in Literatur konkret 1985

Editorial
 
Lenz, Walser, Böll: ein Zug durch die bundesdeutsche Großschriftsteller-Gemeinde. Wo wird was erzählt? Und wie? Und wem? Und was taugt diese Literatur?
 
Konvolute von Berichten über die Volksrepublik China haben das Fremde abgefrühstückt, zurück bleibt das große gelbe Meer des nahezu Unbegreiflichen.
 
Manchmal guckt er so bitter und erschöpft wie einer, der einen ganzen Sommernachmittag versucht hat, Fliegen in die Freiheit zu lassen aus dem Fenster raus ...
 
»Wenn die Frau das Recht hat, das Schafott zu besteigen, so muß sie auch das Recht haben, die Tribüne zu besteigen.« Oder in der ersten Reihe Platz zu nehmen. Über Ernst Bloch und das Prinzip Hoffnung
 
Phantastische Literatur - Sittenwächter oder Irritation? von Eberhard Hübner
 
Publikumsliebling der Saison ist ein Künstlerroman mit feinem Gespür für die Verelendung der narzißtischen Leserwünsche. Der Zeitgeist wird befriedigt, und der Erfolg ist zwingend. Die durch und durch böse Hauptfigur des Romans markiert eine historische Grenze.
 
Die Frage, ob künstliche Intelligenz eines Tages die menschliche ersetzen wird, ist für Martin Frank keine. Er hält Computer für ein überaus praktisches Romanbauwerkzeug, um das ihn viele Dichter beneidet hätten
 
Während sich Literaturwissenscbaftlerinnen um Definitionen zum Thema »weibliches Schreiben« bemühen, verstärkt sich der schriftliche »Geständniszwang«. Ingrid Klein hält beides für problematisch
 
Die Qualität der österreichischen Literatur entsteht durch den Vergleich mit sich selbst. Ein Streifzug von Walter Klier
 
Der Langstreckenläufer ist Spion, Bote und Kurier, der Orte miteinander verbindet. Der Schriftsteller als Langstreckenläufer ist sein eigener Spion, Sammler und Chronist. Vor und nach seinem Einhundert-Kilometer-Lauf sprach Jens-Peter Behrend mit Günter Herburger
 
Wenn Sie wenigstens 1 x im Monat sowas lesen wollen:Unschuld und Sühne
 
Um das Wohlwollen der Minister Volkssport, Verkehr & Vernunft bemüht sich unsere Abteilung Velo-Poesie mit einigen radkundlichen Anmerkungen, Oden, Hymnen, einem Lob dem Fahrrad im Gedicht und pedalmüden Seufzern von Otto Jägersberg
 
Der Mensch ist ein Lernwesen, oder kann es sein. Bei dem neuesten Glaßbrenner-Herausgeber meldet Walter Boehlich diesbezüglich starke Zweifel an
 
Wo Autoren dichtgedrängt um ihre Profile ringen, sind die der Medien nur mühsam auszumachen. Die Rede ist von Literaturzeitschriften, dem ärgerlichsten aber lebendigsten Teil des Literaturbetriebs.
 
Dichter ran! von Horst Tomayer
 
Sigi, kurz das Haar und lang das Bein, ist auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten verschwunden. Frieder Kern stürzt sich ins Getümmel der Buchmesse und sucht sie
 
Ein paar Bilder und kurze Texte, fadengeheftet zwischen glänzenden Buchdeckeln und »DaCapo« betitelt, lösten eine kleine Erregung aus.
 
Marguerite Duras über das Kino und das Fernsehen, über Peter Handke und Homosexualität, über ihre beiden letzten Bücher, über Frauen, Liebesgeschichten und Schmerz
 
Er studierte Philosophie in London, lebte in Südafrika und Japan, war Chemiehändler in Kolumbien, Landverkäufer in Australien, Polizist in Holland und lebt heute mit Frau und Katzen im US-Staat Maine.
 
Nach dem Erscheinen ihres ersten und einzigen Romans im Jahre 1943 wurde die 26jährige Jane Bowles rasch zu einer Berühmtheit der New Yorker Avantgarde - und bald zu einer Legende.
 
Die Nachtstücke der Djuna Barnes.
 
22 Jahre gab Franz Pfemfert »Die Aktion« heraus. Nach 1918 allerdings ohne Literatur und Kunst. In dem Bereich hatte er zu wenig Mitstreiter gefunden.
 
Eine durch nichts gefährdete Liebe verband Alfred Andersch über zwanzig Jahre brieflich mit seiner Mutter. - Seine unermüdliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft als Mäzen zeigt der Briefwechsel mit Arno Schmidt. Karl Heinz Götze über die beiden Dokumentationen
 
Den Mythos der »Stunde Null« demontierte ein Theaterstück von Michael Schneider, das jetzt zusammen mit einer Dokumentation erscheint - aus sehr aktuellem Anlaß.
 
Aus der Zweisatzrezension »Ich habe die Bücher gelesen. Und es war nicht umsonst« entspann Christel Dormagen den folgenden Briefwechsel mit der gedoubelten Redakteurin
 
Dem Leben kann man nur davonlaufen von Matthias Altenburg
 
Meienbergs Reportagen sind ungewöhnlich, weil er auf die als Ereignis bezeichneten Ereignisse verzichtet und stattdessen genau recherchiert. Er ist ein ernsthafter Chronist, ein indiskreter Mensch und überhaupt nicht nett, aber er kann schreiben.
 
Die letzte Erfindung des Vaters der Atombombe vereist alle Kontinente und Weltmeere. Eine Endzeit-Vision als Science-Fiction-Burleske für die kleine Vonnegut-Kultgemeinde.
 
Der Mörder kann nicht der Gärtner gewesen sein, denn nur Genossen hatten Zutritt zur Tagung, die für den Führer der spanischen KP die letzte war.
 
Geschichten, die das unbeschreibliche Leben beschreiben, schwelgend in nüchternen Sätzen.
 
Eine Verwaltungsbeamtin in einer bayerischen Provinzstadt hat es verdient, in die Heldenchronik der großen Forscher und Entdecker eingetragen zu werden.
 
Zwei lustvoll-listige Wiener Feministinnen lasen noch einmal alle Titel, die Frauen bewegten. Ihre schwungvollen Filzstiftanstreichungen markierten die anstehende Befreiung.
 
Die Stellungnahmen, Mitteilungen und Kampfschriften des Wissenschaftlich-Humanitären Komitees der Jahre 1926-1933 zur homosexuellen Frage hat der Sexualwissenschaftler E Pfäfflin aufgestöbert.
 
Ein Aufklärungsbuch gegen humane Vernunft, das durch die Hintertür sich avanciert gebender Vernunftkritik die alte Herrschaft fordert.
 
Die Konrad Adenauer- Biographie von Peter Koch, dem ehemaligen »Stern«-Chefredakteur, aktualisiert das alte Motto: »Geld regiert die Welt«.