in Literatur konkret 1986

Editorial
 
Fragen einer Türkin zum «erfolgreichsten Buch der Welt”: Ist Mitleid der vornehmste Ausdruck für Verachtung? Sind wir alle unterdrückt und naiv?
 
Rolf Niemeyer, der in der Türkei lebt und arbeitet, über eine spezielle Form türkisch-deutscher Freundschaft: Özals Marktwirtschaft & Wallraffs Seller
 
Uber den Islam wissen wir gar nichts, oder: von den Grenzen der Verkleidung beim Rollentausch
 
Preisrede zur Verleihung des Karl Kraus-Preises 1986* von Hermann L. Gremliza
 
Wer ist der Literat Hans Christoph Buch? Die Liste seiner Bewunderer ist ebenso lang wie aufschlußreich, die Rezeption seines Oeuvres stattlich
 
Über Glaubwürdigkeit der Sprache in der Literatur
 
Ob poetisch, wissenschaftlich oder sozialkritisch: Südseeliteratur ist weiß. Die Kolonisation der »Naturkinder des Pazifik« war gründlich. Erst beute entwickelt sich eine eigenständige Literatur
 
Das Motto der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist »Indien«. Unbefangen wird ein Halbkontinent mit achtzehn Literatursprachen über einen Leisten geschlagen, als veranstalte ein Großkaufhaus Indische Wochen.
 
Unsere Medien verklären den Spanischen Bürgerkrieg zum Mythos von der schönen Revolution. Literarisch ist er ein europäischer Entwicklungsroman
 
Mit zwanzig Jahren stieg Arthur Rimbaud aus der Droge Lyrik aus. Daß er keine Nachahmer gefunden hat, bedauert Oskar Cöster
 
Die Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften oder: die Wiedergeburt des Genies.
 
Die Generalthese Paul Virilios, französischer Theoretiker der Geschwindigkeit: Der Film ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.
 
Ein Plädoyer an Liebhaber der Literatur, ihr jenseits aller vor- und nachgekauten »Meinungen« als unvoreingenommener Leser eine Chance zu geben.
 
Über der Meterverlag, ein ganz dünnes und ein dickes Buch
 
»Jenseits von Afrika« war für viele Kinobesucher die erste Begegnung mit der Schriftstellerin Tania Blixen. Entgegen kulturpessimistischer Übereinkunft hält Christel Dormagen das für keinen schlechten Weg
 
Ulrich Becher, der seit 1954 in Basel lebt, war der jüngste Schriftsteller, dessen Bücher 1933 von den Nazis verbrannt worden sind
 
An einem Sonntag um 7 Uhr morgens verkaufte das Sonntagskind Ludwig Turek seine Lebensgeschichte
 
Mit seinem neuen Roman »Schinderhannes« hat Gerd Fuchs nicht den Rückzug ins Historische angetreten, sondern setzt damit seine sozialanalytische Erzählweise fort
 
Der Held in Brigitte Kronauers drittem Roman kann nicht lieben, weil er alles, was er beginnen oder aufgeben müßte, schon vom Ende her kennt - und doch ist es eine vollkommene Liebesgeschichte
 
Hermann P. Piwitt hat den Dichter, Volkshelden und Lebemann Gabriele D‘Annunzio auf die Liste der großen Schelme gesetzt. Sein neuer Roman spielt um die Wende zum 20. und meint die Wende zum 21. Jahrhundert
 
Eine unheilbar kranke Mathematikerin setzt sich in ihren Tagträumen mit der Physikerin Lise Meitner auseinander, was wiederum von der DDR-Mathematikerin Helga Königsdorf erzählt wird
 
Anja Meulenbelt, holländische Feministin und Vielschreiberin, hat einen Roman über ihre Mutter geschrieben, was kein Grund für die Autorin war, sich von ihrem Lieblingswort »ich« zu trennen
 
Schwanken Publikationen über die Geschichte der Literatur zwischen Nachschlagewerk und geschichtlicher Interpretation, kommen sie als Zwitter zur Welt
 
Der kenianische Autor hieß noch James Ngugi, als sein Debut, in dem es um Befreiung von der Kolonialmacht ging, 1964 in London erschien. Heute beschäftigt Ngugi wa Thiong‘o sich mit dem Neokolonialismus
 
Der Philosoph Günther Anders ist bekannt als vehementer Kritiker der Technik im Atomzeitalter. Weniger bekannt sind seine Gedanken zur Geschichte des Fühlens
 
Südamerikaner müßte man sein. So phantastisch und dabei so realistisch. In kühleren Breiten gedeihen solche Temperamente und Talente leider nicht. Ein Gegenbeispiel ist Stanislaw Lem. Auf jeden Fall seine letzten Romane
 
Janet Malcolms Begabung, die richtigen Fragen zu stellen, bringt Licht ins Dunkel der vorläufig letzten »Vatermörder«-Affäre in der Geschichte der Psychoanalyse
 
Die Liebesbriefe des englischen Lyrikers John Keats an seine Geliebte Fanny Browne wurden als moralische Entgleisung verurteilt, er selber als »schwache Natur« und »triebhafter Sensualist«.
 
Sind die jetzt veröffentlichten Skizzenbücher Pablo Picassos ein Schlüssel zum Verständnis des Gesamtwerks? Was zeigen sie Neues