in konkret Juni 1986

von Konkret
 
an Konkret
 
Über Marguerite Duras Aufzeichnungen aus dem Widerstand: »Der Schmerz«
 
Nichts geht mehr von Hermann L. Gremliza
 
Das Loch
 
Die Bundesregierung erklärt, daß es zu keiner Zeit eine akute gesundheitliche Gefahr für die Bewohner der BRD wegen des Unfalls in Tschernobyl gegeben habe. Die Bundesregierung erwägt, Schadenersatz von der Sowjetunion zu verlangen. Dafür, daß zu keiner Zeit Gefahr bestand? Oder ahnt die Bundesregierung, was Holger Strohm schon zu wissen glaubt: daß die späten Opfer von Tschernobyl auch in der BRD nach Hunderttausenden zählen werden
 
Am Nachmittag des 14. April empfing der libysche Revolutionsführer Gaddafi den italienischen Fernsehjournalisten Enzo Biagi in Tripolis zu einem Interview. Zur gleichen Stunde etwa starteten die US-amerikanischen Bomber von ihren Stützpunkten im britischen Leakenheath, um einige Stunden später Tripolis und Bengasi zu bombardieren. Biagis Interview, vorgesehen für die Magazin-Sendung »spot« im ersten italienischen Fernsehen, ging nicht, wie ursprünglich geplant, am 15. April über den Sender.« »Wegen Platzmangel erklärte der RAI-Präsident Biagio Agnes. Wohl eher wegen der Inhalte. Das Interview wurde schließlich am 22. April gesendet. KONKRET dokumentiert dieses Interview in einer leicht gekürzten Fassung. Die Übersetzung besorgte Udo Gümpel
 
Ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler geht in den Ruhestand: Professor Dr. Helmut Meinhold präsidiert seit 1959 dem Sozialbeirat der Bundesregierung. Die Regierungen wechselten. Er blieb. Seine Biographie scheint so makellos, daß sie nur voller Lügen und Lücken sein kann.
 
Hilfe für die Kanalarbeiter, jene an Schwindsucht leidenden Rechtsaußen in der Bonner SPD-Fraktion, kommt aus der Kanalstadt Datteln um Nordrand des Ruhrgebiets. Seine Getreuen wählten Horst Niggemeier, Bürgermeister und noch einiges mehr, zu ihrem Bundestagskandidaten. Ein Mann, so schwarz, daß er im Kohlenkeller Schatten wirft.
 
Noch setzen die AIDS-Experten auf Zusammenarbeit mit den Homosexuellen. Wie lange wohl?
 
Magazin
 
BÜCHER von Christel Dormagen
 
Mit einer Filmbesprechung versetzte der sozialdemokratische »Vorwärts« die gesamte Führungsspitze der Partei in Aufregung. Selbst Helmut Schmidt, nicht gerade als Kino-Freund in Erinnerung, fühlte sich »infam herabgesetzt«. Grund: Der Kritiker hatte auch an den wenig erbaulichen Anteil der Sozialdemokratie an der deutschen Geschichte erinnert
 
Die bundesdeutschen Fußballer müssen auch diesmal wieder an der Fußballweltmeisterschaft teilnehmen, die während der nächsten vier Wochen in der dünnen Luft Mexikos stattfindet. Ob sie das aushalten? Keine Frage. Sportmediziner treiben sie über die Grenze menschlicher Leistungsfähigkeit. Wo gutes Zureden nicht mehr hilft, hilft Doping.
 
Über die neue Unübersichtlichkeit im deutschen Fußball
 
Während der noch vor wenigen Jahren als aufstrebendes Schwellenland gefeierte Aztekenstaat von Zahlungskrise zu Zahlungskrise wankt und eine aufgeschreckte westliche Bankenwelt mit ihren Kassandrarufen Endzeitstimmung verbreitet, wollen smarte Businessleute und Fussballimpresarios wenigstens für eine ungestörte Fußballweltmeisterschaft sorgen - aufs Brot wird dankend verzichtet.
 
Aus den Ermittlungen gegen die Nazi-Industrie-Führer leitete Morgenthau 1945 seinen Plan für ein friedfertiges Agrar-Deutschland ab. Aber Wallstreet ließ die alten Kollegen nicht im Stich. Otto Köhler über den zweiten OMGUS-Bericht
 
Der armenische Regisseur wurde lange als Dissident gehandelt. Seine Filme, auf Festivals gern gezeigt, hier ohne Chancen in den Kinos, zeigen die bedrohten Kulturen der kleinen Grenzvölker - ohne folkloristischen Mief
 
15 Jahre lang lieferten »Ton Steine Scherben« Hymnen des Anarcho-Rock wie: »Keine Macht für niemand« und »Allein machen sie dich ein«. Nun kommt das Solo von Rio. Rocklady Ulla Meinecke über die Ex-Scherbe
 
Unzählige blasen, und täglich werden es mehr. Kaum ein Popstück, das ohne das Glitzerding auskommt. Das Saxophon ist das Symbol für lockerlässige Lebensart geworden - es ist die Stimme der achtziger Jahre
 
Tomayers ehrliches Tagebuch von Horst Tomayer
 
Das die Schriftsteller wirklich interessierende Thema der Saison heißt Atari und Commodore. Bevor die Textverarbeitungsgeräte aber - wie alles Kreativ-Spielzeug zuvor - zur Endlagerung in die Hobbykeller verbannt werden, liefern sie den in Themennot geratenen Autoren noch einmal Stoff zum Schreiben