in konkret Juni 1984

Mitteilung
 
an Konkret
 
Amnesie national von Hermann L. Gremliza
 
Nachrichten
 
Ist die »Neue Weiblichkeit« nun auch bei den Bonner Grünen voll erblüht? Berichterstatter, Konkurrenten, Kollegen reagierten auf die grüne Frauenwahl mit heftiger Erregung. KONKRET-Reporterin Sabine Rosenbladt war vor solchen Triebdurchbrüchen gefeit
 
KONKRET-Interview mit drei AKW-Saboteuren aus Lüchow-Dannenberg
 
Was Richard von Weizsäcker zum Amt des Bundespräsidenten verholfen hat, sind deutsche und soldatische Tugenden: Kameradschaft, Gehorsam und die Fähigkeit, zu jeder Kollaboration bereit zu sein, wenn sie nur dem eigenen Fortkommen dient. Jetzt ist er ganz oben: honorig, staatstragend, vornehm und gut. Eine Amtseinführung von Otto Köhler
 
Home of the brave
 
Er komme, um »die Wirklichkeit des Widerstands zu leben«: Dieses Empfehlungsschreiben gaben Exil-Chilenen dem KONKRET-Autor Warner Poelchau mit auf den Weg in ihre Heimat. Poelchau erlebte den Widerstand - auch am 1. Mai in Santiago
 
Die losen Perspektiven des Peter Glotz für eine »regierungsfähige Linke«
 
Die meisten alternativen Wirtschaftsunternehmen in der BRD sind reich an Elan und besonders knapp an Kasse. Sie sind überschuldet und unterkapitalisiert. Jetzt hoffen sie, sich mit einer eigenen Bank selbst zu retten. Werner Heine berichtet über diese Bemühungen
 
Es war die SPD, die auf die formidable Idee kam, die »Leugnung und Verharmlosung nationalsozialistischer Gewaltmaßnahmen« von Strafrichtern ahnden zu lassen. CDU/CSU und FDP verlangen nun, daß nach dem geplanten Paragraphen auch bestraft werden soll, wer die an Deutschen bei den Vertreibungen nach Kriegsende begangenen Verbrechen leugnet oder verharmlost. So soll zum ersten Mal in der neueren Rechtsgeschichte ein staatlich gewünschtes Geschichtsbild - Auschwitz ist durch die Leiden der Sudetendeutschen gesühnt - als Rechtsgut durch das Strafgesetz geschützt werden. Hans-Heinz Heldmann, der als Verteidiger nicht nur in Stammheim die Strafjustiz beim Umgang mit Geschichte und Gesetzen beobachten konnte, macht einen besseren Vorschlag:
 
Die Mörder sind unter uns von Wolfgang Pohrt
 
Warum eigentlich keine Amnestie? von Sebastian Scheerer
 
Von der ganz gewöhnlichen Verfassungswidrigkeit eines bundesdeutschen Verfassungsrichters, der 1941 seinen Doktor machte: Willi Geiger
 
Weil sich die verfallende Schönheit ihrer schönen neuen Welt mit rationalen Argumenten immer schlechter anpreisen läßt, greifen die Herrschenden in die Trickkiste alter und neuer Psycho-Kampftechniken. Gurus, esoterische Zirkel, Geheimbünde und neue Sekten bilden einen neuen Kulturbetrieb, der freilich eine »unendliche Geschichte« hat: Sie reicht von den Theosophen über Hitler-Förderer bis zum Pariser »Figaro-Magazin« und dem neuesten deutschen Märchenfilm
 
Talk-Shows und Titelgeschichten, im Herbst `83 auf Lebensrettung abonniert, umkreisen im Frühling `84 ein neues Thema: Sterbehilfe, Nicht für den Wald, der in diesem Fach keinen Nachhilfeunterricht braucht. Sondern der Mensch steht im Mittelpunkt
 
Nichts ist älter als die politische Mode von gestern. Nichts freilich ist andererseits aktueller geblieben als die Möglichkeit, daß nicht die Menschen sich von unhaltbar gewordenen Herrschaftsverhältnissen, sondern diese sich per Atomkrieg von den Menschen befreien. Grund genug, sich auch nach der Niederlage der Friedensbewegung mit ihr zu befassen, zumal mit den skandalösen Fehlern, die sie gemacht hat.
 
und der Dünkel der westdeutschen Linken
 
Frieder Faist deckt die zeitlose Dramaturgie des deutschen Fernsehspiels auf
 
Kolumne
 
Zwei Finger unterm Nabel von Christian Rentsch
 
Plattentips
 
Horst Tomayers liebe Grüße an die Erfolgslyrikerin Kristiane Allert-Wybranietz
 
Die aktuellen Schreckensbilder aus den Hungerregionen der Erde haben eine Vorgeschichte. Der deutsche Beitrag dazu war knapp, aber von beispielgebender Wirkung
 
Notizen
 
Nach Ula Stöckls Film »Der Schlaf der Vernunft« lernt man den Innenminister schätzen
 
In dem Mutter-Tochter-Melodram »Zeit der Zärtlichkeit« ist der Zuschauer mit Kopf und Bauch dabei: Entweder heult man, oder man kotzt
 
»Der Aufenthalt«, ein Film des DDR-Regisseurs Frank Beyer, kommt nun auch bei uns in die Kinos
 
Unernst und umständlich wie der Titel ist Helke Sanders neuer Film »Der Beginn aller Schrecken ist Liebe«
 
Barbara Sichtermann: Weiblichkeit. Zur Politik des Privaten. Wagenbach Verlag 1983, 160 Seiten, 12 Mark
 
Wolfgang Pohrt: Kreisverkehr, Wendepunkt - Über die Wechseljahre der Nation. Edition TIAMAT, 1984, 174 Seiten, 14 Mark