in konkret September 1977

Briefe
 
Intern
 
26.624 Mark kostet eine Anzeigen-Seite in der »Frankfurter Allgemeinen«, 22.880 Mark in der »Welt«. Auf sechs Seiten wurde in der »Welt« Pontos Tod angezeigt, auf sechseinhalb Seiten in der »FAZ«. Steuerlich abzugsfähig, auf unser aller Kosten, demonstrierten Bank- und Konzernbosse – ja, was wohl? Trauer? Wie sollte sie das wohl tun, die Knorr Nährmittel AG: trauern? Nein, vorgeführt wird, aus gegebenem Anlaß, wer wir sind, was wir können und was uns gehört: Halb Deutschland und die ganze »Welt«. Wir sind wir, hier oben. Uns kann keiner. Wo wir Zeitungsseiten kaufen, wächst keine Information mehr. Wer den Anzeigenraum bezahlt, bestimmt, was im Leitartikel gespielt wird. Ihr habt auch eure Toten? Daß wir nicht lachen.
 
»Hitler hat den 1. Weltkrieg verloren und den 2. Weltkrieg gewonnen, aber den Bau der Mauer nicht verhindert.« Oder: »Hitler war der Stellvertreter von Bismarck und sitzt heute in der DDR in Haft« - Proben aus Schulaufsätzen Vierzehn- bis Siebzehnjähriger. Auf sie, ihre Eltern und Großeltern ist die Hitler-»Welle« gezielt, die in diesem Sommer über die Republik getrieben wird
 
Von Richtern und anderen Sympathisanten von Peggy Parnass
 
Joachim C. Fest ist ein Barometer gesellschaftlicher Entwicklung. Als alles in Scherben lag und Freiheitshelden gefragt waren, ging er zur Jungen Union. Später, als der Wirtschaftswunderspeck auch die Liberalen juckte, machte er ein forsches »Panorama«. Die Studentenrevolte verbrachte er beim »Spiegel«, als die Stimmung umschlug ging er zur »FAZ«. Und in diesem Jahr schließlich präsentiert er den Film »Hitler - eine Karriere«
 
Fests Hitler Film beginnt mit der Lüge: Hitler war nicht im Bunde mit dem Großkapital. Faschismus-Forscher Kühnl, Professor in Marburg, stellt richtig:
 
»Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland unternimmt seit Jahren wirksame Maßnahmen für das Verbot neonazistischer und rassistischer Organisationen«, antwortete Bonn auf eine besorgte Anfrage der UNO. Hier, gestützt auf Meldungen der Zeitschrift »Die Tat«, eine höchst unvollständige Dokumentation neofaschistischer Aktivitäten allein aus diesem Jahr. Nicht berücksichtigt sind zum Beispiel sämtliche SS-Treffen. Mindestens 49 gab es davon in diesem Sommer
 
Es war kein Spitzel vom Verfassungsschutz und auch kein »Bayernkurier«, der den »Bild«-Reporter »Hans Esser« alias Günter Wallraff auffliegen ließ. Sondern - immer mal wieder - ein sogenannter Linker.
 
Immer massiver werden Arbeitslose als Arbeitsscheue diffamiert, weil sie sich nicht unter ihrem erreichten Qualifikations- und Lohnniveau verkaufen wollen. Gleichzeitig wird arbeitslosen Managern geraten, sich möglichst genau so »arbeitsscheu« zu zeigen
 
Zu dem Beitrag »Die Maßnahme« in KONKRET, Heft Juli - 7/77.
 
In KONKRET 7/77 hatte der Atomwissenschaftler Klaus Traube, im Umgang mit übergreifender Staatsmacht unfreiwillig erfahren, den Überfall der Polizei auf den Jugendhof Odenthal beschrieben. Kölns Polizeipräsident Hosse schickte dazu eine ellenlange Gegendarstellung. Was von ihr zu halten ist, legt Klaus Traube in einem offenen Brief dar
 
Der Terror gegen Frauen endet nicht. Auch der neue 218 hilft allenfalls in Großstädten. Im südstaatlichen Konstanz beispielsweise hat er den Leidensweg der Frauen nur verlängert.Trotz allem Reform-Getöne -auf dem Land und in Kleinstädten bleiben die Engelmacherinnen im Geschäft. Die Busunternehmer, die nach Holland fahren, auch. Der Kampf muß weitergehn
 
Magazin
 
»SPD ist gut – Juso ist linksradikal« von Tamara Kasten
 
Wider den Dirigismus von Niklas Pataky
 
CIA: Menschenversuche, Strahlentod, Politikermord - das Waffen-Arsenal zur Verteidigung der Freiheit in Friedenszeiten. Das Ungeheuerliche wird zugegeben; aber die Taktik heißt: Beichte, Absolution, Weitermachen
 
Einer Hochschule soll verboten werden, sich über Belange der Hochschule zu äußern
 
Wie gefährlich leben ausländische Journalisten, die in ihrer Heimat die Wahrheit über die BRD schreiben?
 
Hendrik Bussiek hat sich eine neue Zeitschrift angesehen
 
Ein deutscher Julitag
 
Ernst Bloch ist tot. De mortuis nil nisi bene, und so glaubt selbst Helmut Kohl, Bloch jetzt einen großen Mann nennen zu dürfen. Die Bloch, als er noch lebte, zugehört haben, ehren ihn kritisch: Martin Walser, der Bundesbürger, und Wolfgang Harich, der Bürger der DDR, sagen, was die »Bloch-Frequenz« in der deutschen Wirklichkeit bedeutet
 
Ernst Bloch ist tot. De mortuis nil nisi bene, und so glaubt selbst Helmut Kohl, Bloch jetzt einen großen Mann nennen zu dürfen. Die Bloch, als er noch lebte, zugehört haben, ehren ihn kritisch: Martin Walser, der Bundesbürger, und Wolfgang Harich, der Bürger der DDR, sagen, was die »Bloch-Frequenz« in der deutschen Wirklichkeit bedeutet
 
Immer hat Bloch auch in aktuell-politische Auseinandersetzungen eingegriffen (auf dem Foto spricht er 1968 zu Stuttgarter Vietnamskriegs-Gegnern). In seiner letzten öffentlichen Äußerung antwortete er den »Blättern für deutsche und internationale Politik« (Pahl-Rugenstein-Verlag) auf eine Umfrage zur Neutronen-Bombe
 
...für Bertelsmann und Springer, für Siemens und SEL bei der Fernseh-Lotterie um den größten Einfluß in den öffentlichen Medien. Eine Vorentscheidung fällt auf der Funkausstellung, wenn ab 26. August ARD und ZDF gemeinsam und mit Verlegerbeteiligung Videotext-Versuchssendungen in Westberlin ausstrahlen. Über diesen und weitere Versuche, das öffentlich-rechtliche Rundfunkmonopol zu knacken, schreibt der Kommunikationswissenschaftler Horst Holzer
 
Platten-Kolumne
 
Montieren kann jeder! Kann jeder montieren? von Norbert Stratmann
 
Bei den Weltmeisterschafts-Vorbereitungen in Argentinien rollen nicht nur Bälle: Die Militärjunta hat auch im Organisationskomitee das Sagen
 
»Die Blusen des Böhmen« soll Robert Gernhardts neues Buch heißen, das im Oktober bei Zweitausendeins erscheint, worin der Verfasser sich wieder mal seiner Kernfrage stellt: Gott - Neutron oder Plankton? Und dies ist eine seiner Geschichten: