in Literatur konkret 1983

Editorial von Ingrid Klein
 
Die bildende Kunst hat die Neutronenbombe längst hypothetisch gezündet: das anpassungsfähige, experimentierbeflissene Meerschwein Künstler hat den Menschen eliminiert
 
Der Anteil der Frauenbewegung an der Zerstörung der Vernunft von Hermann Peter Piwitt
 
Ein Roman im Flüsterton, der sich nicht drohend auf Gemeinsamkeiten des Lebens im allgemeinen und im besonderen beruft, hellhörig für unauffälligste Bewegungen
 
Ein Schriftsteller schreibt daß er arbeitet.
 
Apostel des sogenannten Realismus beurteilen ein Kunstwerk nach seinem Inhalt. Sie irren.
 
Wenn unsere Autos so schlecht gebaut würden wie unsere Bücher, lägen unsere Straßen voll mit Toten. Ein Kommentar zur Buchgestaltung
 
Die neue Literatur wurde ausgehungert, Sie sollte nie wieder zu dem werden, was sie vor dem Faschismus war, Es war die Bourgeoisie selbst, die das Ende der bürgerlichen Literatur nachdrücklich einläutete
 
Der Barbier des Präsidenten von Gabriel García Márquez
 
Zur Wiedergeburt des Feuilleton-Schutt als Philosophie schrieb Christoph Hein aus der DDR einen Brief
 
Ein Volk liest seinen Dichter von Hermann L. Gremliza
 
Welche deutschen Nachkriegsautoren werden dann noch von Bedeutung sein? Im Jahre 1910 hielt man zum Beispiel den Nobelpreisträger Paul Heyse für den zeitgenössischen Autor, der auch in fünfzig Jahren noch gelesen werden würde. Überlebt haben aber ganz andere. Auf unsere Frage erhielten wir folgende Antworten:
 
Die junge Generation ist verlagstechnisch in Zielgruppen zerlegt worden. jetzt gibt es nur noch Ökos, Punks, Beziehungskisten, Arbeitslose, Drogenabhängige. Und für alle den spontan geplanten, problemorientierten Randgruppenroman
 
Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Natur und Geschichte und was es sonst noch an Achtundsechziger-Plunder gibt, kennt die Welt der neuen Literaten nicht
 
Die Lyrik-Bändchen von Kristiane Allert-Wybranietz sind über 400. 000 mal verkauft worden. »Dial-a-poem« wird in einer mittleren Großstadt tausendmal pro Woche gewählt. Ist aus dem utopischen Anspruch »schreiben kann jeder« ein »dichten kann jeder« geworden?
 
Alles rückt jetzt näher zusammen: die Rechten sowieso und die Linken sind endgültig gegen das Böse und für das Gute
 
Das Lied vom kleinen Glück des Kleinschriftstellers von Horst Tomayer
 
B. Travens Reisebericht über Mexiko ist eine Mischung aus Faszination, Utopie, politischer Klarsicht, latentem Rassismus und unbewußtem Anti-Imperialismus.
 
Die Tagebücher von Sylvia Plath, die nur in den blauen Stunden Zeit zum Schreiben fand, sind jetzt, vom Ehemann bereinigt, in den USA erschienen.
 
Der Held in» 1984« ist ein Frauenfeind wie sein Schöpfer George Orwell. Seine politische Botschaft ist die der Thatchers, Reagans und Kohls.
 
Fünfzig Jahre alt sind die Polemiken von Kurt Hiller über Krieg und Wiederbewaffnung, über die »Gewerkschaftswebel«, die Engstirnigkeit von Monopol-Funktionären, die Zersplitterung der Friedensbewegung und die Uneinigkeit der Linken. Aber veraltet sind sie nicht.
 
Hardy Worm war so bescheiden, hellsichtig, kämpferisch und einfallsreich wie Tucholsky, aber auch naiver. Vor zehn Jahren starb er völlig unbekannt in Berlin.
 
200.000 Taschenbücher von »Am Fließband«, der Abrechnung mit Henry Ford, kaufte die Automobilarbeiter-Gewerkschaft 1937 ihren Mitgliedern.
 
Wenn der Schweizer Friedrich Glauser mal nicht interniert war, hat er in einem Kohlebergwerk, auf dem Monte Veritá, in der Fremdenlegion oder als Gärtner gearbeitet, gelebt und geschrieben.
 
Nach 1.200 Seiten Erkundung im »Leitplankenland« BRD schickt Günter Herburger den Kurier seiner Thuja-Triologie, Johann Jakob Weberbeck, zur Erholung in die DDR, in das »Land ohne Geraden«.
 
Martin Walser hat sich beim Lesen von Proust, Goethe, Schiller, Swift, Heine und anderen betören lassen. Seine Leseerfahrungen sind ein unaufdringliches Vergnügen.
 
Die ebenso karge wie kunstvolle Geschichte eines Lebens am Leben vorbei ist in der DDR bereits zu einer Art Kultbuch geworden.
 
Der letzte Akt vom Drama des begabten Sartre, inszeniert von seiner Gefährtin Beauvoir, ist ein deprimierendes Schauspiel.
 
In der DDR galt Hartmut Lange als Marxist. jetzt führt er hier in der BRD als Schöngeist vor, wie das Sein das Bewußtsein verändert.
 
Das nunmehr gedruckt vorliegende Kulturkonzept der ehemaligen Schattenministerin Alfred Dreggers ist die intellektuelle Entsprechung dessen, was ihr als »Schmuddellook« erscheint.
 
Die Geschichte des Rätsels »Odone« ist gleichzeitig eine ganze Kolonialgeschichte anhand des Mikrokosmos der Insel Martinique.
 
So fade wie ein Milchshake und so harmlos wie ein Kaninchen ist die Sexualität des Menschen aus der Sicht amerikanischer Wissenschaftler.
 
Einige Bücher werden gerade dann von der Szene gekauft, wenn sie nicht mehr als ein schlechter alternativer Herrenwitz sind.
 
Es gibt Wahrheiten, die nimmt man nicht wahr, und es gibt Gefühle, die sind wahr. Für sich beides richtig, vermischt wär's noch besser.
 
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