in konkret Juni 1988

von konkret
 
an konkret
 
Neues Denken von Hermann L. Gremliza
 
»Kampagnefähigkeit«, »kulturelle Hegemonie«, »Meinungsführerschaft«, Dominanz über die Themen des öffentlichen Diskurses – alles, was Peter Glotz einst der SPD zu verschaffen suchte, ist am Ende der achtziger Jahre fest im Besitz der CDU. Sie allein bestimmt, wie seit dreißig Jahren nicht mehr, was modern und wo vorne ist
 
Wohlfeile Wahrheit von Verena Krieger
 
Daß die Bundeswehr sowohl den Angriffs- als auch den Bürgerkrieg probt, ist längst kein Geheimnis mehr. Wer jedoch darüber aufklärt und dagegen agitiert, muß neuerdings wieder damit rechnen, vor Gericht gestellt und abgeurteilt zu werden. Wegen Wehrkraftzersetzung
 
Sind die Grünen schon bald am Ende oder währen n sie ewig? In seinem Essay beschäftigt sich Fülberth mit einer Prognose aus dem September 1902, die er für eine Fehlprognose hält
 
Grell geschminkt gesteht die »Terroristin« Karin Eitel im chilenischen Fernsehen ihre Taten. Wenn sie stockt, gehen die Scheinwerfer aus, und sie wird mit Schlägen gefügig gemacht. Geheimdienstagenten als Zulieferer des staatlichen Fernsehens – das ist Chile im Jahr des »Plebiszits«
 
Iris Stolz sprach mit dem Psychologen David Becker über Folterschäden, Verdrängung und Angst
 
Der Schwachsinn trällert sich Bahn: Im Auftrag der Bundesgeschäftsführerin hat der Frankfurter Musikproduzent Dieter Dehm (einst Stomokap-Juso, dann Liedermacher unter dem Kunstnamen »Lerryn«) für die SPD eine neue Parteihymne geschrieben. In deren Refrain ist so nachdrücklich vom Wasser die Rede, daß man zu begreifen beginnt, warum die SPD immer überflüssiger wirkt
 
Zur Forderung, den Unvereinbarkeitsbeschluß der SPD mit dem SDS wieder aufzuheben
 
Nachrichten
 
Mal waren es 40 Uhrengeschäfte, mal nur 30; mal sind hunderte von WeckerkäuferInnen abgefilmt worden, mal nur 82 – die »Beweismittel«, die Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt gegen Ulla Penselin und Ingrid Strobl zusammengetragen haben, sind schlecht konstruiert, widersprüchlich und absurd
 
Eine im Feuilleton beliebte Frage lautet: Warum haben sich Millionen Juden von den Nazis »wie Schafe zur Schlachtbank« führen lassen? Von den jüdischen Soldaten und Partisanen, die in Polen, Frankreich, Italien, Belgien, Holland, Spanien, der Sowjetunion und Nordafrika gegen die deutschen Invasionsheere kämpften, ist so gut wie nie die Rede. Warum?
 
Ein liberaler Historiker gibt Gas: Er will unbedingt »klarkriegen«, warum ein so fabelhafter Mann wie der Volkswagen-Konstrukteur in die (heute und bei manchen) kompromittierende Nähe zu den Nazis geraten ist. Die Arbeit an der Befriedigung seiner Neugier wird von Porsches Nachfolgern bezahlt
 
Erst Bollwerk gegen die Oktoberrevolution, später Hitlers liebste Kollaborateure, heute »Vorposten Europas« im Kampf gegen den Bolschewismus: Exil-Ukrainer, ihre Führer, Pfaffen, Agenten, Freunde und Umtriebe
 
Was ist Embryonen-Splitting? Nein, keine Rubrik im Lohnsteuerjahresausgleich, sondern ein Verfahren, mit dem Humangenetiker den Nachwuchs selektieren wollen. Weil zu diesem Zweck menschliche Zellen manipuliert und auch vernichtet werden müssen, verlangen die Forscher die Aufhebung der herkömmlichen Moralgesetze
 
Sie halten sich für die Erben der Aufklärung, für die Avantgarde der Revolution. Aber ihr Horizont reicht gerade vom innerstädtischen FKK-Bad bis zur Zwangstätowierung aller HIV-Positiven: In den antiklerikalen Sekten der Bundesrepublik sammeln sich die Opfer einer christlichen Kultur
 
Es gibt sie wirklich, eine Literatur, deren Gegenstand die Politik und die dennoch nicht bloß gut gemeint ist, sondern ein Werk der Kunst: »Ästhetik des Widerstands« heißt das Buch
 
Gerhard Zwerenz: »Soldaten sind Mörder«. Die Deutschen und der Krieg, Verlag Knesebeck & Schuler, München 1988, 430 S., 39,80 DM
 
Von der belgisch-französisch-holländischen Maas bis an die sowjetische Memel reicht das »Deutschlandlied«, das die Bonner Nation »über alles« schätzt. Hier die Geschichte und Bedeutung dieses im ersten Teil chauvinistischen, im dritten Teil nichtssagenden Schmachtfetzens, der da »Nationalhymne« heißt
 
Musikplaudertasche von Eckhard Henscheid
 
Es waren alle da, die glauben, wenn sie da sind, seien alle da: der erste Bürgermeister, die Bankiers der City, die Staranwälte, die Stifter, die Chefredakteure, die Dreisterne-Gäste, die Begleitungen. Alle wollten dabeisein, als Klaus Pohls Komödie »Heißes Geld« Premiere hatte. Denn es hatte sich herumgesprochen: Der Stoff, der dem Stück zugrundeliege, sei der Zusammenbruch der Privatbank Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co, der einst feinen Hamburger und Frankfurter FinanzadresseGespräch mit Klaus Pohl
 
Wie einmal die sexistisch versteinerten Verhältnisse zum Tanzen gebracht wurden
 
Ich habe gelesen von Hermann Kant
 
Mit dem Trick, sich als Stadt der Jahrhundertwende auszugeben, wurde Wien in den letzten Jahren vor einem Dutzend anderer Städte zur Nummer eins im internationalen Städtetourismus. Zeit für jene Einheimischen, denen es an Kaisertreue mangelt, Wien den Touristen zu überlassen und auf Reisen zu gehen
 
»Emotionalisieren« heißt die Devise, auf Bevormundung und subtilen Rassismus läuft es hinaus: Die »Dritte-Welt«-Filme des Unterhaltungskinos brauchen fast immer einen weißen Helden, mit dem das Publikum leiden kann, damit ein bißchen Mitleid mit den Unterdrückten abfällt. Und das nennen sie dann Aufklärung