Wer die Zeichen zu deuten weiß, wird in den jüngsten Naturkatastrophen eine an die Menschen gerichtete Warnung erkennen.  
34. Eine der Hauptaufgaben für die nächsten Jahre wird es sein, die Bevölkerungslawine einzudämmen.  
35. Ob man es zugibt oder nicht: Es ist eine Tatsache, daß die Männer von den Frauen immer nur das Eine wollen.  
36. Durch Erziehung erreicht man viel, aber wer als Türke geboren wurde, wird im Herzen immer ein Türke bleiben.  
37. Wenn die Menschen weniger reden und mehr arbeiten würden, ginge es allen besser.  
38. Die meisten haben keine Ahnung, wie stark ihr Leben schon heute von geheimen Abmachungen und Plänen kontrolliert wird.  
39. Homosexualität wird zwar nicht mehr bestraft, trotzdem bleibt sie widernatürlich.  
40. Den Ausländern hier mangelt es oft am guten Willen, sich den Sitten des Gastlandes anzupassen.  
41. Primitive Menschen erkennt man daran, daß sie keine Ehrfurcht vor den Leistungen großer deutscher Meister wie Bach, Beethoven oder Goethe empfinden.  
42. Kein gesunder, normaler, anständiger Mensch könnte jemals einen guten Freund oder Verwandten kränken wollen.  
43. Obwohl es vielleicht übertrieben klingt: Manchmal sind Tiere die besseren Menschen.  
44. Wichtige Lehren muß man stets mit Leiden bezahlen.  
45.* Ob die Asylbewerber vor der politischen Verfolgung oder vor dem Elend geflohen waren: Jedenfalls sind sie in Not, und deshalb muß man ihnen helfen.  
46. Gerade heute kommt es darauf an, als Einzelner seinen ureigenen Grundüberzeugungen treu zu bleiben.  
47. Was den Deutschen neben einer echten Zukunftsvision fehlt, ist ein großes, machtvolles Gefühl von Zusammengehörigkeit und Gemeinsamkeit.  
48. Wertvolle Menschen zeichnen sich durch die Fähigkeit aus, daß sie sich ganz in den Dienst einer Sache oder Person stellen können.  
49. Wichtiger als die Wirtschaftskraft des Landes ist für ein Volk, daß es seine Kultur und seine Tradition nicht verrät.  
50. Die Amerikaner haben uns ihre nur auf den schnellen Dollar abzielende Lebensweise aufgezwungen.  
51. Bevor man Asylbewerber und Aussiedler unterstützt, sind die Deutschen hier besser mit Wohnraum und Arbeitsplätzen zu versorgen.  
52. Wenn jemand an UFOs, an die Seelenwanderung oder die Wiedergeburt glaubt, darf man ihn deshalb nicht verspotten.  
53. Was dem Einzelnen Kraft gibt, ist seine Verankerung in der Gemeinschaft und seine Verwurzelung im Volk.  
54. Presse und Fernsehen neigen dazu, mit ihrer verantwortungslosen Kritiksucht alles Gute und Schöne in den Schmutz zu ziehen.  
55. Strenger als den kleinen Dieb sollte man die großen Geschäftemacher bestrafen, die sich ohne Rücksicht auf das Gemeinwohl bereichern.  
56. Uneinigkeit, Mißgunst und Zwietracht gehören zu den größten Übeln unserer Zeit.  
57. Auch wenn dies immer mehr aus der Mode kommt: Weihnachten sollte ein Fest bleiben, welches man daheim im Familienkreis feiert.  
58. Gerade weil die Leistung der Frauen oft nicht genug gewürdigt wird, ist der Muttertag wichtig und eine gute Gelegenheit, ihnen Anerkennung und Dankbarkeit zu erweisen.  
* umgekehrt gepolt
 
Obgleich die Modifikation der F-Skala, ihre Veränderung und Ergänzung, mehr nach Gespür als nach System geschah, spielten dabei selbstverständlich auch Überlegungen ein Rolle, solche zumal, die Abweichungen vom Konzept der AP begründen. Während die Regel, möglichst indirekte Behauptungen zu verwenden, Sätze also, welche die »Vorurteile nicht offen berühren und dem wirklichen Zweck so entlegen wie möglich scheinen« aus der AP übernommen wurde, ohne daß ihre Einhaltung immer gelungen wäre, wurde gegen einen anderen Grundsatz vorsätzlich verstoßen. Nach dieser zweiten Regel »sollten sich Irrationalität und objektive Wahrheit in jedem Satz die Waage halten. (...) Bis zu einem gewissen Grad mußte jeder Satz die Vernunft ansprechen, dabei aber so formuliert sein, daß der rationale Aspekt bei der Zustimmung oder Ablehnung nicht den Ausschlag gab.« (Studien, S. 62)  
Im Gegensatz zu dieser Maxime wurde hier versucht, möglichst Sätze zu verwenden, deren Diktion zwar plausibel bis bedeutsam klingt, die tatsächlich aber ausschließlich irrational sind und nur bei sehr freier und wohlwollender Interpretation vielleicht eine Spur objektiver Wahrheit enthalten. Die Sätze der F-Skala wurden deshalb daraufhin überprüft, ob sie nicht auch sachlich gut begründete Zustimmung finden könnten. Vermieden werden sollte das Risiko, daß ein Satz auf Ablehnung stoßen würde nicht etwa wegen seiner faschistoiden Botschaft, sondern wegen der in diese Botschaft einfließenden Logik. Die Annahme dabei war, daß in der BRD generell mit intensiverer Irrationalität als in den USA gerechnet werden mußte, mit einer weitverbreiteten Scheu auch, die Dinge überhaupt beim richtigen Namen zu nennen. Zustimmung zum Satz: »Wehrdienst kann gar nicht hart genug sein, weil im Krieg jeder Soldat die Pflicht hat, möglichst viele Feinde zu töten und selber zu überleben«, würde beispielsweise in den USA mit hoher Sicherheit auf autoritäre Unterwürfigkeit schließen lassen, weil die emphatische Formulierung begeistertes Einverständnis mit einer banalen, von niemandem ernstlich bezweifelten Tatsache ausdrückt. In der BRD jedoch könnte der Satz leicht zu vertauschten Fronten dergestalt führen, daß die Ablehnung keine Wertung der Formulierung ist, kein Urteil über den frohlockenden Ton, sondern ein Ausdruck der Weigerung, die Tatsachen überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Statt Begeisterung für das Militär oder Widerwillen dagegen würde man hier vermutlich messen, bis zu welchem Grad jemand sich dem Diktat einer öffentlichen Meinung unterworfen hat, welche die Meinungsbildung über das Militär dadurch unterbindet, daß sie den Inhalt des Soldatenberufs einfach verleugnet. Ob es aus moralischen Gründen prinzipiell verwerflich sei, das fachmännische Töten zu üben; ob es dafür vielleicht aber zwingende Gründe gibt; oder ob dieses Handwerk sogar ein besonders heldenhaftes sei – dergleichen Fragen können hier weder gestellt noch beantwortet werden, weil es nach geltender westdeutscher Sprachregelung überhaupt nicht stimmt, daß die Armee nun mal die Aufgabe habe, das fachmännische Töten zu üben. 5  
Stark modifiziert wurde aus ähnlichen Erwägungen der erste Satz der F-Skala, und nur an diesem einen Beispiel werden hier exemplarisch Überlegungen vorgeführt, wie sie grundsätzlich bei jedem Satz hätten angestellt werden müssen. Vermieden werden sollte die bei Autoritarismus-Studien sich leicht einschleichende Haltung, die Reaktion auf einen Satz voreilig als Symptom w deuten und die F-Skala dabei unbewußt als einen neuen Moral-Kodex zu betrachten. Die Frage war also zunächst nicht, ob die Reaktion auf einen Satz ein Indikator für das F-Syndrom sein könnte, sondern die Frage war: Ist die Behauptung richtig oder falsch? Daraus ergeben sich dann, weil in da BRD die simpelsten Einsichten nicht normal sind, sondern anstrengendes Kopfzerbrechen erfordern, zwangsläufig Betrachtungen politischer oder philosophischer Art, beinahe kurze Essays, die zunächst vom Thema weit wegführen.
 
Der erste Satz hieß:  
Respekt und Gehorsam gehören zu den wichtigsten Tugenden, die ein Kind lernen kann.  
(Variable Konventionalismus und autoritäre Unterwürfigkeit)  
Er wurde ersetzt durch:  
Echte Freiheit verlangt, daß man sich in die Gemeinschaft einfügt.  
Die Begründung: Die ursprüngliche Behauptung ist nicht irrational genug, denn in der Tat muß das Naturprodukt Menschenkind, also vernunftlose und instinktlose Kreatur, im eigenen Interesse Respekt vor den Gesetzen beispielsweise der Schwerkraft lernen und den Befehlen der Eltern (»Nasche nicht am Waschpulver ! «) gehorchen. Von Natur aus weiß der kleine Mensch nicht, was ihm gut tut, denn von Waschpulver einerseits und Alete-Kost andererseits kann seine Natur nichts wissen, ebenso, wie die Hunde-Natur keinen Zucker kennt und das sonst so gesundheitsbewußt sich ernährende Tier deshalb Schokolade frißt, bis es sich in Krämpfen windet. Schon in der Steinzeit ahnte der frisch auf die Welt gekommene pelzlose Warmblütler nicht, ob er Hirsebrei und Cocos-Milch oder Robbenfleisch und Lebertran würde essen wollen müssen, und noch viel weniger wissen die Chromosomen heute im Supermarkt Bescheid. Das nur von seinen Erbanlagen beratene Kind ist in jeder modernen Wohnung ein Todeskandidat, weil es nicht mal weiß, daß es nicht fliegen kann.  
Das wissen dafür seine Eltern. So stünde einer harmonischen Entwicklung nichts im Wege – wenn das kleine Kind nicht so etwas ähnliches wie einen eigenen Willen besäße. Es hat keine Instinkte, sondern es hat Triebe, und der Unterschied zwischen den beiden ist der, daß aus dem Instinkt ein triebhaftes Verhalten im Interesse der Selbsterhaltung resultiert, während der Trieb reine Willkür ist und als Ziel nur seine Befriedigung kennt. Das kleine Tier ist ein kleiner Automat, es will, was es selber und die Gattung groß und stark macht – mehr Milch. Der Säugling hingegen ist ein kleiner Lüstling, er will an seinen Zehen nuckeln, verhungere er auch selber dabei und mit ihm die ganze Gattung. Nur seinem Lustprinzip, also der Willkürherrschaft unvernünftiger Triebe unterworfen, ist er selber ein launischer kleiner Despot, der Rücksicht weder auf sich noch auf andere nehmen würde.  
Selbsterhaltung heißt für den Menschen also zunächst Unterwerfung, Unterwerfung unter das ihm als fremder Wille und äußere Macht gegenübertretende Realitätsprinzip. Das Realitätsprinzip tritt ihm als fremder Wille und äußere Macht gegenüber, weil die menschlichen Triebziele im Unterschied zu den Triebzielen des kleinen Tieres partiell von den Zwecken der Selbsterhaltung emanzipiert sind – Bedingung des Wahns wie der Freiheit gleichermaßen und der Grund dafür, daß der Mensch, wenn er keinen Verstand und keine Moral entwickelt, unvergleichlich viel dümmer und schlechter ist als das Tier. Die Emanzipation vom Instinkt schließt beide Möglichkeiten ein – die Möglichkeit, anders als das Tier Mitgefühl nicht nur für die jeweils eigene Brut zu empfinden, und die Möglichkeit, anders als das Tier auch die eigene Brut zu töten.  
Daß ein Kind Respekt und Gehorsam nicht von Natur aus besitzt, sondern dergleichen erst lernen muß, ist ebenfalls eine richtige Einsicht, unterscheidet sich doch darin der Mensch von der Ameise oder vom Hund. Lernen heißt immer, auch anders zu können, stur oder unbelehrbar zu sein, und als bloß gelernt oder angelernt bleiben Respekt und Gehorsam stets prekär. Der ursprüngliche Satz formuliert also eine Behauptung, gegen die sich wenig einwenden läßt, wenn man sie wörtlich nimmt, obgleich die Motive derer, die ihm beipflichten, möglicherweise falsch und schlecht sind.  
Weniger in den USA, wo dieser Satz schließlich erfolgreich getestet wurde, wohl aber in Deutschland besteht also die Möglichkeit, daß die Behauptung abgelehnt wird aus den falschen Gründen, deshalb zum Beispiel, weil der Autoritäre oder der verhinderte Rebell es hier nicht ungern sieht, wenn die Kinder sein alter ego spielen und so brutal oder ungezogen sind, wie er das selber gern wäre. Gerade bei Autoritären aus dem Mittelstand findet man neuerdings die Neigung, die eigenen Kinder zur Ungezogenheit förmlich anzustacheln, und die Art der Alten, sich bei den Kindern durch Brutalität anzubiedern, stets Verständnis für den Lausbub und seine Streiche oder die Studenten und ihren Ulk zu zeigen und gemeinsam mit der Rasselbande den sogenannten Streber zu schikanieren, hat hier eine lange Tradition.  
Keine Gefahr, daß einer ihn aus den falschen Gründen ablehnen könnte, besteht hingegen beim neuen Satz, welcher die Reizwörter echt, Gemeinschaft und sich einfügen zu einer Behauptung verkettet, der eigentlich niemand zustimmen kann: der Liberale nicht, der die persönlichen Freiheitsrechte schätzt, und ebensowenig der traditionelle Autoritäre, der die scharfen Kommandos mag und die Freiheit für ein Hirngespinst hält oder für eine lästige Marotte. Zustimmung bedeutet hier  
1. Unterwerfung unter das Diktat des Widersinns. Wer zustimmt, pflichtet nicht einer Meinung bei, von der er selber überzeugt ist, sondern er dokumentiert seine Bereitschaft, eine Behauptung für richtig zu halten, die weder er selbst noch irgendein anderer verstehen kann.  
2. Einverständnis mit einer Botschaft, in welcher sich unmittelbar der Nationalcharakter manifestiert. Die Botschaft heißt 'Wir wollen alles', beispielsweise von den Menschen, deren Angehörige wir umgebracht haben, auch noch geliebt werden; nach zwei angezettelten Weltkriegen eine besondere Verantwortung für den Weltfrieden besitzen; die Tat begehen und dann auch noch das Mitleid einstreichen, welches dem Opfer gebührt.  
In der AP war der zitierte erste Satz den Variablen autoritäre Unterwürfigkeit und Konventionalismus zugeordnet worden, und für die Notwendigkeit, ihn zu modifizieren, sprachen neben den entwickelten speziellen sachlichen Gründen allgemeinere Überlegungen. Sie lassen sich in der Behauptung zusammenfassen, daß in Deutschland mit höchst komplizierten Verhältnissen zu rechnen war, weil – anders als in den USA – der hiesige Autoritarismus einer ohne Autorität und der hiesige Konventionalismus einer ohne Konventionen ist. Schon bei den Nazis war nicht das Wort des Führers Befehl, sondern sein Wille, den der kongeniale Volksgenosse erahnte. Nie hätte der Nationalsozialismus funktioniert, hätte den Deutschen jede ihrer Missetaten bei Strafandrohung befohlen werden müssen. Anders, als es das Wort vom 'Befehlsnotstand', von der 'Gleichschaltung' oder vom 'Führer' selber glauben machen will, herrschte das NS-System durch Gehorsam ohne Befehl.  
Das Syndrom autoritäre Unterwürfigkeit wird daher stets etwas verknautscht und verbogen wirken. Zwar ist die Bereitschaft zur Unterwerfung – und mit ihr der Haß auf die eigene Demutshaltung, weshalb man dann wieder alles und jedes als mutig, couragiert oder kämpferisch bezeichnet – übergroß, aber die Gelegenheit fehlt, weil es in Deutschland keine Autorität im konventionellen Sinn gegeben hat, an welcher sich die zeitgenössischen Haustyrannen und später die Nachfolger ein Beispiel nehmen konnten: einen Napoleon so wenig wie einen Washington oder Jefferson, und auch keine überzeugenden Patriarchen. Schon der Kaiser war ein Hampelmann, an dessen Autorität man nur nach vorsätzlich begangener Selbsttäuschung und nicht ohne geheimen Verdruß glauben konnte, Bismarck war sein Angestellter, der später auch noch Stempeln ging. Das Spiel »Führer befiehl, wir folgen dir« mußten alle als Farce durchschauen, die je einen Chaplin-Film gesehen hatten, d.h. alle. Vielleicht war der unbedingte, aber diffuse, gegen andere wie sich selbst gerichtete Vernichtungswille eine Art Haß auf die Narrenrolle, die man als vor Begeisterung brüllender Anhänger eines verkrachten Kunstmalers und schlechten Chaplin-Imitators spielte. D.h. die Deutschen hätten so gern einmal einen richtigen Diktator gehabt, dem sie aufs Wort gehorchen müssen, aber es wollte sich aus ihren Reihen einfach keiner finden, der den Job übernehmen konnte.  
Daraus folgt, daß Respekt und Gehorsam, weil man dergleichen im Grunde nicht kennt, erst dann wieder wirklich zu Ehren kommen, wenn eine neue Vorstellung der alten Farce schon in vollem Gange ist, wenn also die Landsleute beschlossen haben, daß es diesmal Schönhuber sein soll, denn sie für ihren Nero halten wollen. Eben deshalb, weil es in Deutschland eigentlich keine identifizierbare Autorität und keine als verbindlich erklärten Regeln gibt, gibt es auch weder Gehorsam noch beabsichtigte Verstöße gegen die Regeln, sondern jeder hat dauernd Angst, gegen irgendwelche unbekannten, ungeschriebenen Gesetze zu verstoßen – Zensur etwa ist, wie man weiß, hier überflüssig. Man hat ewig Angst, ganz unabsichtlich aufzufallen und aus der Reihe zu tanzen, und die Haltung, die daraus folgt, bezeichnet man gern als »sich einfügen in die Gemeinschaft«.  
Das »sich einfügen in die Gemeinschaft« ist zugleich der Ersatz für gesittetes Benehmen, wie der Konventionelle es vielleicht in anderen Ländern fordern würde, denn im konventionellen Sinn kennen die Deutschen kaum gültige Konventionen, nie hat sich ein verbindlicher Kanon gesellschaftlicher Formen entwickelt, die Sitten waren schon in der Inflationszeit beim Kleinbürgertum total verlottert, von der Jugendbewegung hatten die Nazis die spießbürgerliche Protesthaltung gegen alles Spießige und Förmliche übernommen, zur Heldin wurde die uneheliche Mutter erklärt, Promiskuität war obligatorisch, Eltern und Lehrer fürchteten den Hitlerjungen statt umgekehrt. Ein aktuelles Beispiel dafür, daß Konventionen hier stets nur dünne Tünche sind: die Bereitschaft der Rentner, das eigene welke Fleisch hüllenlos am Strand darzubieten, nachdem die Jugend nur mal ein bißchen mit schlechtem Beispiel voranging.  
Ähnlichen Überlegungen fielen auch andere Variable der F-Skala zum Opfer, mit dem Resultat, daß auf ein Gliederungsschema bei der ersten Testversion der neuen Skala ganz verzichtet und das F-Syndrom als hinsichtlich seiner Komponenten weitgehend unbekannte Größe betrachtet wurde. Die Übernahme in die vorliegende Untersuchung erschien besonders bei den folgenden Variablen problematisch:  
Anti-Intrazeption (Abwehr des Subjektiven, Phantasievollen, Sensiblen): Mit Besonderheiten der deutschen Geschichte – völkische Variante des Nationalismus, Kultur und Märchen, Wald und Mittelalter – hängt zusammen, daß neben dem Haudrauf-Nazi, dem Holzkopf-Faschisten, der gemütvolle Nazi und der sentimentale Faschist die wichtigere Rolle spielen. Und an Anti-Intrazeption leidet der nicht. Aus dem Tagebuch eines SS-Mannes: » Wunderbare Musik, 'hörst Du mein heimliches Rufen '. Wie weich kann da nur ein Herz werden. – Ich habe eine furchtbare Nacht hinter mir. Wie kann nur ein Traum so wahr und so ausdrucksvoll wie die Wirklichkeit sein. – Bei einer wahnsinnig sinnlichen Musik schreibe ich nun meinen ersten Brief an meine Trude. – Die Todeskandidaten (die ihre Gräber selber ausheben mußten) werden in drei Schichten eingeteilt, da nicht so viele Schaufeln hier sind. Eigentümlich, in mir rührt sich nichts, kein Mitleid – nichts. «  
Ferner darf nicht vergessen werden, daß Hitler Kunstmaler und Amateur-Architekt, der Nationalsozialismus ein großer Gönner der Künste und, dem eigenen Anspruch nach, fast so etwas wie ein Gesamtkunstwerk gewesen war.  
Macht und Robustheit (Denken in den Dimensionen Herrschaft – Unterwerfung, stark – schwach, Führer – Gefolgschaft; Überbetonung der konventionalisierten Attribute des Ich; übertriebene Zurschaustellung von Stärke und Robustheit): Den typischen amerikanischen tough guy, den harten Jungen gibt's hier nicht, immer ist er ein wenig verjammert, kämpft gegen den 'inneren Schweinehund' oder fühlt sich aller von ihm selber ausgeübten Brutalität zum Trotz doch immer als der deutsche Michel, den die ganze Welt übers Ohr haut und aufs Kreuz legt.  
Destruktivität und Zynismus (generalisierende Feindseligkeit, Verleumdung des Menschlichen): Zynismus und Destruktivität sind nun selber Vorwürfe, welche die Nazis ihren Kritikern machten, und heute noch darf man keinen Behinderten hier als den Krüppel bezeichnen, welcher man unangenehmer- wie unabänderlicherweise ist, wenn man auf einem Bein durch die Welt humpeln muß. Schlimmes steckt hier meist hinter falscher Pietät, Erbaulichkeit und Euphemismen – typischer als die 'Judenwitze', mit denen Schüler heute ihre fortschrittlichen Lehrer zur Verzweiflung treiben, war für die Nazis, daß sie für die Deportation der Juden das Wort 'Verschickung' und für ihre Ermordung das Wort 'Sonderbehandlung' erfanden.  
Die Entwicklung einer ersten Testversion für die neue Skala war also kein unüberlegter, aber ebensowenig ein systematischer Prozeß, und keineswegs schlagen die ihn begleitenden Erörterungen sich stets in den Sätzen nieder. Der Zweck der Unternehmung: einen Anfang zu machen, Material zu bekommen, welches dann kritisiert, sortiert, klassifiziert und systematisiert werden kann.

 
Anmerkungen  
1 T.W. Adorno, Else Frenkel-Brunswik, Daniel J. Levenson, R. Nevitt Sanford: The Authoritarian Personality, New York 1950. Zitiert wird entweder nach der Ausgabe von 1964, unveränderter Nachdruck 1966, kurz: AP, oder, wo dies möglich ist, nach der Übersetzung von Milli Weinbrenner (Theodor W . Adorno, Studien zum autoritären Charakter, Frankfurt 1973), kurz: Studien
 
2 Studien, S.45. Weil diese Check-Liste die Ursache einer Reihe folgenschwerer Mißverständnisse gewesen war, muß kurz auf ihren Status hingewiesen werden, obgleich das hier nicht zum Thema gehört: Sie ist ein Merk-Zettel mit Stichworten, die das Material überschaubar machen sollen, sie ist ein Hilfsmittel bei der Arbeit, nicht deren Endresultat, sie muß jeden irreführen, der die Verkürzung für bare Münze nimmt. Für bare Münze wurden in der BRD zu Zeiten der Protestbewegung gern die Variablen Konventionalismus und autoritäre Unterwürfigkeit genommen, weil dies Mißverständnis den hier ohnehin vorhandenen reaktionären Drang nach Selbstenthemmung legitimieren half. Geflissentlich übersehen wurde dabei, daß beide Variablen nicht etwa auf das vergesellschaftete, angepaßte, zivilisierte Individuum zielen, sondern umgekehrt gerade auf mißlungene Anpassung und mißlungene Identifikation, in dem Sinn, wie Adorno über eine der Figuren aus Huxleys Brave New World schreibt: »Aber indem sie bis zum Kern mit der Konvention eins ist, zergeht die Spannung des Konventionellen mit der Natur, und damit die Gewalt, welche das Unrecht der Konvention ausmacht: psychologisch ist das schlecht Konventionelle immer Mal einer mißlungenen Identifikation. Wie sein Gegensatz würde der Begriff der Konvention selber hinfällig. Durch die totale gesellschaftliche Vermittlung stellte gleichsam von außen nach innen zweite Unmittelbarkeit, Humanität sich her. Es fehlt nicht an solchen Ansätzen in der amerikanischen Gesellschaft . « (Adorno, Aldous Huxley und die Utopie, in: Prismen, München 1963, S. 103) Bezogen auf den potentiellen Faschisten bleibt festzuhalten, daß autoritäre Unterwürfigkeit die Funktion hat, »ambivalente Gefühle gegenüber Machtpersonen zu steuern; unterschwellige feindselige und rebellische Impulse, durch Furcht im Zaum gehalten, führen im Individuum zu einem Übermaß an Ehrfurcht, Gehorsam, Dankbarkeit und ähnlichem.« (Studien, S. 50) D.h. der Autoritäre ist stets der verhinderte Rebell, der Lausbub eher als das brave Kind.
 
3 Diese Annahmen stützen sich zunächst auf Freud und dann auf einzelne Arbeiten seiner Interpreten: Fromms Theorie des autoritär-masochistischen Charakters in den Studien über Autorität und Familie, Reichs Massenpsychologie des Faschismus, Abrahams Arbeiten über den Analcharakter. Wichtig ferner: Die Inhaltsanalysen von faschistischem Propagandamaterial durch Loewenthal und Guterman.
 
4 Die SINUS-Studie über rechtsextremistische Einstellungen bei den Deutschen, veröffentlicht m der Reihe rowohlt aktuell 1981
 
5 Erinnert sei an den Wirbel im Anschluß an ein Strafverfahren, welches angestrengt worden war gegen eine Person, die öffentlich erklärt hatte: »Soldaten sind potentielle Mörder«. Der mit vielen einschränkenden Bemerkungen versehene Freispruch löste bei Regierungsstellen bis hin zum Bundespräsidenten Stellungnahmen in einer Tonlage aus, wie man sie sonst von Stellungnahmen zu RAF-Attentaten kennt. In keinem Fall wurde die Banalität des Satzes geragt, der objektiv nicht falsch, aber überflüssig ist: Da jeder Mensch ein potentieller Mörder ist, ist natürlich auch jeder Soldat einer. Empörung rief der Satz vielmehr hervor, weil man sich durch ihn an den sonderbarerweise verdrängten Gedanken erinnert fühlte, daß es die Aufgabe der Armee sei, einen feindlichen Willen äußerstenfalls durch Tötung des Feindes zu brechen. Man interpretierte diese Feststellung als eine Beleidigung der Soldaten, wie wenn man selber der Überzeugung wäre, jede beabsichtige Tötung eines Menschen sei ein Verbrechen. Dabei liefert gegen solchen sentimentalen Gesinnungspazifismus die deutsche Geschichte selber die besten Argumente: Die Mordmaschinerie des Dritten Reiches mußte mit aller zu Verfügung stehenden militärischen Gewalt zerschlagen werden, und die besten Widerstandskampfer waren die, welche sich auch aufs fachmännische Töten von Menschen verstanden.

 
Im nächsten Heft: Auswertung einer Testversion