in konkret April 1988

von konkret
 
an konkret
 
Lechts und Rinks von Hermann L. Gremliza
 
Oskar Lafontaine hat einen Hit gelandet. Alle (bis auf ein paar griesgrämige Gewerkschafter) sind begeistert: Der Hoffnungsträger macht ihnen Hoffnung. Worauf eigentlich? Daß Lafontaine einmal Kanzler werden könnte und Möllemann sein Außenminister? Denn andere Perspektiven wird man in seiner jüngsten Schrift »Die Gesellschaft der Zukunft« nicht finden
 
Der Aufstieg des Oskar L. von Hans Jürgen Nordhoff
 
Die frauenfreundliche Frau Frauenministerin will dafür sorgen, daß die deutsche Frau mehr Kinder kriegt – ob sie will oder nicht. Gegen die Zwangsberatung verteidigen Frau Süssmuths Gegnerinnen das alte, miese Gesetz
 
Der Deutsche Bundestag spricht den Opfern der NS-Herrschaft sein Mitgefühl aus: Wolfgang Otto, der Mörder Ernst Thälmanns, erhält eine Pension von monatlich 1 700 Mark. Fast dreimal soviel – bis zu 5 000 Mark – können jetzt vergessene Opfer des NS-Staates kriegen: Als Einmalzahlung fürs ganze Rest-Leben
 
Peter G Bourne: Fielel Castro. Econ Verlag, Düsseldorf 1988, 360 Seiten, 39.80 Mark
 
Überall im Land ermitteln Staatssicherheitsorgane wg. Bildung oder Unterstützung »krimineller Vereinigungen«. Nur in 6 Prozent der Fälle kommt es zu Verurteilungen. In 94 Prozent der Fälle wird »bloß« ausgeforscht und aufgemischt
 
Gerichtsszenen aus Istanbul von Ömer Erzeren
 
Interview mit Angela Davis: Wahlkampf in den USA: Es sieht so aus als gehe es bloß wieder um Pest oder Cholera. Eine fortschrittliche, gar linke Alternative scheint nirgendwo in Sicht. Für KONKRET fragten Theresia Degener und Oliver Tolmein die einst als Staatsfeindin Nr. 1 gesuchte Angela Davis noch den Chancen linker Opposition in den USA
 
Jahrelang dealte der panamesische General Noriega Waffen und Kokain für die CIA. Jetzt wollen die USA ihren Ex-Freund loswerden. Doch gerade das macht ihn zum starken Mann in Panama
 
Von Erfolg zu Erfolg schreiten die kommunistischen Parteien des Westens der Bedeutungslosigkeit entgegen. Woran das liegt und was da zu tun sei, versucht der Marburger Politikwissenschaftler und KONKRET-Autor Georg Fülberth in seinem Beitrag zu klären, der zuerst in Heft 12/87 der »Marxistischen Blätter« unter dem Titel »Das scheinbare Ende als Chance zur notwendigen Transformation« erschien. Er ist Mitglied der DKP
 
Gorbatschows Reformpolitik und das Friedensarrangement mit den kapitalistischen Staaten haben die kommunistischen Parteien durcheinandergebracht. Auch in der DKP gärt es: Das Präsidium mußte einem Vorstandsmitglied eine »Verwarnung« aussprechen. Was sind die tieferen Gründe?
 
Nicht klampfende Kurzzeit-Genossen, sondern gestandene kommunistische Funktionäre, darunter Mitglieder des Parteivorstands, widersprechen dem »Weiter so«-Kurs der Führung Es wird spannend in der DKP
 
Kaum haben sie ihren »Kürbiskern« eingehen lassen, wollen die westdeutschen Kommunisten eine neue Kulturzeitschrift gründen. Seit einiger Zeit kursiert in der DKP ein Papier, das die Konzeption der Zeitschrift beschreibt und Schlimmes erwarten läßt
 
Nachrichten
 
Die Justiz der Weimarer Republik sperrte ihn ein, die Nationalsozialisten peinigten ihn zu Tode, bundesdeutsche Christ- und Sozialdemokraten schmähen sein Andenken, liberalen Historikern und Journalisten bleibt er verhaßt: Vor 50 Jahren erlag Carl von Ossietzky seiner KZ-Haft
 
Am Schauspielbaus Bochum hat Frank-Patrick Steckel die »deutsche Tragödie« inszeniert, die der frühere Expressionist und spätere DDR-Kulturminister Johannes R. Becher 1941/42 im Exil in Taschkent geschrieben hat – quasi live zur realen Winterschlacht um Moskau. Ein berechenbares Stück?
 
Die Medien lieben ihn, die etablierten Parteien benutzen seinen Erfolg und die liberale Intelligenz unterschätzt seine Bedeutung: Der Führer des rechtsradikalen Front National, Jean-Marie Le Pen, marschiert
 
Piwitts kleines Feuilleton von Hermann Peter Piwitt
 
Es geht um Geld. Um Geld, das jemand freiwillig herausrückt, um Menschen zu unterstützen, die er bemitleidet, oder um die Verwirklichung einer Idee zu fordern, die er für richtig hält: um Spenden also. Damit auch um den, der spendet und um den, der das Geld erhält, das Spenden-Opfer
 
Loriots erster Kinofilm hatte am 9. März zeitgleich im Westen und im Osten Berlins Premiere. Je eine Berlinerin aus West und Ost waren für KONKRET dabei
 
Gelächter und Beifall satt auch in Berlin/Hauptstadt. Loriot als Wiedervereiniger durch gesamtdeutschen Humor?