in konkret Juli 1989

von konkret
 
an konkret
 
Ami stay here von Hermann L. Gremliza
 
Der 4. Juni 1989 markiere eine Wende nicht nur in der Geschichte der Volksrepublik China und ihrer kommunistischen Partei. Aber eine Wende wohin?
 
Die Konservativen fühlen sich an das NS-Regime erinnert. Die Sozialdemokraten fordern lautstark die Freigabe von Entwicklungshilfegeldern, die sie selbst gesperrt haben. Die linke Solidaritätsbewegung sucht ihr Heil in Städtepartnerschaften. Die Beziehungen zwischen der BRD-Gesellschaft und Nicaragua sind zehn Jahre nach der Revolution vielfältig verworren.
 
Schweinejustiz von Oliver Tolmein
 
300 Milliarden Dollar setzt das Drogenkapital jährlich um; jedes zehnte Neugeborene in den USA ist drogengeschädigt: zwei Meldungen über den »Charakter der Epoche«. Ist das »Drogenproblem« lösbar? Oder markiert schon das Wort eine Lüge?
 
Der Erneuerungsprozeß in der Sowjetunion ist für die Völker der »Dritten Welt« eine Katastrophe, meint der Schweizer Soziologe und sozialdemokratische Abgeordnete Jean Ziegler. Er fordert ober auch, daß sich die Befreiungsbewegungen auf die Tradition ihrer Kultur besinnen und Abschied vom Marxismus-Leninismus nehmen. Das Projekt Aufklärung lasse sich nicht universalisieren
 
Der Ethik-Professor Peter Singer ist Tierschützer, Antirassist und Antisexist. Behinderung macht Leben in seinen Augen allerdings unwert. In seinen Büchern propagiert der Australier, dessen Großeltern in deutschen Konzentrationslagern umgebracht wurden, die »nichtfreiwillige Euthanasie« an behinderten Säuglingen – und findet dafür Zustimmung bei liberalen deutschen Demokraten
 
Sinn ohn´ Form
 
Nicht nur die »Welt« ist im Wandel: In brennender Sorge wenden sich sogar der »Spiegel«, die »TAZ« und die »FAZ« einer Deutschen Kommunistischen Partei zu, die ihnen zwei Jahrzehnte lang nur gleichgültig oder verhaßt war. Denn in der DKP geht's drunter und drüber, und das gefällt. Worum aber geht es wirklich? Darauf antworten hier zwei Kommunisten, deren Positionen in der innerparteilichen Diskussion eine wichtige Rolle spielen: der »Erneuerer« und ehemalige Vorsitzende des MSB Spartakus, Steffen Lehndorff, und der Marburger Politikwissenschaftler Georg Fülberth
 
Nicht nur die »Welt« ist im Wandel: In brennender Sorge wenden sich sogar der »Spiegel«, die »TAZ« und die »FAZ« einer Deutschen Kommunistischen Partei zu, die ihnen zwei Jahrzehnte lang nur gleichgültig oder verhaßt war. Denn in der DKP geht's drunter und drüber, und das gefällt. Worum aber geht es wirklich? Darauf antworten hier zwei Kommunisten, deren Positionen in der innerparteilichen Diskussion eine wichtige Rolle spielen: der »Erneuerer« und ehemalige Vorsitzende des MSB Spartakus, Steffen Lehndorff, und der Marburger Politikwissenschaftler Georg Fülberth
 
Zum Streitgespräch im Rahmen der Volksuni trafen sich in Westberlin: Ernest Mandel, marxistischer Wirtschaftswissenschaftler und Kopf der IV. (trotzkistischen) Internationale, und Jürgen Kuczynski, der Nestor der DDR-Gesellschaftswissenschaften. Leitung der Diskussion: »Argument«-Herausgeber Wolfgang Fritz Haug
 
Vom KP-Funktionär und Organisator des kommunistischen Untergrunds im franquistischen Spanien zum Antikommunisten und Minister einer konservativen Regierung: Die Biographie des spanischen Schriftstellers Jorge Semprún hat für Ex-Kommunisten einen ebenso hoben Stellenwert wie seine Bücher, in denen diese sich spiegelt, für den europäischen Literaturbetrieb. Tatsächlich aber zeigen seine Texte vor allem eins: daß und wie der Stalinismus auch noch seine Dissidenten frißt
 
Elfriede Jelinek zeichnet in ihrer Groteske »Lust« keine positiven Bilder, weder von Männern noch von Frauen, weder von der Sexualität noch von der Gesellschaft. Sie entwirft ein Sittengemälde – thematisiert aber auch die soziale Seite von Herrschaft
 
Was wäre die BRD ohne ihre Ausländer. Liberale fragen. wer denn dann die Klos schrubbt? Die Szene bangt um ihre Gyros-Köche. Weil man das so nicht sagen darf, haben sie die »multikulturelle Gesellschaft« erfunden
 
Piwitts kleines Feuilleton von Hermann Peter Piwitt
 
Hat das alte sozialistische Ziel, die Lebensweise, die Produkte, die Produktionsmittel und die Produktionsweise bewußt zu gestalten, noch eine Chance? Oder wird es (z. B. auch in der DDR) von bornierten Technokraten verspielt, die an die autonome Entwicklung der Produktionsmittel wie an eine Religion glauben? »Technologien im Umbruch« heißt ein neues Buch aus der DDR. Es ist eine packende Lektüre, weil die darin enthaltenen verkehrten Vorstellungen über Sozialismus und Technologie dem Nachdenken auch über unsere Zukunft viel weitere Perspektiven eröffnen als jedes Denken in dem engeren Rahmen der BRD-Verhältnisse, gleich ob dessen Anstöße von Glotz, Späth oder den Grünen kommen
 
Eine kranke Jugoslawin in einem ganz unpolitischen Strafverfahren vor einem ganz unpolitischen deutschen Gericht und die ganz unpolitische Frage, ob sie es über leben wird
 
Samuel Fuller hat einen film noir in Farbe gedreht: »Straße ohne Wiederkehr«