in konkret November 1986

von Konkret
 
über den Roman »Schinderhannes« von Gerd Fuchs
 
an Konkret
 
Bonzenbeugen von Hermann L. Gremliza
 
Mitglieder von Robin Wood und Robin des Bois bestiegen einen der monströsen Kühltürme des gewaltigen französischen Atomkraftwerks bei Cattenom. Edmund Gruber fiel in Hamburg ob der Bilder schier vom Sessel der Tagesschau-Chefredaktion und die französische Polizei setzt vom Hubschrauber mit Schaum und Reizgas so ziemlich alles ein, was die Repressionsarsenale hergeben, um die Besetzer vom Kühlturm herunterzubekommen. Es gelang nicht. Eine Reportage von Erdmann Wingert mit Fotos von Hinrich Schultze und Burkhard Maus
 
Wenn der US-Präsident Ronald Reagan im Januar 1989 endgültig aus diesem Amt verschwindet, wird seine Innenpolitik noch über Jahre hinweg fortgesetzt werden. Die obersten Gerichte sind mit mehr als strammen Parteigängern des Präsidenten besetzt, das oberste Gericht hat einen Vorsitzenden, der nicht nur gegen Frauen, Neger und Homosexuelle ist.
 
Die Bundestagsfraktion der Grünen, so es denn eine geben wird nach den Januar-Wahlen, darf sich auf einiges gefaßt machen. Mit dem Hamburger Thomas Ebermann zieht ein Mann ins Parlament, der in der Mitte des Plenums, wo die Grünen sitzen, absolut verquer plaziert sein wird. Vielleicht stellt er sich ganz links, wo so viel Platz ist, einen Stuhl dazu.
 
In einem Dorf in Gambia erforscht die Fondation Nestlé gegenwärtig den Nahrungsbedarf Schwangerer und stillender Mütter. Die Untersuchungsobjekte werden in einer kleinen Blechkiste gehalten. In einer größeren befinden sich die Meßgeräte und Computer, die, zum Vorteile des Umsatzes von Milchpulver, den Nachweis erbringen sollen, daß die Frauen in der Dritten Welt auch mit weniger Nahrung als bisher angenommen auskommen können.
 
Im revolutionären und zugleich kreuzkatholischen Nicaragua wird über die Abtreibung gestritten. Die Revolutionäre sind sich nicht einig, die Frauen der Revolution auch nicht
 
Der Rassismus in Großbritannien hat nicht nur eine ordentliche koloniale Tradition, sondern auch die schönsten Zukunftsaussichten: Konservative Politik und hilflose Ignoranz der Linken lösen nicht die Probleme, aber tünchen sie eindrucksvoll zu
 
1944 verurteilte der damalige Kriegsrichter und spätere Rektor der Universität Marburg, Erich Schwinge, einen 17jährigen Wiener Lehrling wegen Plünderung zum Tode. Ausgerechnet Himmler begnadigt den Verurteilten. Heute meint Schwinge frech, er selbst habe dem Verurteilten das Leben gerettet. Für die bundesdeutschen Gerichte ist auch diese Geschichte verjährt.
 
Der Verkauf der »Neuen Heimat« ist für die bundesrepublikanische Arbeiterbewegung kein Verlust, sondern die Chance, sich von einer Lebenslüge zu befreien.
 
Magazin
 
Bücher
 
Die Gründer der RAF haben Selbstmord begangen. Diese Version ist bundeskriminal-amtlich und sie hat sich durchgesetzt. Aber sie ist höchstwahrscheinlich falsch. Der Vorwurf Mord ist auch 10 Jahre danach nicht entkräftet. Der holländische Jurist Pieter Bakker Schut hat das Strafverfahren gegen Baader, Meinhof, Ensslin, Raspe und Meins von deren Verhaftung Mitte 1972 bis zu den Toden von Stammheim erneut analysiert und dabei bislang nicht zugängliche Quellen benutzt. KONKRET druckt ein Kapitel aus seinem Buch, das auch ein Anti-Aust-Buch ist.
 
Bernard Sinkel hat die Firmengeschichte der IG Farben als Familiengeschichte für das Fernsehen inszeniert. Die Fiktion ist näher an der historischen Realität, als es den Rechtsnachfolgern recht sein kann. Der WDR strahlt den Film unter dem Titel »Väter und Söhne« im November in vier Teilen aus
 
Wie sich die Freundschaft mit der SS als segensreich erwies und die Interessengemeinschaft Farben zu einem Chemie-Werk in Auschwitz kam. Auszug aus der »Geschichte der IG Farben« von Otto Köhler, die in diesem Monat erscheint
 
Zehn Jahre ist er jetzt hier. Fünfzig Jahre alt wird er. Seine Lieder sind nicht mehr die alten. Sein Gebrechen: Die Liebe. Ach, jaaaah, die Liebe
 
Ambler, der Autor, läßt sich vom Biographen Ambler nach einem schweren Unfall die Lebensgeschichte erzählen: eine Hommage an die Ausländer aller Länder.
 
James Baldwin, 62jähriger Romancier, Essayist und US-Bürgerrechtler, lebt seit 16 Jahren in Südfrankreich. Aber seine Erbitterung über den Rassismus - auch den europäischen - hat nicht nachgelassen. Brigitte Jakobeit sprach mit ihm über sein neues Buch, über Südafrika, die Deutschen und über den amerikanischen Traum, den kein Schwarzer träumt
 
Tomayers ehrliches Tagebuch von Horst Tomayer
 
Einige; Abschnitte über das Kino in der BRD unter Mitwirkung von Euler, Solanas, Volpini, Kipphardt, Achternbusch, Kluge, der Jugend, der Vorführer, der Kinoprovinz und anderer
 
Die Platzanweiserin von Renée Zucker
 
Das Globe Unity Orchestra, die Allstar-Bigband des Freejazz. Oder wie Musiker aus Improvisation und Atonalität schöne neue freie Musik machen. Seit 20 Jahren
 
Michael Kunitzsch über die »Welt«-Karriere des Martin Walser