in konkret Dezember 1988

Von Konkret
 
An Konkret
 
Jenninger und/oder/statt Weizsäcker von Hermann L. Gremliza
 
Herr Jemminger von Günter Amendt
 
Deutscher Bundestag, wenige Stunden nach der »Juden-Gedenkrede« (»Bild«) seines Präsidenten Philipp Jenninger: Jutta Oesterle-Schwerin, geboren 1941 in Jerusalem, Abgeordnete der grünen Fraktion, erhält das Wort zur Abgabe einer persönlichen Erklärung. Was dann geschah, war wie ein Lackmus-Test an sauren Konservativen und ausgelaugten Sozialdemokraten. KONKRET dokumentiert das Protokoll:
 
Einen Dialog über den Widerstand kann nur initiieren, wer auch was zu sagen und nicht nur Versöhnung zu predigen hat. Christian Geissler hat mit »Kamalatta« einen wichtigen, noch viel zu wenig bemerkten Vorstoß in die richtige Richtung unternommen
 
»Staatsgewalt« und »Widerstand gegen die Staatsgewalt« heißen zwei neue Bücher, die eine »Chronologie der politischen Unterdrückung« in der BRD und »Ratschläge zur Gegenwehr« enthalten. Der Sprecher der »Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizisten und Polizistinnen« stellt sie hier vor
 
Brecht und/oder Strauß, der anachronistische Zug und/ oder Freiheit und Democracy: Während die politischen Hinterbliebenen weitermarschieren, bis die »Banditen«, die »nur auf dem Misthaufen eines perversen Selbstgeißelungs-Denkens« gedeihen, vertrieben sind, spricht im Kino der Tote: »Wir sind keine Anachronisten«
 
Robert Jay Lifton: Ärzte im Dritten Reich. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 1988, 704 Seiten, 48 Mark
 
Auf dem zweiten bundesweiten Kongreß »Frauen gegen Gen- und Reproduktionstechnologie« in Frankfurt wurde deutlich, wie sehr sich der Widerstand der Frauen verbreitert und radikalisiert hat. Die Kritik am liberalen Selbstbestimmungs-Modell der bürgerlichen Frauenbewegung ist fast schon Konsens
 
Anfang Dezember nominieren die Grünen ihre Kandidaten für die Wahl zum EG-Parlament. Einer der Bewerber ist der KONKRET-Autor Franz Christoph. Warum?
 
Zu Besuch im Daimler-Kreißsaal: Geile Roboter und katholische Tauchlackierung
 
Das Märchen vom Volk, das so lange andere für sich sprechen ließ, bis ihm die Spucke wegblieb von Michael Scharang
 
Auf Einladung der »Marxistischen Abendschule« (MASCH) diskutierten in der Hamburger Universität (v. l.): Michael Stamm (GAL), Hermann L. Gremliza, der Journalist Gero von Randow (Gesprächsleitung) und die stellvertretende Bundesvorsitzende der DKP, Ellen Weber
 
Glasnost bringt vieles hervor, muß vieles hervorbringen, Widersprüchliches zumeist, aber auch einfach Widerliches. Wenn freilich die sowjetischen Offiziellen gerade dies für ihre Propaganda einsetzen, muß ihnen auch mal mit der Zaunlatte Einhalt geboten werden - wie in diesem Offenen Brief an die Redaktion der Zeitschrift »Sowjetunion heute«
 
Die Erben Maos haben den großen Sprung, zu dem Michael Gorbatschow gerade ansetzt, schon hinter sich: Privatisierung, Preisreform, Markt und Anschluß an die Weltwirtschaft. Von Sozialismus ist nur noch am Rande die Rede – bei Demonstrationen verarmter Rentner, die sich Mao-Plaketten anstecken
 
In KONKRET 11/88 hatte Georg Fülberth die ersten Bände der neuen Trotzki-Ausgabe vorgestellt. Deren Herausgeber, der Soziologe Helmut Dahmer, widerspricht:
 
In seinem Beitrag über Nikolai Bucharin in KONKRET 11/88 hatte Gerald Munier aus einer Arbeit von Walter Süß über »Bucharin – Gesellschaftliches Gleichgewicht und proletarische Revolution« zitiert und Süß vorgeworfen, er präsentierte je noch politischer Opportunität unterschiedlichste Bucharin-Bilder. Süß antwortet Munier:
 
Bevor es demnächst wieder richtig losgeht – ein Blick zurück: auf die Reiseberichte deutscher Schriftsteller, die in den ersten Jahren nach der Revolution die Sowjetunion besuchten. Nur wenige entdeckten mehr als (unfreiwillig) sich selbst
 
Gesprächsprotokolle aus einem Puff, die als Wichsvorlage so wenig taugen wie als Stimulanz für Sozialarbeit. Kalt referierte und notariell festgehaltene Dokumente zu einer Kulturgeschichte der Freiheit des Marktes, Abteilung Bundesrepublik Deutschland, Kapitel 1980ff
 
Am Düsseldorfer Schauspielbaus wird das Stück »Die Minderleister« von Peter Turrini gezeigt. An diesem Show-Platz, in der Nachbarschaft von Rheinhausen, stellen sich einige Fragen, darunter auch die: ob es ausreicht, daß aus Kummer schöner Gesang wird
 
Kampf der Giganten: Bertelsmann und Kindler produzieren je ein Literaturlexikon, das eine für knapp 3.000 Mark, das andere mit knapp 8.000 Seiten. Jetzt braucht nicht mehr gelesen, es kann nachgeschlagen werden. Information ist alles. Ist das nichts?
 
»Kontrolliert«, das neue Buch von Rainald Goetz, hat den Rezensenten F.C. Delius ganz schön geärgert. Könnte es sein, daß es trotzdem kein gutes Buch ist?
 
Aufregung um den Christus-Film von Martin Scorsese: Der Herr aus Krakau ist besorgt, daß die Leute lieber die Story von einem jüdischen Albert Schweitzer hören als den Unfug mit der Jungfrauengeburt. Denn dann brauchten sie keine Kirche
 
Karl und Angela Pawek, vor Jahren mit dem Versuch gescheitert, eine intelligente Programmzeitschrift zu verlegen, haben eine Serie von »Revideos« produziert, auf denen je ein Jahrgang deutscher Geschichte (zwischen 1942 und 1952) in Bildern, Schlagern, zahlen, auch Witzen festgehalten ist. Geschichte und Geschichten, wie man sie nicht kennt
 
Vor zwanzig Jahren hat Alexander Askoldov den Film »Die Kommissarin« gedreht, erst jetzt wird er gezeigt. Erf ragt: Für wen wird die Revolution gemacht?
 
Oberflächliche Impressionen