in Literatur konkret 1988

Editorial
 
»Die deutsche Sprache ist die tiefste, die deutsche Rede die seichteste« (Karl Kraus). Was an sechs Ansprachen eines populären Rhetors und dreizehn Aufsätzen eines unbeliebten Dichters zu beweisen ist.
 
(Zur Erinnerung an die erste große wissenschaftliche Gemeinschaftsleistung unseres Kontinentes, den Venusdurchgang von 1769).
 
Die »Bargfelder Ausgabe« erfüllt Arno Schmidt nicht nur den Wunsch, daß seine »Manuskripte wenigstens annähernd ähnlich im Druck erscheinen!«, sondern ist auch die erste unzensierte Ausgabe seit der Adenauer-Zeit.
 
Die Arno Schmidt Stiftung
 
Der Arbeitskreis Akquisition der Berliner Sektion des Schriftstellerverbandes war erfolgreich: Der Senat bezahlte den Kongreß »Ein Traum von Europa«. Die Redebeiträge würdigt Wolfgang Pohrt
 
Europa und andere von Klaus Roehler
 
Was erzeugt eine sogenannte gesamteuropäische Kultur, die von vornherein ihrer gefährlichsten Widersprüche, unangenehmsten Probleme, härtesten Einsichten und Giftzähne beraubt wurde? Harmlosigkeit und Waschzwang.
 
Gebrechen und Huld von Günter Herburger
 
Über die Nord-Süd-Steigung oder -Steigerung im Zusammenhang mit den Besprechungen seines Buches spricht Hermann Kant
 
Hoho, Kalkutta von Horst Tomayer
 
Die Reise nach Jerusalem von Christel Dormagen
 
Diesjähriges Buchmessenmotto ist Italien. Warum nicht mal ein ehrliches Motto, sagen wir Deutschland? Oder wenigstens Europa?
 
Buchproduktion & Verlags-Dreisatz
 
Der Vertriebsapparat wird nervös, glaubt an einen Störfall. Es wird geprüft, ob kein Irrtum vorliegt, und dann wird gerechnet. Reicht die Auflage? Lohnt ein Nachdruck?
 
Zur Lage der Schriftsteller. Ein Gespräch zwischen Konkret-Redakteur Wolfgang Schneider und Hans Wollschläger
 
Die Ausleihfrequenzen der Öffentlichen Bibliotheken über systematischen Aufkleberschwindel zu beeinflussen, wäre eine adäquate Antwort auf die staatliche Finanzierungspraxis.
 
Der Autor als rechtstragende Figur wurde erfunden, um die Händler von bedrucktem Papier vor Dieben zu schützen
 
Zu den interessantesten Büchern des seit vierzig Jahren in Tanger lebenden Schriftstellers und Komponisten Paul Bowles gehören die, die er nicht selbst geschrieben hat. Wie aller Exotismus entpuppt sich seiner als konservativ, als Zerwürfnis mit der Modernität, das deren Verluste beklagt: »Die Welt ist in moralischem Sinne zerbrochen:«
 
Peter Kurzeck, Staufenberger, Hesse, Heimatromanautor, wohnhaft in Frankfurt, wird portraitiert von Meder Kern, Frankfurter, Buchhändler, Autor, zur Zeit in Peking
 
Marianne Herzog ist bekannt geworden mit politischen Reportagen über Frauenarbeitsplätze. Daß ihr neues Buch »Suche« heißt, findet Regine Walter-Lehmann leider passend
 
Nâzim Hikmets Verse tauchen von Istanbul bis Köln als Graffiti auf, weswegen er - zu unrecht - immer mit linker Verfolgten-Folklore verbunden wird
 
Als eingeladener »Schriftsteller für den Frieden« war Claude Simon in der Sowjetunion. Seinen satirischen Reisebericht rezensiert Walter Klier
 
Wie in Goethes Wahlverwandtschaften fängt in Philip Roth's Roman Gegenleben alles ganz harmlos an.
 
Dies ist ein Buch über die Liebe, und - wie alle anderen Bücher über die Liebe - über ihre Ausweglosigkeit
 
Die Frauen in Jane Bowles' Büchern widersetzen sich nie dem Sog der günstigen Gelegenheiten
 
Der Hauptfigur der Erzählung »Vor der Premiere« immer wieder zurufen: Nur Mut, dir passiert nichts, möchte: Wolfgang Welt
 
Jenseits ernährungswissenschaftlicher und sportmedizinischer Belehrungen versetzt »Lauf und Wahn« in Trance. Von Herrn Thömmes
 
Anita Brookners »Heldinnen« sind die eher unauffälligen Frauen, von der Autorin in den etwas zerschlissenen Mantel der Würde gehüllt
 
Die Briefe von Irmgard Keun an Arnold Strauss, entdeckt von dessen Witwe, sind eine der Geschichten, die das Leben der Literatur gerne verbittet
 
Die Ost- und West-Berlinerin Katja Lange-Müller hat ihrer Bachmann-preisgekrönten Erzählung das Motto gegeben: Geh aus mein Herz und suche Streit
 
Anna Rheinsbergs Geschichten über einsame, abhängige, bindungsunfähige, gewalttätige Kerle sind traurig, manchmal zum Lachen, aber nicht erschreckend
 
Der Spanier Miguel de Unamuno gehört zu jenen europäischen Schreiberdenkern, die außerhalb ihres Landes völlig unbekannt sind
 
Joan Barfoot widerlegt das Vorurteil, Hausfrauenliteratur könne nur larmoyant sein
 
Geschwister-Geschichten, die weder Wadenwickel für die Psyche noch Selbstbespiegelung sind