in konkret Dezember 1984

Verlags-Mitteilungen
 
an Konkret
 
Kopf-Wäsche von Hermann L. Gremliza
 
Nachrichten
 
Die sozialistischen Mißwirtschaftler sind abgelöst, in Bonn regieren die Männer des freien Markts. Es herrschen wieder die alten lügenden: Wahrheitsliebe, Disziplin, Ehrlichkeit und Unbestechlichkeit. Den Preis bestimmen Angebot und Nachfrage
 
Ist die sandinistische Revolution noch zu retten? Wer kann sie retten? Wer will sie retten? Oder bereitet sich die Abteilung kritische Solidarität insgeheim schon darauf vor, am Grab einen eindrucksvollen Auftritt hinzulegen?
 
Beinharte Monumentalität von Karl Pawek
 
Das Trinkwasser in Hessisch-Lichtenau und die deutsche Geschichte
 
Zur Sozialphilosophie der achtziger Jahre
 
Notizen aus einem Feuchtbiotop
 
Horst Tomayer sprach als Doktor Dombrowski, einst Bitterfelder Kirchenmitarbeiter,. nun im Brüsewitz-Zentrum bei Paderborn gelandet, mit dem Fernseh-Pfarrer Sommerauer.
 
Die moralische Instanz Weiblichkeit in der Bonner Politik bei den Grünen und den anderen
 
Antje Vollmer von den Bonner Grünen über den Nutzen des Frauenvorstandes - Die Fragen stellte Sabine Rosenbladt
 
Die Diskussion um ein staatlich garantiertes Gehalt für alle - Eine Zusammenfassung
 
Diesmal ist das Gerücht wahr. Noch in diesem Jahr, bestätigt Hans-Gerhart Schmierer, werde sich der Kommunistische Bund Westdeutschland auflösen. Politisch bedeutsam sei die Entscheidung ohnehin nicht mehr, meint der langjährige KBW-Sekretär. Es gehe lediglich noch um einen rein formalen Akt. Ein bißchen mager für die ehemals größte K-Gruppe der Bundesrepublik. Geräuschlosigkeit war bislang nicht gerade die hervorstechendste der KBW-Tugenden. Wenigstens ein paar Abschiedsgrüße sollten die Genossinnen und Genossen mit auf den Weg bekommen.
 
Mord? Allerdings! von Peggy Parnass
 
Nicaragua nackt von Christel Dormagen
 
Millionenverluste, klagt die deutsche Buchindustrie, entstünden ihr durch illegale Raubdrucker, die, ohne Autorentantiemen zu zahlen, im Hinterhof hergestellte Billigausgaben unters Lesevolk streuen. Und tatsächlich: Raubgedruckt wird alles, was auf dem Buchmarkt ein Erfolg ist oder einer zu werden verspricht. Der Vertrieb der fotomeschanisch verkleinerten Bücher mit der unaufwendigen Paperback-Ausstattung ist weit verstreut organisiert und läuft über Büchertische, alternative Buchläden oder im Handverkauf. Reinhard *, 26 Jahre alt, geht in einer westdeutschen Universitätsstadt abends mit einem Korb unter dem Arm durch Kneipen und verkauft derzeit etwa 20 verschiedene Raubdrucke. Thomas Östreicher fragte ihn nach seinen Untergrund-Geschäften.
 
Ein Vorschlag für Kenn-ich-weiß-ich-interessiert-mich-nicht-Leser/innen: Vielleicht nochmal aufstehen, die Platte »My life in the Bush of Ghosts« besorgen und ein zweitesmal mit Lesen beginnen
 
Hier und demnächst gerne wieder Empfehlungen und Tips von einem herrschenden musikalischen Geschmack unseres Landes
 
Heimat - erinnern Sie sich noch? Das war der Film von Edgar Reitz, das kulturelle Pendant zur Ewing-Familie im Nirgendwo. Die Rettung eines Stücks Geschichte - fürs (Film)Museum. Vielleicht war die Fernsehserie mit ihren begleitenden Kommentaren von: Wie schade, daß es das alles nicht mehr wirklich gibt! bis zum dumpfen Herumhantieren mit den Begriffsfetischen Nationalsozialismus/Faschismus der einstweilige Zenit in der Laufbahn des Umstands Heimat. Von der jetzt abfallenden Kurve herab sichtet Roland Ludwig die versprengten Trümmer auf dem Territorium von Heimat/Literatur, - Raumpartikel, die sich seit dem jüngsten Tumult vielleicht doch nicht so handig verschoben haben, daß sie in jedes Museum paßten.
 
Der Fettfleckphotometereffekt von E. Bierich
 
Unter dem Druck der privatwirtschaftlichen Fernsehkonkurrenz flüchtet das ZDF in den Skandal. Ihre ab März 85 ausgestrahlte und mit den Amerikanern koproduzierte Serie »Motel S« schildert das lustige Treiben in einem Motel, das die Sterbehilfe als Dienstleistung feilbietet. Daß der Mainzer Plan, die Geschichten aus dem Selbstmordmotel zur Dallas-Sendezeit Dienstag 21 Uhr 45 zu bringen, kein selbstmörderischer sein wird, belegen Publikumstests in den USA. Bob Pittmann, Direktor der Serienproduktion: »Wenn unsere Rechnung aufgeht, wird die Dallas-Familie in zwei Jahren Kunde im 'Motel S' sein. In einer letzten großen Inszenierung werden sie bei uns ihren Selbstmord zelebrieren.«
 
Vermischtes aus der Filmindustrie der Lebenden und der Toten in 31 Abschnitten
 
Christel Dormagen hat Bücher von Frauen gelesen