in konkret Oktober 1976

Briefe
 
konkret intern
 
Hat der Maoismus eine Zukunft? Der belgische Trotzkist Ernest Mandel, führender Theoretiker der 4. Internationale (mit Einreiseverbot in die BRD) und Fritz Walter - unter diesem Pseudonym schrieb der sozialistische Wissenschaftler schon in den 20er Jahren in der Arbeiterpresse -geben überraschend ähnliche Auskünfte
 
Hat der Maoismus eine Zukunft? Der belgische Trotzkist Ernest Mandel, führender Theoretiker der 4. Internationale (mit Einreiseverbot in die BRD) und Fritz Walter - unter diesem Pseudonym schrieb der sozialistische Wissenschaftler schon in den 20er Jahren in der Arbeiterpresse -geben überraschend ähnliche Auskünfte
 
Schleyer befiehlt, wir tragen die Folgen von Alexander von Hoffmann
 
Ein DKP-Mitglied begründet, warum er seiner Partei einen Denkzettel verpaßt. Sein Name ist der Redaktion bekannt.
 
Nach der Wahl: Katzenjammer bei den Linken. Dabei sieht es doch gar nicht so schlecht aus. Auf der Welt. Von den alten Kolonialreichen sind nur noch wenige Ecken übrig (schwarz), von den befreiten Kolonien (grau) gehen immer mehr den Weg zum Sozialismus (rosa). Die sozialistischen Staaten selbst (rot) konsolidieren sich, während die kapitalistischen (weiß) mit ihren Krisen kaum noch fertig werden. In der „Dritten Welt" kann sich der Imperialismus oft nur noch mit brutalen faschistischen Regimes (schwarz) an der Macht halten
 
Bis wenige Tage vor dem Sieg des Vietkong spielten bundesdeutsche Politiker „Durchhalten"
 
Die südamerikanische Tragödie
 
Der Siegeszug des schwarzen Afrika
 
Der wechselvolle Kampf um die arabische Freiheit
 
Portugal ist für viele Linke kein Thema mehr. Seit Soares, dieser Homunkulus der „Friedrich-Ebert-Stiftung" und - wenn man der „New York Times" glauben darf - auch Stipendiat des CIA, das Land immer weiter nach rechts mitdrehen half; seit die Einheit „Povo/MFA" entschärft, zerbrochen ist; seit das portugiesische Großkapital wieder lüstern wird und von Brasilien und vom spanischen Exil aus das gehortete Geld wieder im Land investiert, seit der letzte PIDE-Agent ohne Prozeß wieder auf freien Fuß gesetzt wurde; seit auch Genscher und Schmidt das Land wieder für kreditwürdig halten, scheint Portugal für die meisten Linken verloren, wurde es uninteressant. (So sank die Abonnentenzahl der linken Informationszeitschrift „Portugal-Nachrichten" von 8000 auf knapp 500 Abos. Die Herausgeber mußten das Blatt einstellen.) Die Wasserzufuhr aus dem kapitalistischen Reservoir hat das leuchtende Revolutionsrot der Nelke zum Verblassen gebracht, jetzt gleicht sie einer gepreßten Poesiealbumspflanze: nur noch nostalgischer Erinnerungswert. Es ist zu befürchten, daß die Linke ihr Interesse und Engagement für Portugal erst wieder entdeckt, wenn dort ein z. Chile entstanden ist
 
Radikalauer von Winfried Thomsen
 
konkret magazin
 
Sicherheitsrisiko Argentinien von Dieter Brumm
 
Keine Zeitung, keine Behörde hat bisher auf die im letzten KONKRET veröffentlichten „Fakten zum Vorwurf: MORD" an Ulrike Meinhof reagiert. Die Vorbereitung eines internationalen Untersuchungsausschusses, die unter anderem vom Generalsekretär der „Internationalen Vereinigung für Menschenrechte bei der UNO", dem Genfer Rechtsanwalt Denis Payot unterstützt wird, wurde lediglich von der „Frankfurter Rundschau" gemeldet. Dagegen versuchten die „Zeit" und das ZDF-Magazin in langen Beiträgen, einige der Vorwürfe gegen die deutsche Staatsanwaltschaft, die vom Londoner „Observer" aufgegriffen wurden, zu entkräften. Eine Gruppe englischer Ärzte hat inzwischen diese angeblichen Widerlegungen widerlegt. In einem fünfseitigen „vorläufigen Informationsbericht" hat nun ein ausländischer Professor für gerichtliche Medizin zu den Akten der Staatsanwaltschaft und der Obduzenten Stellung genommen. KONKRET bittet seine Leser um Verständnis, daß seine Identität hier noch nicht mitgeteilt werden kann, und um Nachsicht für die Wiedergabe teilweise nur schwer zu ertragender Details. Wir halten eine Veröffentlichung derartiger wissenschaftlicher Stellungnahmen jedoch solange für unumgänglich, wie die Verantwortlichen schweigen. Hier in Auszügen die vorläufige Stellungnahme des Gerichtsmedizin-Professors:
 
Berufsverbot
 
Chile nach dem Putsch
 
Journalisten, die sich die Gunst des mächtigsten europäischen Verlegers nicht verscherzen wollten, fälschten die „Stern"-Krise zu einem Gruner + Jahr-Markt der Eitelkeiten um. KONKRET enthüllt die Hintergründe:
 
Die Stern-Redaktion sollte nicht nur an einem Lesering durch die Nase gegängelt werden. Bertelsmann ist mehr als Buch-Klub, Bertelsmann ist der größte Medien-Monopolist der Bundesrepublik. Kaspar Maase gibt einen Überblick:
 
Wie heilt man psychisch Kranke? Mit psychischer Therapie. Doch das ist langwierig, teuer und braucht viel Personal. Es geht auch einfach und billig - mit Stereotaxie: Man verbrennt Teile des Hirns, in denen man die Krankheit vermutet. Wie man ja auch einem komplizierten Bruch am billigsten und schnellstens durch Amputation beikommt. Sexualtäter sind die bevorzugten Opfer der Stereotaktiker. Aber nicht die einzigen: In den USA denkt man auch ein Demonstrationstäter
 
Am Beispiel des Hamburger Strafverteidigers Uwe Maeffert beschreibt KONKRET-Gerichtsreporterin Peggy Parnass, wie schon die engagierte Wahrnehmung der Mandantenrechte aus Anwälten Angeklagte macht. Nicht, wenn es um die Verteidigung von Kurt Lischka (Gestapo) Dany Dattel (Herstatt) geht, natürlich
 
Im Auftrag dieser Demonstranten, der badisch-elsässischen Atom-Kernkraftwerks-Gegner, schrieb der Liedermacher Walter Moßmann den folgenden Brief an Bundesforschungsminister MatthöferOffene Antwort auf ein KONKRET-Interview
 
Fußball, Karneval und Faschismus - Brasilien heute. Der Schriftsteller Hubert Fichte („Die Palette") berichtet davon in „Xango", seinem zweiten Buch über die afroamerikanischen Religionen, das soeben zusammen mit einem Bildband von Leonore Mau bei S. Fischer erschienen ist
 
Während bürgerliche Verleger noch mit dem 88a werbewirksam Vorzensur üben, ist der „Gewalt"-Paragraph in Polizei-Aktionen gegen linke Buchläden zum ersten Mal massiv angewendet worden. Inzwischen starb die Freiheit um eine Buchlänge: Das Landshuter Amtsgericht verfügte am 24. August die Beschlagnahme von „Haymarket" ein Wagenbach-Buch über die deutschen Anarchisten von Chicago im 19. Jhdt.
 
Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr. Dieses Manuskript kam unaufgefordert, wenn auch nicht eingesandt: Ein Kollege mit langem Haar, Lederjacke und Sturzhelm in der Hand, gab es wortlos bei uns ab. Wer Alois Kupferdraht wirklich ist, erfuhren wir nicht
 
Uwe Nettelbeck, einst Redakteur der „Zeit" und später Chefredakteur des alten KONKRET, gibt eine neue Zeitschrift heraus: „Die Republik". Das erste Heft ist soeben erschienen und über den Versand 2001 zu beziehen
 
Gruner + Jahr („Stern", „Brigitte") planen was Neues - wie in jeder besseren Kolonie nach US-Vorbild. In Amerika heißt das Ding „People", bei uns soll es „Leute" heißen, „Popel" nennen es die „Stern"-Redakteure und reimen: Popel wird ein Flopel. Burkhart Mauer hat die 00-Nummer durchgesehen:
 
In dieser KONKRET-Buchkolumne berichten Autoren über ihre Lektüre. Der in Westberlin lebende Dramatiker und Lyriker Yaak Karsunke („Kilroy & andere"), dessen Revue „Unser schönes Amerika" im November am „Theater im Turm" in Frankfurt Premiere haben wird, hat neue und alte Bücher zum US-Jubiläum gesichtet. Sein Fazit: 200 Jahre sind genug
 
von Ludwig Fels
 
Die Grabreden nehmen kein Ende, dabei ist politisches Kabarett in dieser Republik wichtiger als je.Dietrich Kittner, Jg. 1935, kann das beurteilen; er macht seit 15 Jahren politisches Kabarett - mit wachsendem Erfolg. Auf Tourneen und nun auch im eigenen Haus, dem „Theater an der Bult" in Hannover, einer Art Taschentheater. Wolfgang Bittner befragte den Kabarettisten für KONKRET
 
Mehr und mehr stellen die Verlage ihre Produktion auf „Bestseller" ab. In den wöchentlichen Kursnotierungen spiegelt sich die Kulturnation. KONKRET hat sich einige dieser Titel vorgenommen: Den Anfang machte Prof. Ernest Borneman mit der laufenden Nr. 1, H. E. Richters „Flüchten oder Standhalten" (KONKRET 9/76). Diesmal analysieren Bodo Zeuner und Matthias Pfüller, Dozenten für politische Wissenschaft an der FU Berlin, Klaus Mehnerts „Jugend im Zeitbruch", lange Zeit Nr. 2 der Bestseller-Liste