in konkret Mai 1989

Von Konkret
 
An Konkret
 
Dem Staate feind von Hermann L. Gremliza
 
Wahlen statt Waffen für El Salvador? Was es zu bedeuten hatte, daß die Befreiungsbewegung FMLN angeboten hatte, sich an den salvadoreanischen Präsidentschaftswahlen zu beteiligen
 
In der Öffentlichkeit heimst SPD-Bürgermeister Momper Lob ein, weil er sich aufgeschlossen für Kompromißlösungen zur Beendigung des Hungerstreiks der RAF-Gefangenen zeigt. Über den Hungerstreik gegen menschenunwürdige Haftbedingungen im sogenannten Normalvollzug des sozialliberalen Vorzeigeknasts Plötzensee schweigt er sich aus
 
Heftige Stalin-Diskussionen unter Kommunisten. In KONKRET 4/89 hat Rainer Butt, Mitglied des Bundesvorstands der SDAJ, den Autoren des Buchs »Stalin bewältigen«, seinen Genossen Günter Judick und Kurt Steinhaus, vorgeworfen, die Geschichte nicht neu geschrieben, sondern nur kosmetisch verändert zu haben. Auf Butts Kritik antwortet sein Genosse Joachim Hetscher
 
Ein Tag im Prozeß der Bundesrepublik Deutschland gegen die Journalistin Ingrid Strobl. Ein Tag im Leben eines furchtbaren Richters, der die Staatsanwaltschaft wegrationalisiert. Einer jener deutschen Tage, zu denen die Sonne nicht aufgehen sollte
 
Was ist an Herbert Marcuse und Simone de Beauvoir biologistisch? Und was macht die feministische Ökologie zur theoretischen Grundlage für den Kampf gegen Gentechnik? Auf der »Internationalen Konferenz über Gen- und Reproduktionstechnik und Frauengesundheit« in Bangladesh sprach Theresia Degener mit der indischen Physikerin und Biologin Vandana Shiva über philosophischen und praktischen Widerstand gegen die neuen Technologien
 
Ein Schwerpunkt der Frauenkonferenz in Bangladesh war das Thema Bevölkerungspolitik: traditionelle und moderne Methoden ergänzen sich weltweit
 
Statt vorauseilendem Gehorsam – vorauseilender Widerstand: Schon vor Einführung des europäischen Binnenmarktes sind die »Antirassistischen Zellen« grenzüberschreitend tätig: Sie organisieren koordinierte Sabotage-Aktionen in ganz Westeuropa. Erstes für ihre Anschläge relevantes Objekt ist der Öl-Multi Shell. Warum gerade er und überhaupt, erklären zwei Vertreterinnen der Gruppe, die sich »Clyde« und »Bonnie« nennen, in einem Interview mit Oliver Tolmein
 
Eine europaweite Kampagne gegen Shell bringt den größten in Südafrika engagierten Ölmulti in Bedrängnis. Im Mai finden anläßlich der Aktionärsversammlungen Aktionstage in Großbritannien und den Niederlanden statt
 
Dap der Chemiekonzern BAYER »in seiner grenzenlosen Sucht noch Gewinnen und Profiten« Menschenrechte und demokratische Prinzipien verletzt, daß er zwecks Durchsetzung seiner Interessen sich einige Politiker holt, hat ein internationaler Zusammenschluß von Kritikern der Chemieindustrie, die »Coordination gegen BAYER-Gefahren«, herausgefunden und öffentlich gemacht. Mit Hilfe der bundesdeutschen Justiz möchte der Konzern seine Kritiker nun mundtot machen
 
Sinn ohn´ Form - Alte Kämpfe – Neuer Antiimperialismus von Oliver Tolmein
 
Termine
 
In einem »Brief an einen jüdischen Freund« beklagt Ibrahim Souss, der Pariser Vertreter der PLO, die Leiden des palästinensischen Volkes, die keineswegs erst mit der militärischen Unterdrückung der Intifada begonnen. Er wirft Israel vor, im Zuge einer kolonialistischen Politik den systematischen »Völkermord« an den Palästinensern zu betreiben. In einem Offenen Brief antwortet Thomas Rothschild Souss, versichert ihn seiner Solidarität und fordert die Juden in der Diaspora auf, »dem Israel Shamirs jegliche Unterstützung zu verweigern«. Wolfgang Schneider dagegen sieht im Sousstschen Text ein »antisemitisches Pamphlet«, dessen zentrale Inhalte die Forderung noch Liquidierung des Staates Israel und eine nachträgliche Rechtfertigung der nationalsozialistischen Vernichtungslager sind
 
In einem »Brief an einen jüdischen Freund« beklagt Ibrahim Souss, der Pariser Vertreter der PLO, die Leiden des palästinensischen Volkes, die keineswegs erst mit der militärischen Unterdrückung der Intifada begonnen. Er wirft Israel vor, im Zuge einer kolonialistischen Politik den systematischen »Völkermord« an den Palästinensern zu betreiben. In einem Offenen Brief antwortet Thomas Rothschild Souss, versichert ihn seiner Solidarität und fordert die Juden in der Diaspora auf, »dem Israel Shamirs jegliche Unterstützung zu verweigern«. Wolfgang Schneider dagegen sieht im Sousstschen Text ein »antisemitisches Pamphlet«, dessen zentrale Inhalte die Forderung noch Liquidierung des Staates Israel und eine nachträgliche Rechtfertigung der nationalsozialistischen Vernichtungslager sind
 
Zum KONKRET-Streitgespräch trafen sich: Rose Gauger, aus der Mittelamerika-Solidarität kommend, Gaby Gottwald, ist bei den Grünen und seit Jahren aktiv in der Solidaritätsarbeit und vor allem zu El Salvador und Chile; Ray Syring, der Arzt ist und ein Jahr in den von der FMLN kontrollierten Gebieten in El Salvador gelebt hat; Georg Reitmüller, Autonomer aus Norddeutschland und Mitglied in der Redaktion der »Materialien für einen neuen Antiimperialsimus«
 
Der Fall Jürgen Habermas oder Wie die kritische Theorie gesellschaftsfähig wurde
 
Ivy Compton-Burnett: Ein Gott und seine Gaben. Roman. Aus dem Englischen von Peter Marginter Klett-Cotta-Verlag, Stuttgart 1989, 192 Seiten, 20 Mark
 
Ihr mich auch! (Eine Tirade) von Matthias Altenburg
 
Schon das gerühmte Bauhaus hatte mehr mit Ideologie als mit der Wirklichkeit des Bauens zu tun. Eine bessere Welt durch Architektur, da steht der Auftraggeber vor. Jetzt werden selbst die Architekturtheoretiker bescheiden wie die Verhältnisse: Was nicht geplant werden kann, soll auch nicht geplant werden. Jedoch braucht das Chaos, das Architekten sich jetzt anschicken zu »gestalten«, einen Namen. Hier ist er: Dekonstruktivismus. Was er meint, gibt es schon: Hongkong
 
In KONKRET 3/89 hatte Jan Philipp Reemtsma der Meinung des Philosophen Habermas und des Schriftstellers Hochhuth widersprochen, die jüngere Generation dürfe ihren Zuwachs an Kenntnissen über den Nationalsozialismus nicht dazu mißbrauchen, moralische Urteile über die damals Handelnden zu fällen. Hochhuth schrieb eine Entgegnung (die nach Redaktionsschluß von KONKRET 4/89 einging und deshalb leider erst in diesem Heft erscheinen kann); Reemtsma antwortet
 
In KONKRET 3/89 hatte Jan Philipp Reemtsma der Meinung des Philosophen Habermas und des Schriftstellers Hochhuth widersprochen, die jüngere Generation dürfe ihren Zuwachs an Kenntnissen über den Nationalsozialismus nicht dazu mißbrauchen, moralische Urteile über die damals Handelnden zu fällen. Hochhuth schrieb eine Entgegnung (die nach Redaktionsschluß von KONKRET 4/89 einging und deshalb leider erst in diesem Heft erscheinen kann); Reemtsma antwortet
 
Musikplaudertasche von Eckhard Henscheid
 
Als Antwort auf den Machismo der traditionellen Kriminalliteratur gibt es nun Frauenkrimis. Eine bloße Umkehrung des klassischen Schemas oder eigenständige Beiträge zur Frauenliteratur
 
Mira Nairs Film »Salaam Bombay!« ist der erste indische Spielfilm, der Indien zeigt: »die Straße und die Sprache dieser Straße«
 
Viereinhalb Stunden lang zeigt Marcel Ophüls in seinem Dokumentarfilm über den Fall Klaus Barbie nichts als sprechende Köpfe. Und doch ist »Hotel Terminus« nicht nur die richtige Antwort auf die Bewältiger der Vergangenheit, sondern auch ein Krimi
 
Piwitts kleines Feuilleton von Hermann Peter Piwitt
 
Das Bundesinnenministerium hat im Bonner Wissenschaftszentrum eine Ausstellung einrichten lassen: »40 Jahre Bundesrepublik Deutschland«. Mit diesem lauen Verschnitt aus Beschönigung und Verdrängung soll nicht nur das Jubiläum gefeiert, sondern auch jenes »Haus der Geschichte« geprobt werden, in dem die Republik zukünftig ihre »Erfolgsgeschichte« präsentieren will