in konkret September 1988

Von Konkret
 
An Konkret
 
Klasse Rasse von Hermann L. Gremliza
 
10.000 Banker (inklusive politischem und kaufmännischem Hilfspersonal) versammeln sich Ende September in Westberlin zur Tagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank. Und dann kommen noch einige unerwünschte Besucher, die gesonnen sind, »die Prestigetagung der Reichen und Mächtigen« nach Kräften zu stören. Wer da kommt, was sie vorhaben, wie (un)einig sie sich sind und was die Polizei gegen sie unternehmen will
 
Menschenversuche an KZ-Häftlingen brachten dem Deutschen Reich einen Vorsprung auf dem Gebiet der Weltraummedizin, den sich die USA nach 1945 zunutze machten und auf den die allgemeinen Frankfurter Geschichtsumdeuter neuerdings wieder richtig stolz sind
 
Die Gläubigerbanken haben sich mit dem Schuldner Brasilien geeinigt: Sie geben 5,2 Milliarden Kredit und bekommen dafür 20,9 Milliarden Zinsen. Jetzt versuchen die Multis, auch noch die Verfassung des Landes zu kaufen
 
Gleichzeitig plündern und die Plünderung beklagen: Den Zynismus der Bonner Regierung im Umgang mit den ärmsten Ländern der Welt, macht ihr so schnell keiner nach
 
Von der marktgerechten Umgestaltung des publizistischen Antiimperialismus
 
Nachrichten von Andreas Herzau
 
Das Streitgespräch über »Neues Denken«, Gremlizas Kolumne »Newthink und Adabei« (KONKRET 7/88) und Thomas Rothschilds Artikel »Weiter? Weiter? Weiter?« (KONKRET 8/88) legen dem Hamburger GALier Michael Stamm den Gedenken nahe, »daß die Verbindung von Idealismus und Eitelkeit dumm macht«
 
Die einst mächtigen britischen Gewerkschaften sind zu einem Haufen verfeindeter und um die Gunst der Unternehmer buhlender Berufsverbände heruntergekommen, die vergeblich versuchen, den rasanten Schwund ihrer Mitglieder durch die Vergabe von Vorzugshypotheken und Kreditkarten zu bremsen. Kein Wunder in einem Land, in dem mittlerweile mehr Aktionäre als Gewerkschafter leben
 
Im Münchner Prozeß wegen Wehrkraftzersetzung (KONKRET 5/1988) wurden Alfons Lukas zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, Stephan Johannes Sinz zu 150 Tagessätzen von je 15 Mark verurteilt. Die Entscheidung über eine Jugendstrafe gegen Heiko Müller wurde für die Dauer einer »Bewährungszeit« von zwei Jahren ausgesetzt. Jetzt liegt die schriftliche Begründung des Urteils vor. Ein Offener Brief an die Richter der 5. Strafkammer des Landgerichts München I
 
Prostitution, Korruption, Schwarzmarkt und Drogenhandel: Daß Kuba sich mit dem Dollartourismus auch dessen Defekte ins Land holt, ist keineswegs überraschend. Ungewöhnlich jedoch ist, daß noch jahrelangem Leugnen jetzt öffentlich darüber diskutiert wird. KONKRET dokumentiert in gekürzter Form einen Artikel der kubanischen Zeitschrift »Somos Jóvenes« vom Oktober 1907, in dem nicht nur der exemplarische Werdegang einer Prostituierten in Havanna geschildert, sondern auch erwogen wird, wie der drohenden Durchkapitalisierung des sozialen Lebens auf der Insel zu wehren sei
 
Das Highlight des Tages, an dem der Hessische Landtag sich auf Diät setzte
 
Wenn sie dürften, würden die Frankfurter Honoratioren dem Brandstifter Michael Wortha ein Denkmal setzen. Denn so heftig wie beim Anblick der rauchenden Trümmer ihres Opernhauses haben sie schon lange nicht mehr vom großen Geschäft geträumt
 
Meist wechseln die Moden des Kulturbetriebs so rasch, daß ihre Macher nur einen kurzen Moment auf der Höhe ihres eigenen Produkts sich halten können. Auch die Postmoderne war längst schon passé, als ihre Erfinder in immer monumentaleren Publikationen endlich ihre zeitlose Gültigkeit zu feiern begannen. Nur in der Architektur hat überdauert, was am postmodernen Entwurf zukunftsweisend geblieben ist
 
Piwitts kleines Feuilleton von Hermann Peter Piwitt
 
Am 17. Oktober 1978 starb im »Österreichischen Hof« in Salzburg an der richtig bemessenen Dosis Schlaftabletten der jüdische Journalist und Schriftsteller Jean Améry, geboren in Wien als Johannes Mayer. Lohnt es sich noch, ihn zu lesen?
 
Auch vor Gorbatschow gab es in der Sowjetunion keine verbotene Malerei, sondern bloß eine »nicht-offiizielle«. Die erlebt nun ihren Durchbruch: »Es ist nicht alles gut was da hängt, aber es ist gut, daß es da hängt«
 
Exklusiv! M. Rusts Gefängnistagebuch! Ghostwritten by Dieter Scheuerer
 
Peter Rühmkorf (Hg.): Werner Riegel... beladen mit Sendung. Dichter und armes Schwein. Haffmans Verlag, Zürich 1988, 336 S., 40 DM
 
Von wegen Sauberkeit, Demokratie, Friedfertigkeit und Inselglück inmitten eines ansonsten verbrecherischen Europas: Der Schweizer Publizist Niklaus Meienberg hat sein Land als das beschrieben, was es ist: Privateigentum eines dünnen obergärigen Klüngels stinkreicher und stockreaktionärer patrizischer Familien