in konkret September 1989

Von Konkret
 
An Konkret
 
Option in grün-braun von Hermann L. Gremliza
 
Um für die CDU/CSU koalitionsfähig zu werden, mühen sich die »Republikaner« derzeit um eine »Intellektualisierung« ihres Parteiprogramms. Prominente Rechte wie Günter Rohrmoser und Hellmut Diwald haben Unterstützung zugesagt. Aber auch Sozialdemokraten wie Peter Glotz tragen durch öffentliche Streitgespräche mit Franz Schönhuber dazu bei, des Renommee der Rechtsextremen zu erhöhen. Wie schnell diese herrschaftsfähig werden, wird unter anderem auf dem CDU-Parteitag im September entschieden
 
Die Haftbedingungen der politischen Gefangenen haben sich seit dem Abbruch des Hungerstreiks nur in wenigen Fällen verbessert. Drei der Haftunfähigen sind noch wie vor inhaftiert, nur in Köln und Lübeck wurden neue Kleingruppen eingerichtet. Die Auseinandersetzung zwischen drinnen und draußen kommt allerdings in die Gänge: zwar nur langsam, aber seit vielen Jahren zum ersten Mal mit politischer Perspektive – trotz tiefgreifender Differenzen
 
Am 1. September jährt sich zum 50. Mal der deutsche Überfall auf Polen. Inzwischen hat die erneute Eroberung des Landes schon längst wieder begonnen
 
Wie die Debatte über das »Deutsche Reich in den Grenzen von 1937« die Oder-Neisse-Grenze neu befestigte
 
Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-45. Mit einem Vorwort von Walter Laqueur. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1989, 1057 Seiten, 98 Mark
 
Die Kompromißkoalition, die nach dem Blutbad vom 3. und 4. Juni die Führung der chinesischen KP übernommen hat, sieht sich nicht nur mit einer Reihe ökonomischer Schwierigkeiten und der ablehnenden Haltung der Bevölkerung konfrontiert – im Ausland formiert sich eine »Front für ein demokratisches China«
 
Was sind die Gründe dafür, daß nach dem Abzug der sowjetischen Truppen vor sechs Monaten der erwartete Zusammenbruch der afghanischen Regierung ausgeblieben ist und diese nun fest im Sattel zu sitzen scheint?
 
Seife statt Demokratie von Heinz Thüer
 
Sie haben den nationalsozialistischen Ausmerze-Programmen den Schein wissenschaftlicher Seriosität geliefert und nach 1945 lediglich das Vokabular gewechselt: Noch immer treiben deutsche Anthropologen Rassenkunde, Humanbiologie und Evolutionsgeschichte, um sowohl die »Höherwertigkeit der weißen Rasse« als auch die »Minderwertigkeit« von Behinderten zu begründen und Frauen auf ihren »Brutpflegeinstinkt« festzulegen. Vom 19. bis 23. September werden sie sich zur 21. Tagung der Gesellschaft für Anthropologie und Humangenetik in Bremen treffen und unter anderem ein Diagnosesystem diskutieren, das anhand von Fingerabdrücken das genetische Risiko bestimmter Krankheiten ermitteln soll
 
Weil der Deutsche Bundestag das Erbgesundheitsgesetz der Nazis noch immer nicht aufgehoben hat, mußte sich in Hamburg ein Amtsgericht als Erbgesundheitsgericht konstituieren
 
Termine
 
Mit Hilfe des »Gesetzes über die Betreuung Volljähriger«, das im nächsten Jahr in Kraft treten soll, wollen bundesdeutsche Humangenetiker, Ärzte und Juristen die Zwangssterilisation »Erbkranker« legalisieren – ganz in der Tradition des nationalsozialistischen »Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses«
 
Wozu taugt die Öffentlichkeit? – Zum Streitgespräch in der KONKRET-Redaktion: Klaus Bednarz, Leiter der »Monitor«-Redaktion beim Westdeutschen Rundfunk in Köln; Heide Gerstenberger, Professorin für Sozialwissenschaften an der Universität Bremen; Oliver Tolmein, KONKRET-Redakteur; Georgia Tornow, Chefredakteurin der »tageszeitung«
 
Sinn ohn´ Form - interim, intersport, interskop
 
Die RAF hat ausgedient. Der Generalbundesanwalt hat einen neuen Hauptfeind der Inneren Sicherheit der BRD ausgemacht: ausländische Terroristen. Die ersten Opfer seiner Strategie sind 14 inhaftierte Kurden, denen er vorwirft, innerhalb der PKK eine »terroristische Vereinigung« gegründet zu haben. Im Oktober soll der Mammut-Prozeß in Düsseldorf unter Bedingungen eröffnet werden, die Stammheim als freundlichen Ort erscheinen lassen
 
Seit September 1986 studiert der Westberliner Schriftsteller Ronald M. Schernikau Literatur am Johannes R. Becher Institut in Leipzig. Seine Erfahrungen mit diesem »Grenzübertritt« haben ihn veranlaßt, ein Buch zu schreiben »darüber, daß die DDR und die BRD sich niemals verständigen können, geschweige mittels ihrer Literatur.« Aus dem Text, der Anfang September unter dem Titel »Die Tage in L.« im Konkret Literatur Verlag erscheinen wird, drucken wir das Kapitel »BRD sieht DDR. Die Langeweile« leicht gekürzt vorab
 
Während Aufstände und Militäraktionen von Armenien bis China Länder des realen Sozialismus erschüttern, proklamiert die SED in der DDR in deutlicher Distanz zur sowjetischen Perestroika einen »Sozialismus in den Farben der DDR« und beschwört die Stabilität ihrer Politik. Prof. Otto Reinhold, geboren 1925, gelernter Schreibmaschinenmechaniker und 1946 Gründungsmitglied der SED, ist seit 1962 Rektor der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED und gehört seit Mai 1967 dem Zentralkomitee der SED als Mitglied an. Reinhold gehört zu den Beratern des SED-Generalsekretärs Erich Honecker und gilt als einer der »Chefideologen« der Partei. KONKRET-Mitarbeiter Uwe Klußmann sprach in Berlin (DDR) mit Otto Reinhold über den Zustand des realen Sozialismus, die Massenmedien in der DDR, die Entwicklungen in China und Ungarn und die Stalinzeit
 
Der Computer ist über die Linke gekommen. Aber gefragt ist nicht Kritik, sondern Know how. Ein Streifzug durch die digitale Welt der GenossInnen
 
Musikplaudertasche von Eckhard Henscheid
 
Der Komponist Hans Pfitzner galt nicht zu unrecht als »dem großen Führer seelenverwandt«. Er war ein übler Denunziant und fanatischer Anhänger der Nazis. Jetzt versucht eine neue Biographie ihn weißzuwaschen
 
Boogie Down Productions: Ghetto Music: The Blueprint of HipHop
 
Die Texte der englischen Schriftstellerin Virginia Woolf markieren den Übergang zur literarischen Moderne: Sie beschreiben die Welt, »als sähe man sie zum ersten oder letzten Mal«. Die ersten Bände einer neuen Ausgabe der Gesammelten Werte Woolfs sind jetzt erschienen
 
Piwitts kleines Feuilleton von Hermann Peter Piwitt
 
»Cinema and New Thinking«: Auf dem 16. Moskauer Filmfestival, das Anfang Juli stattfand, hat sich gezeigt, daß die Filmwirtschaft das Experimentierfeld bietet, auf dem jene Reformen getestet werden, die es der Sowjetunion ermöglichen sollen, mit den kapitalistischen Staaten ins Geschäft zu kommen